Eishockey-Fan Michael über Kommerz

»Andere traf es härter«

Für manche Fußball-Fans ist die Kommerzialisierung im Eishockey ein warnendes Beispiel. Michael Leinhoß vom Fanbeirat der Eisbären Berlin spricht im Interview um Stehplätze, Eventfans und Klatschpappen. Eishockey-Fan Michael über Kommerz

Herr Leinhoß, im Fußball gibt es bei den Fans Einordnungen wie »Kutten« oder »Ultras«. Ist das im Eisheockey auch zu bemerken?

Es ist alles genauso, nur in einem kleineren Rahmen. Bei uns geht es deshalb etwas familiärer zu. Ultras sind bei uns sehr gut integriert, es gibt da nicht so extreme Unterscheidungen.

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Vor wenigen Jahren sind die Eisbären in die eine größere Halle umgezogen. Was hat sich dadurch für die Fans verändert? Mussten die Fans auch um Stehplätze kämpfen?

Zunächst einmal sind die Entscheidungswege länger geworden, da durch unseren Sponsor alles über Amerika läuft. Wir hatten im alten Stadion eine Stehplatz-Kapazität von 3.500. In dieser Größenordnung wollten wir es auch im neuen Stadion gestalten, aber leider mussten wir einsehen, dass die Nachfrage nach Stehplätzen zu gering war. Deswegen haben wir jetzt 2.500 und sind damit zufrieden. Auch bei den Eintrittspreisen haben wir in allen Bereichen die von uns angedachten Ermäßigungen durchgekriegt.

Der Etat eines Eishockeyvereins ist kleiner als der eines Fußballvereins. Nimmt man deswegen als Fan die Kommerzialisierung eher in Kauf?


Der Fan will Spitzensport. Zwei Drittel des Etats wird durch Sponsoring erzielt, da muss man das in Kauf nehmen. Sicher, das Werbeboard stört manchmal, aber im Großen und Ganzen ist die Werbung auf der Anzeigetafel oder auf dem Eis für uns nix Neues. Wir haben damit keine Probleme. Andere Vereine hat es da härter getroffen, die in kurzer Zeit auf Drängen des Sponsors bereits drei Mal den Namen wechseln mussten.



Ging mit dem Einzug in eine neue Arena nicht auch ein Zuwachs an Zuschauern einher, die sich nicht mehr in vollem Maße mit dem Verein identifizieren.

Diese Befürchtung hatten wir vorher auch. Aber es hat sich erfreulicher Weise anders entwickelt. Die Idee mit den Klatschpappen war da ein cleverer Schachzug. Dadurch machen alle mit und die Lautstärke wird erhöht.

Aber ist das nicht ein echter Stimmungskiller, weil das Klatschen die Gesänge überstimmt?


Das höre ich von meinem Platz im Stadion aus nicht. Es ist aber so, dass wir durch diese Aktionen neue Zuschauer hinzugewonnen haben, die jetzt öfter ins Stadion kommen. Bestimmte Gesänge werden besser aufgenommen. So wie der Ruf »Dynamo«, der immer ertönt, wenn es heiß hergeht. Das hat nunmehr auf die Sitzplätze übergegriffen.

Wie ist es für die Fans, dass derart oft Spiele ausgetragen werden?


Familien von Eishockeyfans müssen da schon mehr aushalten. Aber dafür schauen Eishockeyfans auch weniger Sport im Fernsehen als Fußballfans. Einfach deswegen, weil weniger Eishockey gezeigt wird. Es ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite ist es sehr kostspielig, derart oft ins Stadion zu gehen, auf der anderen Seite gehört es zur Tradition des Eishockeys und die Vereine sind auf die Zuschauereinnahmen angewiesen.

Letzte Frage: Im Fußball wird der Videobeweis diskutiert. Wie wird die Maßnahme im Eishockey angenommen?


Ich finde es total gut. Solange es nur um Entscheidungen, ob Tor oder kein Tor, geht, ist das legitim. Beim Eishockey ist die Scheibe sehr klein, da kann man durchaus die technischen Hilfsmittel nutzen. Ich denke, dass das für den Fußball auch angebracht wäre.

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