Ein Ingolstädter für die Philippinen

»Ich dachte an einen Irrtum«

In Deutschland ist Manuel Ott noch ein recht unbekannter Fußballer. Doch der Youngster vom FC Ingolstadt ist nun Nationalspieler der Philippinen. Warum sein Gesicht bald im ganzen Land zu sehen ist, erklärt er uns hier. Ein Ingolstädter für die Philippinen

Manuel Ott, Sie spielen in der Amateurmannschaft des FC Ingolstadt und sind seit Januar Nationalspieler der Philippinen. Wie kam es dazu?

Meine Mutter ist Philippinin, mein Vater Deutscher. Aber ich fühle mich seit meiner Jugend den Philippinen sehr verbunden, wir sind früher auch einmal pro Jahr dorthin geflogen. In den letzten Jahren hat es wegen des Fußballs nicht mehr ganz so geklappt, da hatte ich wenig Zeit. Im Oktober 2009 hat dann der philippinische Verband bei mir angefragt, ob ich für die U19-Auswahl Qualifikationsspiele bestreiten möchte. Die Philippinen haben einen Scout abgestellt, der in Deutschland nach Talenten Ausschau hält. Dieser muss mich wohl entdeckt haben.

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Kam das für Sie nicht aus heiterem Himmel?

Klar. Vor allem, weil sie mich zunächst nur für die U21-Mannschaft haben wollten und später dann auch die A-Nationalmannschaft Interesse zeigte. Da habe ich mir zunächst gedacht, dass es sich um einen Irrtum handelte und die den falschen angeschrieben haben. Alles passierte vor Weihnachten und wir mussten uns richtig ins Zeug legen, dass meine Schule mich für die Zeit im Januar mit der A-Nationalmannschaft freistellt. Das lief alles sehr kurzfristig ab.

Waren Sie denn nach dem Angebot direkt begeistert oder brauchten Sie erst einmal eine gewisse Bedenkzeit?

Ich war sofort Feuer und Flamme, wollte direkt wichtige Erfahrungen sammeln. Für mich war das eine riesige Gelegenheit.

Und was haben Ihre Eltern und Ihr Verein, der FC Ingolstadt, zu dem Schritt gesagt?

Meine Mutter war natürlich sehr stolz. Aber auch mein Vater stand voll hinter mir und hat mir zu diesem Schritt geraten. Auch er liebt die Philippinen. Mein Trainer in Ingolstadt riet mir ebenfalls dazu, für die Philippinen zu spielen, um mich dort zu beweisen.

Mit Sicherheit sind die Spiele auf den Philippinen mit ziemlichen Reisestrapazen verbunden, was einem Club bei der Abstellung eines Spielers auch missfallen könnte. Wie lange dauert denn ein Flug?

Ich fliege von München nach Dubai so zwischen sechs und sieben Stunden. Von Dubai aus geht es dann weiter, das dauert noch einmal neun bis acht Stunden. Aber der Verein unterstützt mich voll und wertet es als positiv, dass ich wertvolle Erfahrungen sammele. Problematisch ist nur die Regelung mit der Schule.

Wie läuft das ab?

Ich bin im ersten Jahr der Fachoberschule, also in der elften Klasse. Eigentlich bin ich es gewohnt, dass es eng wird. Ich habe seit der U13 beim TSV München 1860 gespielt und musste in den ganzen Jahren schon immer versuchen alles unter einen Hut zu kriegen. Jetzt ist die Situation natürlich etwas schwieriger, aber die nächste Reise mit der philippinischen Nationalmannschaft findet erst wieder im Sommer nach Belgien statt. Ich werde alles schon irgendwie hinbekommen.


Was ist denn von den Spielen mit der U19 und der A-Nationalmannschaft bei Ihnen im Gedächtnis hängen geblieben?

