25.11.2012

Ein Kölner produziert die vielleicht schönsten Fußballschuhe der Welt

»Wo hast Du diese geilen Teile denn her?«

Markus Stolla war Fußballspieler und Mitglied der Beachsoccer-Nationalmannschaft. Dann verletzte er sich schwer, beendete die Kicker-Karriere und hatte eine Vision. Die von den vielleicht schönsten Fußballschuhen aller Zeiten. Weil er die in Handarbeit herstellen lässt und außerdem ein Ästhet und Idealist ist, sprachen wir mit ihm über sein Projekt.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Markus Stolla, was ist Ihre ehrliche Meinung zu rosa- und türkisfarbenen Fußballschuhen?
Diese Art von Schuhen hat sicherlich ihre Daseinsberechtigung. Ich bevorzuge aber lieber klassische Lederschuhe in etwas dezenteren Farben.
 
Und deshalb haben Sie sich in den letzten zwei Jahren mit der Entwicklung eines  eigenen Fußballschuhs befasst?
Nicht nur deshalb. Ich habe mich schon immer von den sechziger und siebziger Jahren inspirieren lassen. Klamotten, Möbel, Motorräder – das Klassische war schon immer mein Ding. Warum sollte ich beim Fußball auf einen anderen Stil setzen? Also habe ich jahrelang die Schuhklassiker Copa Mundial oder Puma King getragen, häufig auch andere Klassiker, die längst nicht mehr auf dem Markt sind: Als ich etwa bei einem Verbandsligaspiel mit dem Adidas-Ranger aufgetaucht bin, haben mich meine Gegenspieler gefragt: »Wo hast Du diese geilen Teile denn her?«
 
Haben Sie Ihre Geheimnisse preisgegeben?
So geheim ist das nicht: Ich suche auf Flohmärkten, in Secondhand-Shops oder im Internet. Erst vor wenigen Tagen musste ich allerdings eine ziemliche Enttäuschung verkraften: Bei Ebay bot ich um ein paar nagelneue Stylo Matchmaker von dem großen George Best mit – bei 300 Pfund bin ich ausgestiegen.
 
Kein Zufall also, dass Ihre »RetroStar Classic«-Treter eine gewisse Ähnlichkeit mit dem »Stylo Matchmaker« haben?
Nein, was Stil und Ästhetik betrifft, ist George Best bis heute unerreicht. Vor zwei Jahren verletzte ich mich bei einem Ligaspiel am Knie, meine aktive Karriere war damit im Eimer. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich mich der Umsetzung meiner Idee widmen. Ich wollte meinen eigenen Schuh designen! Ganz klassisch, ein Schuh mit größtmöglichem Understatement. Ein Produkt, bei dem der kommerzielle Gedanke nicht im Vordergrund steht. Einfach einen Schuh, der den Lebensstil, den ich so leidenschaftlich pflege, repräsentiert.
 
Klingt sehr idealistisch.
Ist es ja auch. Ich bin Nostalgiker, Idealist, Purist, und vielleicht auch ein wenig konservativ. Von einem rosafarbenen Schuh bin ich als Fußballliebhaber also so weit weg wie die Erde vom Mond.
 
Wie wird der Schuh denn hergestellt?
Nach langer Suche fand ich einen Schuhmacher in Norditalien, der seit 40 Jahren nichts anderes macht, als Fußballschuhe zu produzieren. Ich setzte mich auf mein altes Motorrad und besuchte ihn. Die Art und Weise, wie er die Schuhe fertigte, überzeugte mich - die Qualität top. Rahmengenäht, aus einem Stück hochwertigem Kalbsleder – wunderschön, gleichzeitig absolut hochwertig und perfekt für den eigentlichen Nutzen: Fußball spielen.
 
Sie bieten Ihren Schuh in drei Farben an. Das Logo ist lediglich von innen auf der Zunge zu sehen. Keine Streifen, keine Noppen für mehr Spinn beim Freistoß – wie soll man denn damit Traumtore schießen?
Diesen ganzen hypermodernen Kram braucht doch kein Mensch. Nur einen Schuh, der passt, lange hält und gefällt.

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