Ein Weltmeister wird 50 und blickt zurück

Guido Buchwald: »Diego fluchte auf alles!«

Deutscher Meister, Weltmeister und gefeierter Trainer in Japan – Guido Buchwald hat viele Erfolge eingefahren. Heute wird der Schwabe 50. Wir sprachen mit ihm über japanische Autogrammjäger und Diego Maradonas Flüche. Ein Weltmeister wird 50 und blickt zurückImago

Guido Buchwald, haben die Fans der Stuttgarter Kickers Sie 1983 verachtet?

Guido Buchwald: Weil ich zum VfB Stuttgart gegangen bin? Nein. Das war damals was ganz Normales, weil die Kickers in Stuttgart ganz klar die Nummer zwei waren. Ich war schließlich nicht der Erste, der das gemacht hat. Nach mir ist Jürgen Klinsmann den selben Weg gegangen, vor mir Karl Allgöwer.

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Sie sind im ersten Jahr mit dem VfB auf Anhieb Meister geworden, fuhren 1984 direkt mit zur EM. Ein kometenhafter Aufstieg.

Guido Buchwald:Das war schon sensationell für mich. Ich habe damals auch als Einziger beim VfB alle 34 Spiele mitgemacht.

1986 gab es dann den ersten Karriereknick. Kurz vor der Weltmeisterschaft wurden Sie von Franz Beckenbauer aus dem Kader gestrichen. Die größte Niederlage Ihrer Karriere?

Guido Buchwald: Es war sicherlich die größte Enttäuschung. Das wäre meine erste WM gewesen. Und ich habe die Entscheidung nicht verstanden. Ich hatte ein recht gutes Vorbereitungsspiel gemacht und das Signal bekommen, dass ich dabei bin.

Guido Buchwald über die WM 1986: »Meine Tasche hatte keine Nummer« >>

Franz Beckenbauer hat mal gesagt, dass die Entscheidung, Sie nicht mitzunehmen, die schwierigste in seiner gesamten Amtszeit war. Hat er später mit Ihnen darüber gesprochen?

Guido Buchwald: Nein. Aber es war klar, dass es nicht an der Leistung lag, sondern daran, dass Franz Beckenbauer auf den Bayern-Block gesetzt hat. Das war damals wie heute die beste Mannschaft in Deutschland. Diese Spieler waren eingespielt,

1990 hat Beckenbauer Sie dann nominiert. Im Finale gegen Argentinien haben Sie Ihr vielleicht bestes Spiel gemacht und Diego Maradona aus dem Spiel genommen. Hatten Sie Angst vor ihm?

Guido Buchwald: Nein. Ich habe mich drauf gefreut, gegen ihn zu spielen. Es ist doch die größte Herausforderung für einen Defensivspieler, gegen den besten Fußballer der Welt antreten zu dürfen!

Sie hatten auch keine Angst, dass er mit der »Hand Gottes« aufwartet?

Guido Buchwald: Was heißt Angst? Ich war einfach noch konzentrierter als sonst. Damit sich für Maradona gar nicht erst die Möglichkeit ergab, zu solchen Tricks zu greifen. Wenn man gegen Maradona zur vorsichtig spielte, hatte man schon verloren.

Nach 55 Sekunden haben Sie ihm das erste Mal den Ball weggegrätscht. War ihm da direkt klar, wer der Boss auf dem Platz ist?

Guido Buchwald: (lacht) Da müssen Sie ihn fragen. Aber die ersten Zweikämpfe zu gewinnen, das ist natürlich das Wichtigste. Und mit der Zeit hat man gemerkt, dass er immer frustrierter wurde. Er ließ die Schultern hängen, schüttelte ständig mit dem Kopf und fing an zu fluchen.

Waren Sie das Ziel seiner Flüche?

Guido Buchwald: Nein. Er fluchte auf alles: Auf das Spielfeld, den Schiedsrichter, seine Mitspieler.

Ein genialer Maradona-Moment, wie der Pass zum 3:2 im Finale der WM 1986, war also nicht möglich?

