Ein Obstbauer rettet Schalke

Onkel Magath und die Nasen

Obstbauer Thomas Sprungmann wollte nur zum Supermarkt, als ein hilfloser Schalker Mannschaftsbus vor seiner Haustür stecken blieb. Sprungmann holte Traktor und Stahlseil, jetzt feiert ihn ganz Gelsenkirchen als neuen Helden. Ein Obstbauer rettet Schalke

Früher galt Felix Magath als Feuerwehrmann, der in der Lage war selbst die schwersten Fälle aus dem Abstiegssumpf zu ziehen. Heute, als Spitzentrainer, lässt er ziehen: Am Samstag, vor dem Heimspiel gegen Hoffenheim, blieb der Schalker Mannschaftsbus bei Mettmann im Schnee stecken, 56 Kilometer von Gelsenkirchen entfernt. Doch die Spieler hatten Glück: Bevor Magath seine Mannen vor den Bus spannen konnte, kam der Obstbauer Thomas Sprungmann zur Hilfe. Uns erzählt er, wie er Schalke rettete.

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Herr Sprungmann, Sie werden in der Presse als Retter des Schalker Sieges gegen Hoffenheim gefeiert. Wie kam es dazu?

Meine Frau, mein Sohn und ich wollten Einkaufen fahren, zu Lidl. Und plötzlich steht dann da auf dem Acker dieses blaue Ungetüm, diese blaue Wand. Hätte nicht Schalke auf dem Bus gestanden, ich hätte gar nicht gewusst, was das ist. Ich hab mit Fußball nichts am Hut. Das einzige Runde, mit dem ich zu tun habe, sind Äppel.

Der Schalker Mannschaftsbus war stecken geblieben, vier Stunden vor dem Heimspiel gegen Hoffenheim.

Der Busfahrer wollte auf einem 2,50 breiten Weg wenden. Eigentlich hätte er da gar nicht reinfahren dürfen, weil das eine Anliegerstraße ist. Aber bei mir bleiben laufend Leute hängen. Dort wo der Acker am Straßenrand abschüssig wird.

Was wollte denn die Mannschaft morgens um elf Uhr in Mettmann?

Der Busfahrer sagte mir, die wollten spazieren gehen. Bei uns gibt es einen Wanderweg, da waren die Spieler auch flott unterwegs, haben sich mit Schnee beschmissen und Onkel Magath ging voran. Mich hat eher der Bus interessiert, ich kenne die ganzen Nasen ja nicht.

Und trotzdem haben Sie sofort ein Foto gemacht und die Bild-Zeitung angerufen?

Der Busfahrer hat mich auf die Idee gebracht. Da habe ich gleich meine Kamera geholt.

Wie haben Sie dann den Bus aus dem Schnee bekommen?


Ich habe meinen Traktor von zu Hause geholt und den Bus mit einem Stahlseil herausgezogen. Für mich war das ein Heimspiel. An dem Tag hätte ich wirklich Strichliste führen müssen. 20 Meter weiter hing ein Opel Omega fest, eine halbe Stunde später ein Anhänger, dann ein Daihatsu... Ich habe deswegen schon mehrmals bei der Stadt Mettmann angerufen. Im Raum Düsseldorf haben die längst alles geteert, hier schicken die nicht mal jemanden mit nem Eimerchen und ein bisschen Teer her.

Wäre das nicht ein prima Nebenerwerb für Sie – ein Abschleppdienst? Als Obstbauer haben Sie im Winter wahrscheinlich nicht viel zu tun.

Nicht wirklich viel. Jetzt warte ich erst einmal darauf, dass die ganze Presse, die hier ständig anruft, sich vielleicht was merken lässt (lacht). Nein, ernsthaft: Ein Abschleppdienst wird da nicht draus, allein wegen der Steuern. Jetzt, wo die »Bild«-Zeitung groß aufgemacht hat, dass ich 20 Euro dafür bekommen habe – die haben mir die Schalker einfach in die Hand gedrückt, ich hätte das auch für umsonst gemacht – muss ich das gleich meinem Steuerberater melden. Da gehen gleich 1,78 Euro an Vater Staat.

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