Der Rasen, die Stadien, der Spaß, mit den Teamkameraden – all das war bombastisch. Man wird viel selbständiger durch solche Reisen, man lernt, nicht mehr so abhängig von den Eltern zu sein. Aber auch fußballerisch konnte ich mich weiterentwickeln, da man in der Nationalmannschaft auch gegen Ältere spielt. Da merkt man schon schnell den körperlichen Unterschied.

Auf welchem Niveau ist denn der philippinische Fußball?

In der Nationalmannschaft sind teilweise acht Spieler aus Europa dabei, das sind gestandene Profis. Das hebt die Qualität natürlich ungemein. Doch es gibt noch erhebliche Defizite im konditionellen und taktischen Bereich, da aufgrund der klimatischen Bedingungen auch ganz anders trainiert werden muss als hier. Aber alles, was an taktischem Verständnis fehlt, machen die meisten durch enormen Einsatzwillen wett. Außerhalb des Platzes gibt es schon Unterschiede, weil Basketball noch vor dem Fußball Volkssport Nummer eins ist. Das merkt man in bestimmten Bereichen wie dem Sponsoring schon.

Wie kamen Sie mit Ihren Teamkameraden zurecht?

Die Verständigung auf Englisch klappte bei der A-Nationalmannschaft sogar besser als bei der Juniorenauswahl. Mir wurde vor der Reise zur U19 zwar gesagt, dass noch weitere Spieler aus Europa dazu stoßen, aber die hatten alle keine Freigabe von ihren Clubs erhalten. Bei der A-Nationalmannschaft waren dann allerdings auch Spieler aus England und Holland dabei. Außerdem kenne ich schließlich Stephan Schröck von der SpVgg. Greuther Fürth ganz gut, er spielt auch für die Philippinen. Von daher helfen wir uns auch gegenseitig.

Es heißt ja, dass dort über hundert Sprachen gesprochen werden. Beherrschen Sie etwa alle?

Es gibt verschiedene Sprachen, aber das verhält sich ähnlich wie bei den vielen Mundarten und Dialekten hier in Deutschland. Die Hauptsprachen sind aber Tagalog und Englisch. Die erstere konnte ich einmal, das ist etwas abgeschlafft. Aber auf Englisch kann man sich wunderbar verständigen.

Was für eine Mentalität haben die Menschen auf den Philippinen? Gibt es große Unterschiede zu Deutschland?

Auf den Philippinen sind die Menschen offener und fröhlicher. Das wussten wir schon, weil wir sehr viele Menschen von den Philippinen, die hier in Deutschland leben, kennen.

Wie sieht denn Ihre weitere Planung aus. Wollen Sie weiter für die Philippinen spielen?

Ich habe mich gar nicht damit beschäftigt, ob ich auch noch einmal für Deutschland spielen dürfte. Aber momentan plane ich, auch weiterhin für die Philippinen zu spielen. Der dortige Trainer hat mir auch gesagt, dass er auf mich baue, ich aber erst einmal hier in Deutschland Kraft tanken soll. Ich bin noch ein junger Spieler und stehe noch am Anfang meiner Entwicklung. Ich bin in Ingolstadt bei der Amateurmannschaft integriert und möchte dort meinen Platz finden. Ich fühle mich hier sehr wohl, wohne nur eine halbe Stunde entfernt vom Trainingsgelände.

Wie würden Sie sich als Spielertyp charakterisieren?

Ich spreche ungern selbst über mich, meine Stärken sollen andere beurteilen. Ich habe auf dem Platz eher die Rolle eines Spieleröffners, sehe mich auf der Sechser-Position. Mein Spiel ist sehr durchs Kämpferische geprägt.

Sie scheinen auch schon ein echtes Aushängeschild des philippinischen Fußballs zu sein. Im Herbst 2010 sind Sie auf landesweiten Plakaten zu sehen.

Wir machten Werbeaufnahmen für die Vorstellung der neuen Trikots. Diese kommen im Herbst bei einer asiatischen Meisterschaft erstmals zum Einsatz und sollen dann überall beworben werden. Komischerweise wurden nur wir Spieler aus Europa gefragt, ob wir beim Fotoshooting mitmachen wollen.

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