Guido Buchwald: Damals war er gedanklich schneller als die deutschen Spieler. 1990 hätte uns das auch passieren können, ganz klar. Aber da waren wir eben schneller.



War Maradona der härteste Gegenspieler Ihrer Karriere?

Guido Buchwald: Im Nachhinein vielleicht nicht. Ich habe mal gegen Careca, den brasilianischen Nationalspieler, gespielt. Den habe ich überhaupt nicht in den Griff bekommen.

Im WM-Finale 1990 sollen Sie Andy Brehme sogar die Ecke für den entscheidenden Elfmeter angesagt haben. Stimmt das?

Guido Buchwald: Das stimmt. Ich habe ihm gesagt, dass Goycochea  (der argentinische Nationaltorwart, d. Red.) alle Elfer in die rechte Ecke gehalten hatte. Die linke Ecke war nicht seine Schokoladenseite. Später war Andy dann doch etwas sauer, weil ich ausgerechnet die Ecke angesagt hatte, in die Goycochea dann gesprungen ist.

Glauben Sie, dass Franz Beckenbauer es 1990 bereut hat, dass er Sie 1986 nicht mit nach Mexiko genommen hatte?

Guido Buchwald: Das weiß ich nicht. Aber er war ein unglaublich erfolgreicher Trainer. Er hat 1984 die Nationalmannschaft übernommen, als der deutsche Fußball am Boden lag. Dann ist er Vizeweltmeister und Weltmeister geworden. Da kann er nicht viel falsch gemacht haben. Beckenbauer war ein genialer Trainer und hatte eine unglaubliche Autorität.

Autorität?

Guido Buchwald: Er war zwar meistens recht locker, aber wenn etwas nicht lief, konnte er richtig sauer werden. Nach dem Spiel gegen die Tschechoslowakei im WM-Viertelfinale hat er uns richtig zusammen gestaucht – obwohl wir gewonnen hatten.

Was haben Sie falsch gemacht?

Guido Buchwald: Wir haben 1:0 geführt und lange gegen zehn Mann gespielt. Trotzdem sind wir ein wenig in Schwierigkeiten gekommen. Da war Beckenbauer nachher richtig wütend. Nur zu gewinnen, hat ihm nicht gereicht.

1992 sind Sie mit dem VfB Stuttgart zum zweiten Mal Deutscher Meister geworden. War das ein größerer Triumph als 1984, weil der Titel am letzten Spieltag so plötzlich kam?

Guido Buchwald: Er war schöner. Aber nicht, weil er so plötzlich kam, sondern weil ich 1992 eine größere Rolle gespielt habe. Ich war Kapitän, der verlängerte Arm des Trainers und habe im letzten Spiel das entscheidende Tor gemacht.

Trotzdem hat es Sie 1994 aus Stuttgart weggezogen. Warum sind Sie ausgerechnet ins exotische Japan gegangen?

Guido Buchwald: Ich wollte immer schon ins Ausland gehen. 1990 wollte ich nach Italien, was aber nicht geklappt hat. 1994 kam dann das Angebot von den Urawa Reds und mir wurde klar, dass es vielleicht meine letzte Chance war, noch mal ins Ausland zu gehen – die großen Ligen wollten mich mit 33 nicht mehr.

Was wussten Sie damals über Japan?

Guido Buchwald: Ich war relativ unwissend. Als das Angebot kam, habe ich mich natürlich etwas schlau gemacht, aber insgesamt habe ich mich vorher wenig mit Japan beschäftigt.

War das Einleben schwierig?

Guido Buchwald: Nein. Die Japaner sind sehr freundliche Leute. Es ist natürlich vieles anders, unter anderem das Essen. Aber mir hat sofort alles gelegen. Das Einleben war deutlich leichter, als ich es mir vorgestellt hatte. Und in Tokyo habe ich mich trotz der vielen Millionen Einwohner direkt wohl und geborgen gefühlt.

