Ein Gespräch über Guido Westerwelle und das Alter

Ansgar Brinkmann, wovor fürchten Sie sich?

Fußballer reden gewöhnlich nur über Fußball. Ansgar Brinkmann zeigt im Interview sein anderes Gesicht. Ein Gespräch über Außenminister Westerwelle, die Rolle der Kirchen, Gerechtigkeit und die Angst vor dem Altern. Ein Gespräch über Guido Westerwelle und das Alter

Ansgar Brinkmann, Fußballern wird nachgesagt, dass sie außer ihrem Sport wenig im Kopf hätten, ihnen der nötige Tiefgang fehlt. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Ansgar Brinkmann: Ein oft benutztes Klischee. Fußball ist meine Leidenschaft. Trotzdem interessiere ich mich natürlich dafür, was in Deutschland los ist. Wir können über Politik sprechen.

Gerne, die Zeitungen rätseln über die Zukunft des Außenministers Guido Westerwelle.

Ansgar Brinkmann: Ein interessantes Thema. Ich wünsche ihm mehr Demut.

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Was meinen Sie?

Ansgar Brinkmann: Demut gegenüber den Menschen und dem Amt des Außenministers. Er ist mir zu forsch und zu aggressiv. Ich nehme ihm seine Wutreden nicht mehr ab. Guido Westerwelle ist nicht authentisch.

Was werfen Sie ihm konkret vor?

Ansgar Brinkmann: Er spielt mit Emotionen, gibt den Menschen zu viel Hoffnung, stellt Dinge in Aussicht, die er aber nicht mit Leben füllen kann.

Die liberale Politik wird als Nährboden für die Ursachen der Bankenkrise gesehen. Wie beurteilen Sie das?

Ansgar Brinkmann: Ich bin kein Finanzexperte, sondern ein normaler Bürger. Nur so viel: Die Banken zu retten war für unser System wichtig. Niemand weiß besser als ich, dass man Fehler machen kann. Es hat aber einen faden Beigeschmack, wenn man weiß, dass vorsätzlich Fehler gemacht wurden, dass mit dem Schicksal vieler Menschen gespielt wurde, um höhere Profite zu erzielen.

Was meinen Sie?

Ansgar Brinkmann: Mit fehlt die Gerechtigkeit. Es gibt Menschen, die tragen zusätzlich zu ihrem regulären Job noch Zeitungen aus, damit sie mit ihrer Familie einmal im Jahr in den Urlaub fahren können. Aus diesem Blickwinkel, sind die zur Bankenrettung aufgewandten Mittel schwer nachvollziehbar. Solche Summen sind gar nicht zu greifen.

Wer könnte als moralischer Regulator auftreten? Die Kirche?

Ansgar Brinkmann: Halleluja!

Sie sind kein Freund der Kirchen?

Ansgar Brinkmann: Ich verstehe nicht alle Dinge, doch ich kann sagen: Mir fehlt einfach die Transparenz. Beide Kirchen haben deutlich an Ansehen verloren.

Woran liegt das?

Ansgar Brinkmann: Sie haben sich nicht weiterentwickelt. Mir fehlt der Sinn in der Institution Kirche. Die Skandale gibt es in anderen Bereichen auch, das ist nicht mein Problem. Ich habe aber das Gefühl, dass die Kirchen zu weit von meinem Leben weg sind. Wie können Sie dann als Regulator auftreten?


Margot Käßmann ist zurückgetreten, weil sie durch ihr Verhalten, die eigene Authorität als Mahner in Gefahr sah.

Ansgar Brinkmann: Ich fand diesen Schritt zu voreilig. Die Dame hat einen Wein zu viel getrunken und ist dann Auto gefahren. Das war ein Fehler. Mehr aber nicht. Ich bin als Fußballer auch nicht zurückgetreten und habe meine Existenz gefährdet, weil ich etwas falsch gemacht habe.

Sie finden ihren Schritt nicht richtig?

Ansgar Brinkmann: Nein, sie fehlt jetzt. Margot Käßmann hat Charakter. Es ist schade, dass sie alles wegen einer solchen Sache aufgibt.

Wann kommen Sie zu sich selbst?

Ansgar Brinkmann: Das passt jetzt vielleicht nicht zu dem Bild, welches man von mir hat, aber ich gehe mit meinen Hunden gerne spazieren. Und nach unserem Gespräch werde ich joggen gehen. Das hätte ich früher freiwillig nicht gemacht. Heute merke ich, dass ich das brauche, dass es mich beruhigt.

Die Ruhe des Alters?

Ansgar Brinkmann: Natürlich.

Sind Sie neugierig auf die Dinge, die noch kommen?

Ansgar Brinkmann: Klar, ich versuche mein Leben zu nutzen, es lebenswert zu gestalten. Wer möchte schon mit 70 Jahren in seinem Garten stehen, auf sein Leben zurück blicken und merken, dass er nicht alles aus seinen Möglichkeiten gemacht hat. Es würde nicht zu mir passen, wenn ich merke, dass ich ohne Leidenschaft gelebt hätte.

Keine Angst vor dem Altern?

Ansgar Brinkmann: Nein, ich werde mit Sicherheit nicht auf mein Leben zurückblicken und sagen, dass ich nicht alles rausgeholt habe.

Wovor fürchten Sie sich?

Ansgar Brinkmann: In Zeiten, in denen es nicht so gut lief, habe ich mir Sorgen gemacht. Das bezog sich aber immer auf konkrete Situationen. Eine generelle Angst kenne ich nicht. Das habe ich meiner Mutter zu verdanken.

Warum?

Ansgar Brinkmann: Sie hat mir gesagt: »Ansgar, wenn du weißt, wo du abends schläfst und was du isst, gehörst du zu den privilegierten Menschen. Sei dankbar, wenn aus deiner Dusche morgens warmes Wasser kommt. « Mit 19 Jahren habe ich das nicht für voll genommen. Ich war Jungprofi und solche Themen oder Gedanken waren weit weg. Ein paar Jahre später wusste ich, was sie mir damit sagen wollte.

Nämlich?

Ansgar Brinkmann: Junge, bleib zwischendurch mal stehen und schau dich um. Es ist alles doch gar nicht so schlimm. Eine solche Herangehensweise relativiert vieles, vor dem man sich vielleicht fürchten kann.  Ich spreche von der Demut, die ich Guido Westerwelle wünsche.

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