09.12.2007

Ein Schwarzhändler im Interview

„Ich sehe mich als Dienstleister“

Die meisten Tickets zu den Spielen der EM 2008 sind weg. Das heißt: Der Schwarzmarkt ist eröffnet. Wie funktioniert dieses halblegale Geschäft? Wie gerät man hinein? Wir trafen einen Händler, der offen über seinen Job plaudert.

Interview: Daniel Meuren Bild: Imago
Nicht nur die Nationaltrainer, auch international operierende Schwarzhändler haben die Gruppenauslosung zur Europameisterschaft 2008 am vergangenen Sonntag mit Spannung verfolgt. Es gibt etwa 200 Kartendealer, die im größeren Stil EM-Tickets vertreiben werden. Wir haben einen von ihnen getroffen – vor den Toren des Mainzer Bruchwegstadions. Er kommt aus Süddeutschland. Nach einer Weile hatte er genügend Vertrauen zu uns gefasst, um über seine Geschäfte zu erzählen. Anonym, versteht sich. Bis zum Turnierbeginn wird er mehrere hundert der begehrten Tickets mit Gewinnmargen von bis zu 300 Prozent weiterverkauft haben.



Die Auslosung hat für Deutschland die Gegner Polen, Kroatien und Österreich ergeben. Können Sie damit leben?

Die Vorrunde ist nicht so schlecht. Wie wohl auch Jogi Löw ist es mir lieber, dass die Deutschen nicht die Hammergruppe mit Holland, Italien und Frankreich haben.

Wieso? Das wären doch begehrte Spiele!

Dann würden aber aus Furcht vor einem frühen Ausscheiden vermutlich nicht so viele Fans aus meinem Hauptabnehmerland Deutschland schon zur Vorrunde in die Spielorte reisen, sondern sie würden bis Vorrundenende warten und erst dann anreisen. Dadurch wäre die Nachfrage nach Vorrundenkarten natürlich geringer. So aber gibt es mit den beiden Spielen gegen Österreich Kroatien zwei Kracher.

Unser Gesprächspartner ist sonst in einem äußerst redlichen Beruf tätig und entspricht keineswegs dem Image des halbseidenen Dealers aus der Bahnhofsgegend. Vor anderthalb Jahrzehnten hat er in seinem Studienort vor den Stadiontoren mit Tickets des dort ansässigen Bundesligaklubs erste Gehversuche im Schwarzhandel unternommen. Auf diese Weise finanzierte er sich Studium und Promotion. Im Lauf der Jahre fand er den Weg auf den lukrativen internationalen Markt für Europapokalspiele und die großen Turniere wie EM und WM.

Der Durchschnittsfan bekommt in der Regel so gut wie gar keine Karten für Turniere wie eine WM oder EM. Wie kommen Sie an diese Tickets heran?

Das hat mit Knowhow und jahrelanger Erfahrung zu tun.

Verraten Sie uns einen Ihrer Tricks?

Ich habe ein Netzwerk in alle möglichen Länder aufgebaut. In Rumänien oder Tschechien können meine Kontaktleute beispielsweise auch noch einfach auf eine Geschäftsstelle gehen und Karten kaufen.

Und die verticken Sie über Ebay weiter?

Nein, Internet-Auktionen sind mir zu gefährlich, weil das leicht nachzuverfolgen ist. Ich bevorzuge klassische Verkaufswege über Inserate.

Hat das Aufkommen von Ebay professionellen Schwarzhändlern geschadet oder genutzt?

Meinem Verkauf von Karten selbst hat Ebay nicht geschadet. Da sind nur ein paar Trittbrettfahrer hinzugekommen, die eben mal mit zwei ergatterten Karten für ein Top-Spiel handeln. Wegen Ebay ist uns Schwarzhändlern aber der Zugang zu Karten erschwert. Heute bestellen einfach viel mehr Fans für ein großes Spiel wie ein EM-Spiel oder ein Champions League-Finale, weil sie die Karte wieder ganz einfach über Ebay verticken können, wenn ihr Team ausscheidet. Früher wären sie dann auf den Karten sitzengeblieben. Dafür ist Ebay für uns aber auch wieder ein Weg, günstig an Schnäppchen heranzukommen, die wir dann weiterverkaufen können zu einem festen Preis.

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