Gab es einen großen Medienrummel um Ihre Verpflichtung?

Guido Buchwald: Sicherlich. Wenn ein Weltmeister in die J-League kommt, ist das natürlich etwas Besonderes. Ich wurde auch öfter mal in Talkshows eingeladen. Trotzdem war ich ja nicht das einzige bekannte Gesicht. Dunga war noch da, Jorginho oder Leonardo.

Aber gerade Sie als riesiger Deutscher dürften wie ein bunter Hund aufgefallen sein.

Guido Buchwald: Ach, das war in Deutschland nicht anders. Da wurde ich auch überall erkannt, wenn ich irgendwo hingegangen bin. In Japan bin ich natürlich etwas mehr aufgefallen. Aber das sind sehr zurückhaltende Leute. Man merkt zwar, dass man erkannt wird, aber die Japaner lassen einen dann auch in Ruhe.

Trotzdem mussten Sie hin und wieder Autogrammstunden in der U-Bahn geben.

Guido Buchwald: Wenn man einmal angefangen hat Autogramme zu schreiben, kann man eben schlecht aufhören. Einmal wollte ich nur kurz zu einer deutschen Bäckerei fahren, um Brot zu kaufen. Aber dann wurde ich dort erkannt und habe fast zwei Stunden gebraucht um das Brot zu bekommen.

2006 waren Sie in Japan auf dem Höhepunkt Ihres Ruhms. Sie haben als Trainer der Urawa Reds die Meisterschaft geholt.

Guido Buchwald: Das Double sogar. Das war was Besonderes, vor allem weil die Urawa Reds das vorher und nachher nie geschafft haben. Anschließend gab es auch einen riesigen Autokorso und 200.000 Menschen standen an der Straße.

Guido Buchwald, Sie werden 50 Jahre alt, und wir wollten eigentlich vornehmlich über die großen Momente Ihrer Karriere sprechen...

Guido Buchwald: Und nun kommt der dunkelste Moment?

Wie man es sieht: 1994 hat die Nationalmannschaft zusammen mit den Village People den Song »Far away in America« aufgenommen. Warum haben Sie da mitgemacht?

Guido Buchwald: Warum soll dass ein dunkler Moment gewesen sein? Wir haben unheimlich viel Spaß gehabt, auch wenn das Ergebnis vielleicht nicht optimal war.

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VERLOSUNG
Der knallharte Verteidiger Guido Buchwald hat auf dem Platz nie Geschenke verteilt. Wir schon. Zum Geburtstag von Deutschland bestem Japan-Legionär  könnt Ihr bei uns zwei 11FREUNDE-Frühstücksbrettchen von Jürgen Klinsmanns Tor im WM-Achtelfinale gegen Holland gewinnen – aber selbstverständlich nur, wenn Ihr die folgenden fünf Fragen über »Diego« Buchwald richtig beantworten könnt.  

Bei der EM 1992 verlor Guido Buchwald nach dem Zusammenprall mit einem Gegenspieler das Bewusstsein, weil er seine Zunge verschluckte. Wie hieß der DFB-Betreuer, der ihm das Leben rettete und dem Schwaben in solider Handarbeit die Zunge aus dem Hals zog? 

Mit welchem Ballsport, außer Fußball, verdient Buchwald sein Geld?

Völlig überraschend wurde Guido Buchwald 1992 mit dem VfB Stuttgart dank eines 2:1-Sieges in Leverkusen zum zweiten Mal deutscher Meister. Welches Geschenk der Leverkusener nahmen die Schwaben dankbar an?

Buchwald war als Trainer vor allem bei den Urawa Reds in Japan erfolgreich. Außerdem trainierte er noch Alemannia Aachen. Bei welchem anderen Verein gab Buchwald ein kurzes Gastspiel als Trainer?

Welchen Titel holte Buchwald Ende der Siebziger mit den Stuttgarter Kickers?


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Einsendeschluss ist Mittwoch, der 26. Januar 2011 um 12 Uhr.

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