03.10.2012

Ein Leben mit Manchester City

»This is how it feels to be City!«

Borussia Dortmund trifft heute Abend in der Champions League auf den englischen Meister Manchester City. Für unsere Spezialausgabe über den britischen Fußball sprachen wir mit Cyril Mintz und Martin Allweis, die seit über 60 Jahren Anhänger der Citizens sind.

Interview: Ron Ulrich Bild: Joe Miles

Das ist mal wieder typisch City. Seit 44 Jahren sehnt sich dieser Klub nach der Meisterschaft, an diesem 13. Mai 2012 sollte das Warten ein Ende haben. Doch an diesem Tag gelingt nichts – wie immer, wenn es drauf ankommt. Citys Fans pflegen zu singen: »This is how it feels to be City, this is how it feels to be small. This is how it feels when your team wins nothing at all.« So fühlt es sich an, City zu sein, wenn du klein bist und dein Team absolut nichts gewinnt.
Seit einem Dreivierteljahrhundert geht Cyril Mintz zu Manchester City, oft sagte er im Scherz, dass er nicht wisse, ob er eine Meisterschaft noch einmal erleben werde. Als sein Arzt ihm mitteilte, dass er einen Herzschrittmacher tragen müsse, antwortete er: »Das ist keine gute Idee, ich bin City-Fan.« Ein Leben mit einem Verein wie den Blues trainiert den Galgenhumor ungemein. Doch die Frage im Bob-Dylan-Stil blieb: Wie viele Wege muss ein Mann zum Stadion gehen, bevor er den größten Moment erlebt?

Cyril Mintz, wann waren Sie das erste Mal im Stadion?
Das war am Ostermontag 1937, ich war zehn Jahre alt. Wir fuhren mit der Straßenbahn hin, mein Vater setzte mich auf einen Wellenbrecher. Manchester City schlug Liverpool mit 5:1, im gleichen Jahr haben sie die Meisterschaft gewonnen. Und so wie City nun mal ist, stiegen sie in der folgenden Saison ab.

Woran erinnern Sie sich als Erstes, wenn Sie an die Fankurve von damals denken?
An »Onkel Joes Pfefferminzkugeln«. Vor den Stehrängen lief jemand hin und her, der Süßigkeiten verkaufte. Doch da man nicht so schnell nach unten durchkam, gab man einfach seine Bestellung und sein Geld durch. Die Münzen wanderten nach unten, von einem zum anderen, teilweise über 30 Reihen. Danach wurden die Süßigkeiten und das Wechselgeld nach oben durchgereicht.

Aber wahrscheinlich nur die Hälfte des Geldes, oder?
Nein, das gesamte Rückgeld kam oben an. Ich habe in all den Jahren nie gehört, dass etwas gefehlt hätte. Niemand hätte im Traum daran gedacht, Geld zu nehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas heute noch möglich wäre, aber bis Mitte der sechziger Jahre funktionierte es. Es herrschte schlicht eine unglaubliche Gemeinschaft derer, die zusammen im Fanblock standen.

Was dachten die Fans, als mit Bert Trautmann kurz nach dem Krieg ein Deutscher im City-Tor stand?
Sie waren natürlich sehr, sehr skeptisch. »Es darf doch nicht sein, dass ein Deutscher in unserem Tor steht«, haben sie gesagt. Ich selbst hatte sehr viele Gespräche mit meinen Freunden darüber, ich habe ihn verteidigt. Und wenig später hat Trautmann so gehalten, dass man ihn einfach nur lieben musste. Seine Reflexe waren einmalig. Ich sage eins: Bert Trautmann war der großartigste Torwart, den ich gesehen habe – nicht nur von City, nicht nur in England, sondern in der Geschichte des Fußballs.

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