19.09.2013

Eintracht-Präsident Peter Fischer über seine Fanszene

»Das braune Pack aus dem Block prügeln«

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt, nimmt beim Thema Fans wahrlich kein Blatt vor den Mund. Vor dem Auftaktspiel in der Europa League gegen Girondins Bordeaux sprachen wir mit ihm über Pyrotechnik und die Gefahr von rechts.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Peter Fischer, neulich sind Fotos aufgetaucht, die Sie auf dem Flughafen von Baku zeigen. Nach dem Auswärtsspiel in der Europa-League-Qualifikation gegen den aserbeidschanischen Vertreter Qarabag Agdam kauften Sie wartenden Eintracht-Fans Cognac im Wert von 250. Hält man als Präsident so den Kontakt zu seiner Basis – mit Alkohol?
Schnaps ist keine Lösung. Aber in diesem Fall – Ortszeit 3 Uhr morgens, lange Wartezeit wegen Nachflugverbot in Frankfurt, ein geöffneter Duty-Free-Shop, hunderte Eintracht-Fans, die die Strapazen auf sich genommen hatten – eine ganz gute Idee.

Wenn Schnaps keine Lösung ist, wie schafft man es dann als oberster Funktionär eines Vereins mit 23.000 Mitgliedern und 750 Fanklubs nicht den Draht zur Kurve zu verlieren?
Ich habe dabei einen entscheidenden Vorteil: Ich bin in der Eintracht-Kurve großgeworden und aufgewachsen. Das war früher mein zweites Zuhause. 1969 habe ich mich das erste Mal als kleiner Junge ins Stadion geschlichen – ohne Eintrittskarte. Anfang der Siebziger hatte ich dann eine Dauerkarte im berühmten G-Block. Aber wie es so ist im Fandasein: Je mehr Haare man verliert, desto mehr wandert man im Stadion von der Stehkurve zu den Sitzschalen.

Hand aufs Herz: Wie häufig haben Sie früher »Vorstand raus!« gebrüllt?
Manchmal erwische ich mich heute noch dabei, wie ich im Eifer des Gefechts des Rauswurf des Präsidenten fordere. Dann fällt mir ein: Das bin ja ich! Ganz im Ernst: In meiner Funktion habe ich mit so vielen Dingen zu tun, die nicht in zweimal 45 Minuten passen, da muss man eher darauf achtgeben, nicht die Sicht des Fans auf das Spiel zu verlieren. Denn das würde mir die große Leidenschaft in meinem Leben zerstören.

Sie sind in den Siebzigern als Fußballfan sozialisiert worden. Nicht unbedingt die friedlichste Phase in den Kurven.
Wir haben uns schon ab und an in Auseinandersetzungen wiedergefunden. Mit meinen 2,01 Meter hatte ich zumindest gute Vorraussetzungen.

Dürfen wir das schreiben: »Eintracht-Präsident Peter Fischer war früher Hooligan!«?
Das wäre dann allerdings übertrieben.

Welche Erinnerungen verbinden Sie noch mit Ihrer Zeit als aktiver Fan?
Mit historischen Erinnerungen bin ich immer vorsichtig. Die verklärt man zu schnell und glaubt dann irgendwann, selbst Teil der Historie zu sein. Aber wenn Sie mich schon fragen: Das Klaus-Augenthaler-Tor gegen Uli Stein kommt mir in den Sinn, aber auch Lajos Detari, der ja eigentlich vollkommen überbewertet wurde, aber eben das Pokalendspiel 1988 gegen Bochum mit diesem wunderbaren Freistoß ganz alleine entschied. Doch eigentlich sind mir eher die Fahrten und Reisen zum Fußball, als die Spiele an sich im Gedächtnis geblieben.

Inwiefern?
Ich habe durch die Liebe zum Fußball Freunde und Bekannte kennengelernt, sogar meine erste Frau, die mir das erste Mal im Block begegnet ist. Und statt Handynummern auszutauschen, musste ich immer darauf hoffen, dass sie auch beim nächsten Auswärtsspiel mit am Start sein würde.

Waren Sie Kuttenträger?
Nein. Aber ich hatte jahrelang ein Minolta-Trikot bei den Spielen an, das habe ich geliebt. Heute bin ich dafür leider zu dick.
 

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