Ein Bayern-Fan über sein einsames CL-Finale im Dortmunder Block

»Natürlich gab es böse Blicke«

Beim Champions-League-Finale zwischen Bayern und dem BVB steht Harry Foshag im Wembleystadion. In einem Bayern-Trikot. Allein unter Dortmund-Fans. Vor dem heutigen Supercup-Finale zwischen Bayern und Dortmund sprachen wir mit ihm über Dortmunder Stimmung, Anerkennung und verlorene Europacupspiele.

Harry Foshag, Sie als Bayern-Fan, alleine, umgeben von tausenden Dortmundern im größten Spiel der deutschen Vereinsfußballgeschichte. Ein mulmiges Gefühl bekommt man da schon, oder?
Nein, Angst hatte ich nicht. Es war eher die Angst davor, nicht ins Stadion gelassen zu werden. Ich trug zur Sicherheit einen Rucksack, um mein Trikot zur Not darin zu verstecken. Das war Gott sei Dank nicht nötig. Ein vermeintlicher Bayern-Fan klopfte mir deshalb anerkennend auf die Schulter, weil er selber nur zivil ins Stadion ging. Das wäre für mich allerdings nur halb so schön gewesen.

Aber als rotes Schaaf im Schwarz-Gelben Stall...?
(lacht) Natürlich gab es hier und da mal böse Blicke und vielleicht bekam ich das ein oder andere Bier mehr in den Nacken gekippt. Doch als die Bayern-Fans im Stadion ihre Lieder sangen hielt ich mich besser zurück. Wobei ich die anderen Bayern-Fans sowieso kaum gehört habe, da die Dortmunder doch sehr laut waren, das muss ich zugeben. Generell war es sehr friedlich, mit Ausnahme des ersten Torjubels. 

Sie meinen das Führungstor von Mandžukić zum 1:0?
Als das Tor fiel, konnte ich nicht anders, als frenetisch zu feiern! Plötzlich packte mich ein schwarz-gelber Hüne am Arm, der einen Kopf größer als ich war. Ich fragte, ob er ein Problem habe, worauf er meinte, dass ich ihm beim Jubeln meinen Schal ins Gesicht geschlagen hätte. Das nahm ich in dem Moment natürlich nicht wahr. Nach einigen unangenehmen Momenten, konnte ein anderer Dortmund-Fan schlichten.

Bayern gewann das Spiel mit 2:1, das entscheidende Tor fiel erst kurz vor Schluss. Was passierte nach dem Schlusspfiff?
Dann gab für mich kein Halten mehr! Überaschenderweise wurde ich in Ruhe gelassen, genauso auch von dem Hünen. Als wir dann das Stadion verließen, war ebenfalls alles sehr friedlich. Das war in anderen Spielen auch schon mal anders. Ich erinnere mich da an das Europapokal-Endspiel 1987 gegen Porto.

Der FCB verlor damals in Wien mit 1:2 . Was passierte nach dem Spiel?
Da lagen die Autos am Ende auf dem Dach! Wir hatten das Spiel ja letztendlich sehr unglücklich verloren. Die Polizei hatte die angespannte Situation nach dem Spiel überhaupt nicht im Griff. So eskalierte leider alles und wurde sehr unschön.
 

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