12.02.2010

Ein Ingolstädter für die Philippinen

»Ich dachte an einen Irrtum«

In Deutschland ist Manuel Ott noch ein recht unbekannter Fußballer. Doch der Youngster vom FC Ingolstadt ist nun Nationalspieler der Philippinen. Warum sein Gesicht bald im ganzen Land zu sehen ist, erklärt er uns hier.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Manuel Ott, Sie spielen in der Amateurmannschaft des FC Ingolstadt und sind seit Januar Nationalspieler der Philippinen. Wie kam es dazu?

Meine Mutter ist Philippinin, mein Vater Deutscher. Aber ich fühle mich seit meiner Jugend den Philippinen sehr verbunden, wir sind früher auch einmal pro Jahr dorthin geflogen. In den letzten Jahren hat es wegen des Fußballs nicht mehr ganz so geklappt, da hatte ich wenig Zeit. Im Oktober 2009 hat dann der philippinische Verband bei mir angefragt, ob ich für die U19-Auswahl Qualifikationsspiele bestreiten möchte. Die Philippinen haben einen Scout abgestellt, der in Deutschland nach Talenten Ausschau hält. Dieser muss mich wohl entdeckt haben.



Kam das für Sie nicht aus heiterem Himmel?

Klar. Vor allem, weil sie mich zunächst nur für die U21-Mannschaft haben wollten und später dann auch die A-Nationalmannschaft Interesse zeigte. Da habe ich mir zunächst gedacht, dass es sich um einen Irrtum handelte und die den falschen angeschrieben haben. Alles passierte vor Weihnachten und wir mussten uns richtig ins Zeug legen, dass meine Schule mich für die Zeit im Januar mit der A-Nationalmannschaft freistellt. Das lief alles sehr kurzfristig ab.

Waren Sie denn nach dem Angebot direkt begeistert oder brauchten Sie erst einmal eine gewisse Bedenkzeit?

Ich war sofort Feuer und Flamme, wollte direkt wichtige Erfahrungen sammeln. Für mich war das eine riesige Gelegenheit.

Und was haben Ihre Eltern und Ihr Verein, der FC Ingolstadt, zu dem Schritt gesagt?

Meine Mutter war natürlich sehr stolz. Aber auch mein Vater stand voll hinter mir und hat mir zu diesem Schritt geraten. Auch er liebt die Philippinen. Mein Trainer in Ingolstadt riet mir ebenfalls dazu, für die Philippinen zu spielen, um mich dort zu beweisen.

Mit Sicherheit sind die Spiele auf den Philippinen mit ziemlichen Reisestrapazen verbunden, was einem Club bei der Abstellung eines Spielers auch missfallen könnte. Wie lange dauert denn ein Flug?

Ich fliege von München nach Dubai so zwischen sechs und sieben Stunden. Von Dubai aus geht es dann weiter, das dauert noch einmal neun bis acht Stunden. Aber der Verein unterstützt mich voll und wertet es als positiv, dass ich wertvolle Erfahrungen sammele. Problematisch ist nur die Regelung mit der Schule.

Wie läuft das ab?

Ich bin im ersten Jahr der Fachoberschule, also in der elften Klasse. Eigentlich bin ich es gewohnt, dass es eng wird. Ich habe seit der U13 beim TSV München 1860 gespielt und musste in den ganzen Jahren schon immer versuchen alles unter einen Hut zu kriegen. Jetzt ist die Situation natürlich etwas schwieriger, aber die nächste Reise mit der philippinischen Nationalmannschaft findet erst wieder im Sommer nach Belgien statt. Ich werde alles schon irgendwie hinbekommen.


Was ist denn von den Spielen mit der U19 und der A-Nationalmannschaft bei Ihnen im Gedächtnis hängen geblieben?

Der Rasen, die Stadien, der Spaß, mit den Teamkameraden – all das war bombastisch. Man wird viel selbständiger durch solche Reisen, man lernt, nicht mehr so abhängig von den Eltern zu sein. Aber auch fußballerisch konnte ich mich weiterentwickeln, da man in der Nationalmannschaft auch gegen Ältere spielt. Da merkt man schon schnell den körperlichen Unterschied.

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