16.06.2014

Ein Ösi für Deutschland: Josef Hickersberger

»Ich bin gespannt, wie Jogi Löw das anstellt«

Josef Hickersberger, Ex-Bundestrainer von Österreich, folgt der deutschen Mannschaft nach Brasilien. Als Fan. Doch der Ex-Profi von Fortuna Düsseldorf sorgt sich um die DFB-Elf. Er versucht, im Mannschaftshotel der Portugiesen Einfluss auf den Gegner zu nehmen.

Interview: Tim Jürgens Bild: Tim Jürgens

Josef Hickersberger, Sie als »Held von Cordoba« sind nun als Anhänger der deutschen Mannschaft nach Brasilien gereist. Was sagen die Österreicher dazu, dass der Ex-Nationalcoach fahnenflüchtig wird?
Laut Statistiken halten bei dieser WM 29 Prozent der Österreicher den Deutschen die Daumen. Sie sehen, die Rivalität ist gar nicht so schlimm.

71 Prozent Ihrer Landsleute können sich aber offenbar immer noch nicht für den Nachbarn erwärmen.
Es kommt eben auf die Perspektive. Schauen Sie, ich habe meine besten Jahre als Fußballer in Deutschland erlebt. Ich bin als Kicker in Deutschland ausgebildet. Warum soll ich die deutsche Elf nicht mögen?

Wie gut ist das DFB-Team denn bei dieser WM?
Ich bin ein wenig in Sorge, wegen der vielen angeschlagenen Spieler, die können zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich fit sein können.

Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Manuel Neuer…
Philip Lahm, die können jetzt noch nicht bei 100 Prozent sein.

Mesut Özil ist außer Form.
Er hat im letzten Testspiel aufsteigende Form gezeigt, er hat unglaubliches Potential und trotz aller Unken könnte er ein Schlüsselspieler bei diesem Turnier werden.

Kostet die DFB-Elf der Ausfall von Marco Reus den Titel?
Das könnte passieren. Marco Reus war der Spieler, der in der vergangenen Saison konstant am besten gespielt hat. Er kann der Mannschaft eine Tiefe geben, die ihr momentan kein anderer Spieler geben kann. Jedenfalls ist er in der Form, die er in der vergangenen Saison an den Tag gelegt hat, nicht zu ersetzen. Ich bin gespannt, wie Jogi Löw das anstellen wird.

Nun will es der Zufall, dass Sie in der Nacht vorm Spiel im Hotel der portugiesischen Mannschaft wohnen.
Tja, ich habe auch einen Ersatzspieler im Aufzug getroffen, mich nett mit ihm auf Englisch unterhalten, aber ich kannte peinlicherweise seinen Namen nicht.

Cristiano Ronaldo war es nicht.
Nein, den hätt ich schon noch erkannt.

Das österreichische Team von 1978 war nach der legendären »Wunderelf« vdas Beste was der Fußball aus ihrem Land je zu bieten hatte.
Wir hatten vier Jahrhunderttalente: Hans Krankl, der nach der WM zum FC Barcelona wechselte. Walter Schachner, ein junger Bursch, der den Sprung aus der zweiten Liga in die Nationalelf schaffte. »Schneckerl« Prohaska, der später in Italien Cup und Meisterschaft gewann. Und Bruno Pezzey, ein super Verteidiger, der die Bundesliga aufmischte.

War einer von denen ein ähnlicher Gockel wie Cristiano Ronaldo?

Nein, wir waren eine gute Gemeinschaft. Vor kurzem hab ich erst wieder mit dem Schneckerl drüber geredet: Wir sind sicher, wenn damals Ernst Happel unser Trainer gewesen wäre…

…der damals als Bondscoach der Niederlande bis ins Finale kam…
wären wir unter die letzten Vier gekommen. Mindestens.

Aber?
Ach, wissens, es gab bei diesem Turnier Ärger. Eine Bank hatte versprochen, unseren Frauen eine Reise zur WM nach Argentinien zu bezahlen, wenn wir die Vorrunde überstehen. Die konnten sich das nicht vorstellen. Also saßen irgendwann unsere Frauen in Buenos Aires in einem Hotel – und unser Trainer Helmut Senekowitsch verbot uns, sie über Nacht zu besuchen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden