28.10.2011

Einsatzleiter verteidigt das Polizeivorgehen bei 96-Bayern

»Wir haben unseren Job vernünftig gemacht«

Am vergangenen Sonntag kam es im Fanblock von Hannover 96 zu Tumulten, 36 Personen wurden verletzt. Die Betroffenen kritisieren das unverhältnismäßige und überharte Vorgehen der Polizei. Wir sprachen mit Bernd Kirschning, dem Einsatzleiter der Polizei in Hannover.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Bernd Kirschning, Sie sind Einsatzleiter bei der Polizei Hannover. Der Polizeieinsatz am vergangenen Sonntag in der Kurve der Hannover-Fans sorgt für Kritik. Wie bewerten Sie den Einsatz?

Bernd Kirschning: Eine Bewertung kann ich derzeit im Detail nicht vornehmen. Die Ermittlungen in unterschiedlichen Strafverfahren sind noch am laufen und wir sind dabei, Videoaufzeichnungen auszuwerten und betrachten polizeiintern auch die Abläufe des polizeilichen Einschreitens.

Bei dem Einsatz handelte es sich jedoch nicht um eine rein polizeiliche Maßnahme. Wir haben den Veranstalter und damit den Ordnungsdienst unterstützt, weil diese mit der Ankündigung von Schlägen bedroht worden sind und Kontrollen von Fans verweigert wurden. Letzten Endes mögen bestimmte Meldungen über den Einsatz Futter für die Ultras sein, aber wir sind davon überzeugt, dass wir unseren Job vernünftig gemacht haben.



Es heißt von Fanseite, dass es keine handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Fans und dem Ordnungsdienst gegeben habe.

Bernd Kirschning: Dem Ordnungsdienst wurden nach meinem Kenntnisstand Schläge angedroht und eine Kontrolle verhindert. Die Polizei ist daraufhin zur Unterstützung gerufen worden, die Polizisten haben den Block ruhig und besonnen betreten. In der Folge kam es dann zu den Auseinandersetzungen. Es kam zu Becherwürfen auf Polizeikräfte, Beamte wurden auch körperlich angegangen. Sprechchöre wie »Bullenschweine« wurden skandiert. Immer wieder wurden auch Polizisten an die Bande gedrängt. Die Fallhöhe beträgt in dem Bereich circa vier Meter!

War das Auftreten der Polizei angemessen?

Bernd Kirschning: Richtig ist, dass Polizeibeamte auch Zwangsmittel eingesetzt haben. Das war nach den bisher vorliegenden Informationen erforderlich und auch nicht unverhältnismäßig. Ich weiß, dass das auf Seiten der Fans zum Teil anders betrachtet wird. Ich würde mir wünschen, dass sich hier Fans selber auch kritisch betrachten. Diese Betrachtung führen wir hier in Hannover auch selbst durch, auch diesen Einsatz werden wir selbstverständlich polizeilich nachbereiten. Dazu sind wir bereits im Gespräch mit dem Verein und dem Fanprojekt.

Zu diesem Zeitpunkt ist aber festzustellen, dass die Polizei den Block ja objektiv nicht gestürmt hat und in blinden Aktionismus verfallen ist, so wie uns das in den vielen Meinungsforen vorgeworfen wird. Wir haben auf das Verhalten der Fans reagieren müssen und hätten uns da einfach ein anderes Verhalten gewünscht.

War die Überprüfung im Fanblock länger geplant?

Bernd Kirschning: Hannover 96 hat für diesen Tag vor dem Hintergrund der Verwendung von Pyrotechnik schärfere Kontrollen gegenüber den Fans angekündigt. Ein derartiger Einsatz im Fanblock war im Vorfeld jedoch nicht beabsichtigt gewesen und hat sich aus den Ereignissen des Spieltages ergeben.

Sehr umstritten ist der Einsatz von Pfefferspray. Selbst Kinder sollen unter den Verletzten gewesen sein. Können Sie das bestätigen?

Bernd Kirschning:Es wurden insgesamt 32 Personen von Sanitätern behandelt, auch Kinder und Jugendliche. In den betreffenden Videos des Einsatzes sind aber keine Kinder wahrzunehmen. Es ist also durchaus möglich, dass sich der Stoff auch noch später übertragen hat, beispielsweise über die Kleidung. Einzelheiten zu den Versorgungen kann ich hier verständlicherweise nicht bekannt geben. Auf jeden Fall ist es immer bedauerlich, wenn Personen zu Schaden kommen. Ich hätte mir gewünscht, wenn dies hier vermeidbar gewesen wäre.

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