09.01.2011

Ein Gespräch über Guido Westerwelle und das Alter

Ansgar Brinkmann, wovor fürchten Sie sich?

Fußballer reden gewöhnlich nur über Fußball. Ansgar Brinkmann zeigt im Interview sein anderes Gesicht. Ein Gespräch über Außenminister Westerwelle, die Rolle der Kirchen, Gerechtigkeit und die Angst vor dem Altern.

Interview: Christian Lawendel Bild: Imago
Ansgar Brinkmann, Fußballern wird nachgesagt, dass sie außer ihrem Sport wenig im Kopf hätten, ihnen der nötige Tiefgang fehlt. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Ansgar Brinkmann: Ein oft benutztes Klischee. Fußball ist meine Leidenschaft. Trotzdem interessiere ich mich natürlich dafür, was in Deutschland los ist. Wir können über Politik sprechen.

Gerne, die Zeitungen rätseln über die Zukunft des Außenministers Guido Westerwelle.

Ansgar Brinkmann: Ein interessantes Thema. Ich wünsche ihm mehr Demut.



Was meinen Sie?

Ansgar Brinkmann: Demut gegenüber den Menschen und dem Amt des Außenministers. Er ist mir zu forsch und zu aggressiv. Ich nehme ihm seine Wutreden nicht mehr ab. Guido Westerwelle ist nicht authentisch.

Was werfen Sie ihm konkret vor?

Ansgar Brinkmann: Er spielt mit Emotionen, gibt den Menschen zu viel Hoffnung, stellt Dinge in Aussicht, die er aber nicht mit Leben füllen kann.

Die liberale Politik wird als Nährboden für die Ursachen der Bankenkrise gesehen. Wie beurteilen Sie das?

Ansgar Brinkmann: Ich bin kein Finanzexperte, sondern ein normaler Bürger. Nur so viel: Die Banken zu retten war für unser System wichtig. Niemand weiß besser als ich, dass man Fehler machen kann. Es hat aber einen faden Beigeschmack, wenn man weiß, dass vorsätzlich Fehler gemacht wurden, dass mit dem Schicksal vieler Menschen gespielt wurde, um höhere Profite zu erzielen.

Was meinen Sie?

Ansgar Brinkmann: Mit fehlt die Gerechtigkeit. Es gibt Menschen, die tragen zusätzlich zu ihrem regulären Job noch Zeitungen aus, damit sie mit ihrer Familie einmal im Jahr in den Urlaub fahren können. Aus diesem Blickwinkel, sind die zur Bankenrettung aufgewandten Mittel schwer nachvollziehbar. Solche Summen sind gar nicht zu greifen.

Wer könnte als moralischer Regulator auftreten? Die Kirche?

Ansgar Brinkmann: Halleluja!

Sie sind kein Freund der Kirchen?

Ansgar Brinkmann: Ich verstehe nicht alle Dinge, doch ich kann sagen: Mir fehlt einfach die Transparenz. Beide Kirchen haben deutlich an Ansehen verloren.

Woran liegt das?

Ansgar Brinkmann: Sie haben sich nicht weiterentwickelt. Mir fehlt der Sinn in der Institution Kirche. Die Skandale gibt es in anderen Bereichen auch, das ist nicht mein Problem. Ich habe aber das Gefühl, dass die Kirchen zu weit von meinem Leben weg sind. Wie können Sie dann als Regulator auftreten?

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