06.12.2013

Eine WM mit Rapa Nui, Kurdistan und Okzitanien

»Das ist kein Gag!«

Abseits der Weltmeisterschaften finden mittlerweile regelmäßig Turniere mit Nicht-Fifa-Mitgliedern statt. 2014 trägt der neue Verband ConIFA zum ersten Mal ein »World Championship« aus. Generalsekretär Sascha Düerkop über Geheimfavorit Kurdistan, einen Tamilen beim AS Rom und die Sorge vor Oliver Pocher. 

Interview: Andreas Bock Bild: Imago

Sascha Düerkop, Sie können jede Woche Traumtore von Zlatan Ibrahimovic oder Cristiano Ronaldo bestaunen. Was reizt Sie an Spielen zwischen Rapa Nui und Kurdistan oder Tamil Eelam und Nordzypern?
Wir vergessen oft, dass überall auf der Welt organisiert Fußball gespielt wird, dabei ist eine beachtliche Anzahl an Nationen kein Fifa-Mitglied. Ich habe mich oft gefragt, warum man diesen Mannschaften keine Chance gibt. Sie sollten sich völlig losgelöst von politischen Diskussionen präsentieren können.
 
Am »ConIFA World Championship«, der im Juni 2014 in Östersund/Schweden stattfindet, nehmen Teams aus nicht anerkannten Nationen statt. Trotzdem geht es nur um Fußball?
Ich traue mir kein Urteil über den Zypern-Konflikt oder die Probleme in der Westsahara zu. Doch darum soll es bei unserem Turnier auch gar nicht gehen. Vielmehr bekommen die Teams die Möglichkeit, ihr Land und ihre Kultur zu präsentieren – und natürlich ihren Fußball. Ich finde es jedenfalls sehr wichtig, dass man auch in Darfur oder Rapa Nui stolz auf eine eigene Fußballmannschaft sein kann.
 
Wie gut kennen Sie denn die Mannschaften aus Darfur oder Rapa Nui?
Ich kenne natürlich nicht jeden Spieler, dennoch habe ich einen ganz guten Überblick.
 
Wer ist Favorit?
Kurdistan, ganz klar. Die Mannschaft setzt sich vornehmlich aus irakischen Nationalspielern zusammen.
 
Wer ist Ihr Spieler-Geheimtipp?
Vielleicht Panushanth Kulenthiran. Technisch einer der besten Spieler. Er läuft für Tamil Eelam auf und hat kurioserweise mal beim AS Rom gespielt – allerdings ist er dort nie zum Einsatz gekommen.
 
Wie ist die Qualität der Teams?
Teams wie Okzitanien oder Kurdistan könnten in der deutschen Regionalliga oder sogar in der 3. Liga mithalten. Manchmal sind die Spiele sogar richtig gut. Zum Beispiel habe ich mal ein Spiel zwischen Okzitanien und Tamil Eelam gesehen, das 5:0 endete. Famoser Angriffsfußball mit tollen Toren.
 
Das Finale des »Viva World Cups«, eines anderen Nicht-Fifa-Turniers, endete 21:1 für Lappland gegen Monaco.
Klar, so was kommt auch vor. Es gibt Mannschaften, etwa Darfur United, die vom Niveau eher in der deutschen Bezirksliga spielen würden. Doch das ist kein Wunder, denn die haben bis vor kurzem noch nie mit Schuhen geschweige denn auf einem Rasenplatz Fußball gespielt (das Foto zeigt einen Fußballplatz in El Fasher / Darfur, d. Red.).
 
Ein Team wie Tamil Eelam ist über die ganze Welt verstreut. Es gibt Spieler in Deutschland, Kanada, England, Italien, Schweiz und Frankreich. Wie bereitet sich so ein Team auf das Turnier vor?
Ähnlich wie eine professionelle Nationalelf. Die Spieler kommen zusammen und trainieren. Vor dem »ConIFA World Championship« werden sie eine zweiwöchige Tour durch Deutschland machen und vier Testspiele bestreiten. Unter anderem gegen die neu gegründete Nationalelf der Franken.
 
Die Spieler sind allerdings in keiner Profiliga aktiv. Woher weiß der tamilische Nationaltrainer überhaupt, wen er nominiert?
Es gibt einmal im Jahr eine Art Casting in Kanada, das von einem Weltjugendverband organisiert wird. Der Nationaltrainer fliegt dann rüber und sichtet zahlreiche potenzielle Nationalspieler. Es gibt also selbst bei einem Team wie Tamil Eelam eine relativ professionelle Struktur – wobei die finanziellen Mittel natürlich gering sind.
 
Wie finanzieren sich die Teams?
Bei den meisten steckt ein Geldgeber dahinter. In Kurdistan etwa die Regierung von Irakisch-Kurdistan. Bei den Tamilen ist es die »Global Tamil Youth Organisation«. Leider hat nicht jedes Team Geldgeber. Die Mannschaft von Rapa Nui von den Osterinseln muss vermutlich das Turnier absagen, da sie den Flug nach Schweden nicht bezahlen kann.

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