Ein Parapsychologe klärt auf

Gibt es das Abstiegsgespenst?

Existenzangst im Fußball hat ein Gesicht: das so genannte Abstiegsgespenst. Huscht es wirklich über den Rasen in Hannover, Berlin, Nürnberg? Oder ist es nur Einbildung? Wir sprachen mit dem Parapsychologen Walter von Loucadou.  Ein Parapsychologe klärt auf

Herr von Lucadou, am Samstag trifft Freiburg auf Nürnberg. Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass ein wie auch immer geartetes Abstiegsgespenst im Stadion anwesend sein wird?

Wir Menschen haben die Tendenz, Probleme zu vermenschlichen. Wir personalisieren komplizierte Dinge, die wir nicht im Griff haben und stellen sie als Gespenst dar. Das gilt auch für Freiburg und die anderen Abstiegsvereine, denn auch sie haben die Situation mehr oder weniger nicht im Griff. Natürlich geschieht das mit einem Augenzwinkern. Niemand glaubt daran, dass da tatsächlich eine weiße Gestalt auftaucht. Es sei denn, ein Team hat weiße Trikots an.

[ad]

Also alles nur Quatsch?

Nein. Da steckt mehr dahinter. Die Angst vor der selbsterfüllenden Prophezeiung. Wenn ich morgens aufstehe und mir sage, dass alles schief geht, geht es häufig schief. Wir haben alle ein magisches Denken: Die einen meinen, ich muss nur lange genug schimpfen, dann wird es gut. Die anderen sagen, ich darf auf keinen Fall schimpfen, sonst geht es tatsächlich schief. Auch Sportler sind abergläubisch. Das ist aber keine Magie, sondern Psychologie.

Gibt es so etwas wie einen Mannschaftsgeist, der Einfluss auf das Spiel nehmen kann?

Mit Sicherheit. Es ist sogar die Kunst des Trainers, eine Mannschaft so zusammenzuschweißen, dass sie synergetische Effekte erzielt. Man sagt, dann sie funktioniere wie ein einziger Mann.

Reden wir über eine Art Energie, die innerhalb der Mannschaft wirkt?

Das Wort Energie ist in diesem Zusammenhang eher schlecht. Ich würde lieber von Organisation sprechen. Eine gute Mannschaft zeigt ein hohes Maß organisierter Geschlossenheit. Wenn ein Team mehr ist als die Summe seiner Mitglieder, sprechen wir von Teamgeist.

Haben Sie mal ein Fußballspiel gesehen, wo etwas geschah, dass Sie nicht erklären konnten?

Wenn eine schlechte Mannschaft plötzlich gut spielt, dann fragt man sich, was ist denn jetzt los? Das Wunder von Bern war so eines.

Wo immerhin der Geist von Spiez gewirkt haben soll.

Richtig. Wir bezeichnen solche kollektiven Phänomene gerne als Geist oder Wunder. Aber eigentlich ist es ein alltägliches Wunder, das jeder kennt: Wenn wir im Team gut zusammenarbeiten, läuft es. Die moderne Psychologie nennt das Flow-Erlebnis. Es ist der Moment, in dem kleine Wunder entstehen.

Einige Teams in Afrika beschäftigen Hexenmeister, die überprüfen, ob der Gegner den Platz verhext hat. Wenn alle daran glauben, funktioniert es offenbar doch...

Sie dürfen sich das nicht so vorstellen, dass eine Puppe durchstochen wird, und schon hat der Torwart Schmerzen an den Händen. Die hat er vielleicht auch so. Aber mit solchen Ritualen – und der Fußball ist voll mit Ritualen – sorgt man für eine Geschlossenheit der Mannschaft. In Afrika hat man eine andere Kultur. Da ist das ganz normal. Da ist nichts Übernatürliches dran, sondern perfekt umgesetzte Dramaturgie, die berücksichtig, dass Gruppen anders ticken als ein Einziger.

Gibt es solche Rituale auch in Deutschland?

Ja, klar. Zum Beispiel, dass sich nach Toren auch alle in die Arme und juchzen. Warum sagt man nicht: »Okay, war gut, macht weiter!«? Dieses Theater will das Publikum. Das muss auch so sein, sonst wäre Fußball langweilig.

Auf dem Gelände des argentinischen Dauermeisters Racing Club Buenos Aires sollen gegnerische Fans einmal sieben tote Katzen vergraben haben, um das Stadion mit einem Fluch zu belegen. Racing gewann daraufhin 34 Jahre lang keine Meisterschaft mehr, bis es einem Offiziellen 2001 zu dumm wurde und er die Katzen ausbuddeln ließ. Der Verein holte noch im selben Jahr den Titel.
 

Das ist ein gutes Zeichen, dass magische Rituale ihre Wirkung haben. Es hilft nicht, das alles unter den Rasen zu kehren und zu sagen: Da steh ich drüber, und es macht mir nichts aus. Auf diese Art fällt man eher darauf herein, als wenn man seine Angst zugibt. Fußball ist die unwichtigste Sache der Welt, aber sie spiegelt unsere gesellschaftspsychologische Prozesse recht gut wieder. Der Mensch ist nunmal abergläubisch gebaut. Diejenigen, die sich einbilden, dass sie rational sind und davon nicht berührt werden, lügen sich in die Tasche. Der Mensch, der in Buenos Aires beschlossen hat, die Katzen auszugraben, hat psychologisch gesehen etwas sehr Vernünftiges getan.

Hat schon einmal ein Fußballspieler bei Ihnen angerufen und geklagt, dass sein Spiel verhext ist?

Fußballspieler noch nicht, aber andere Sportler ja. Die hatten Angst, dass man ihnen mit schwarzer Magie eins auswischen wollte. Sportler müssen das Letzte aus sich herausholen und kommen dabei immer an ein psychologisches Limit. Diese Grenzerfahrung sind es, die wir als paranormal bezeichnen.

Sie haben meine Frage vom Anfang noch nicht beantwortet: Gibt es nun ein Abstiegsgespenst?

In den Köpfen vielleicht. Ich hoffe, dass es sich nicht zu sehr breit macht. Vor allem nicht bei Freiburg. 

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!