Ein Nationalspieler der Färöer packt aus

»Natürlich ist Ibrahimovic arrogant!«

Eigentlich ist Frodi Benjaminsen ein ganz normaler Zimmermann von den Färöer. Auf dem Fußballplatz spielte der färöische Nationalmannschaftskapitän allerdings schon gegen Zinedine Zidane, Michael Ballack und Zlatan Ibrahimovic.

Frodi Benjaminsen, in einem schwedischen Boulevard-Magazin stand kürzlich, Sie hätten sich während der Halbzeit beinahe mit Zlatan Ibrahimovic geprügelt. Was ist während des WM-Qualifikationsspiels gegen die Schweden passiert?
Ich will nicht mehr darüber sprechen.

Wieso nicht?
Ich wurde komplett überrollt von dem Medienecho, das der Geschichte mit Ibrahimovic folgte. Außerdem hat das schwedische Magazin Dinge geschrieben, die ich nie gesagt habe.

Dort hieß es, Sie hätten behauptet, dass Ibrahimovic während des Spiels mit seinem fantastischen Gehalt angegeben und sich über die fußballerische Qualität Ihrer Mannschaft lustig gemacht habe.
Als Außenseiter muss man sich zwar immer einiges anhören, aber diese Aussagen haben sich die schwedischen Redakteure ausgedacht.

Schade, wir hätten gerne gewusst, wie viel Ibrahimovic genau verdient.
Was gegen Schweden passierte, war ganz normal. Wir kennen das schon aus anderen Spielen gegen die Großen. Wenn es gegen die Färöer nicht läuft, werden die Stars, die viel zu verlieren haben, schnell nervös. Als wir mit einem 0:0 in die Halbzeit gingen, hatten die Schweden Angst sich zu blamieren.

Ibrahimovic hatte Angst?
Jedenfalls war er sichtlich genervt. Da kann man schon mal aneinandergeraten. Wir hatten eine kurze Auseinandersetzung, aber so etwas passiert jedes Wochenende auf Fußballplätzen weltweit. Von einer Prügelei kann gar keine Rede sein!

Vielleicht wäre eine Prügelei aus Ibrahimovics Sicht auch gar keine gute Idee gewesen. Als Tischler hätten Sie sich in Sachen Körperkraft nicht zu verstecken brauchen.
(lacht) Das kann schon sein, aber ich will mich gar nicht prügeln und habe persönlich nichts gegen Ibrahimovic.

Also halten Sie Ibrahimovic gar nicht für arrogant?
Natürlich ist er arrogant. (lacht) Das ist sein Stil. So spielt ein Ibrahimovic nun einmal. Große Spieler sind immer ein wenig eigen oder arrogant. Ausgenommen vielleicht Messi – gegen den hatte ich allerdings leider noch nicht die Ehre.

Sie spielen seit 1999 für die Färöische Nationalmannschaft und sind mit 72 Spielen auf dem besten Weg Rekordnationalspieler Ihres Landes zu werden. Wer war bislang ihr größter Gegenspieler?
Es gab viele namhafte Spieler, mit denen ich mich messen durfte. Gegen Andrea Pirlo und Robbie Keane zu spielen war überragend. Aber wenn ich mich festlegen müsste, würde ich natürlich Zidane sagen.

Wie ist es, wenn man Werktags normal seiner Arbeit nachgeht und am Wochenende auf einmal gegen den großen »Zizou« auf dem Platz steht?
Die Woche über ist man schon etwas nervös. Man weiß ja, gegen wen man spielen muss. Als wir 2005 gegen Frankreich antreten mussten, galt »Zizou« als der beste Fußballer der Welt. Für mich als Fußballfan war das natürlich ein Traum. Auf der anderen Seite hat es aber auch tierisch genervt, gegen ihn zu spielen.

Warum?
Man kommt praktisch nie an den Ball und kann nichts dagegen tun. (Beim WM-Qualifikationsspiel am 3.9.2005 in Lens gewann Frankreich mit 3:0 nach zwei Treffern von Djibril Cissé und einem Eigentor von Suni Olsen, d. Red.)

Verliert man da nicht mal die Nerven und will dazwischen grätschen?
Da habe ich das gleiche Problem wie bei der Balleroberung. Ich komme gar nicht in einen Zweikampf mit solchen Weltklassespielern! Die sind einfach zu schnell. Und wenn ich doch mal einen mit einer Grätsche erwische, ist der Ball schon lange weg und ich werde vom Schiedsrichter bestraft.

Hohe Niederlagen sind für Ihre Nationalmannschaft die Regel. Wie sieht es mit den fußballerischen Erfolgen der Färöer aus?
Jedes Unentschieden gegen einen größeren Gegner ist ein Erfolg und wird hier wie ein Sieg gefeiert. Zu den größten gefühlten Siegen zählt für mich die Partie von 2002 gegen Schottland, in dem wir sogar mit 2:0 vorne lagen – am Ende reichte es immerhin für einen Punkt. (Qualifikation für die EM 2004, Schottland glich spät zu einem 2:2 aus, Berti Vogts saß auf der Trainerbank der Schotten, d. Red.) Oder als wir 2009 in der WM-Quali gegen Österreich 1:1 spielten. Unvergesslich.

Deutschland brachten Sie in der Qualifikation für die EM 2004 auch schon einmal an den Rande eines Unentschiedens. Erinnern Sie sich an die Partie?
Kurz vor Ende stand es 0:0, wir verloren dennoch mit 0:2. (Klose und Bobic trafen kurz vor Schluss in der 89. und 92., d. Red.) Im Rückspiel waren wir dem Unentschieden sogar noch näher. Deutschland führte mit 2:1, wir hatten in der letzten Sekunde noch einen Pfostenschuss, der unglücklicherweise nicht reinging. Gefeiert wurden wir trotzdem von unserem Publikum.

Kürzlich trafen Sie in der WM-Qualifikation erneut auf die deutsche Mannschaft. Altgediente Spieler wie Oliver Kahn sagen, der aktuellen deutschen Mannschaft fehle es an Biss und Abgebrühtheit. Wie war Ihr Eindruck von diesem jungen deutschen Team?
Im deutschen Team sind viele gute Spieler. Das ist der Unterschied zu Schweden. Schweden hat nur Ibrahimovic als Aushängeschild, deswegen fühlt er sich dann auf dem Platz auch als etwas Besonderes. Das Niveau der Deutschen ist durchgehend hoch, daher sind sie nicht so abgehoben. Gegen uns haben die Deutschen dann auch nichts anbrennen lassen. Wir waren kaum am Ball, nach meinem Geschmack war es am Ende für sie ein wenig zu einfach. (Deutschland gewann Anfang September nach einem Treffer von Götze und einem Doppelpack von Özil mit 3:0 gegen die Färöer, d. Red.)

Frodi Benjaminsen, die Färöer haben gerade einmal 48.000 Einwohner, trotzdem brachte Ihre Nationalmannschaft schon manche Nation an den Rand einer Blamage. Was ist ihr Geheimnis?
Vielleicht liegt es an der Leidenschaft: Die Färöer lieben den Fußball. Hier kennt jeder jeden und alle unterhalten sich über Gesprächsthema Nummer eins: Fußball. Ganz egal, ob es gegen Frankreich, Deutschland oder die einheimische Liga geht.

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