24.05.2014

Ein Atlético-Fanklub in Deutschland

»Der Fußballgott muss auf unserer Seite sein«

André Kahle lebt in Detmold, ist seit einem Online-Manager-Spiel 2002 jedoch Fan von Atlético Madrid. Nach dem Meistertitel kann sein Verein nun auch die Champions League holen. Ein Interview über eine ungewöhnliche Liebe.

Interview: Christoph Küppers Bild: Imago

André Kahle, Sie leben in Detmold und sind Fan von Atlético Madrid. Sie hätten es doch einfacher haben können: Warum nicht Bielefeld, Hannover oder Paderborn?
(Lacht) Ich habe gar nichts gegen diese Vereine. Innerhalb Deutschlands halte ich sogar zu Hannover 96. Aber Atlético ist für mich der geilste Verein der Welt. Wer mit diesem Verein in Kontakt kommt, ist sofort infiziert.

Wie kam es zu dieser kuriosen Liebe?
Nach der WM 2002 habe ich an einem Online-Managerspiel der spanischen Liga teilgenommen. Natürlich wollte ich Real Madrid oder den FC Barcelona haben, die waren jedoch bereits vergeben. Also bekam ich Atlético, das gerade erst in die Erste Liga aufgestiegen war. Ich habe mich richtig geärgert, von diesem Klub hatte ich noch nie etwas gehört.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie zum Fan wurden?
Ich habe irgendwann angefangen,  die Spiele übers Internet per Radio zu verfolgen. Da ich kein Wort Spanisch sprach, waren das kuriose Nachmittage. Ich saß da, hörte einen leidenschaftlichen Reporter quasseln und habe darauf gewartet, dass er »Goooool« schrie. Weil die Spanier das aber immer so in die Länge ziehen, wusste ich erst Sekunden nach dem Tor ob wirklich Atlético getroffen hatte.

Wann haben Sie zum ersten Mal beschlossen, nach Madrid zu fliegen?
2003 bin ich zum »Centenario«, dem 100. Geburtstag des Klubs, geflogen. Mein Kumpel und ich haben über ein Forum zufällig den Organisator der Feierlichkeiten kennengelernt. Noch in der ersten Nacht in Madrid haben wir mit ihm den Neptuno-Brunnen, wo die Atlético-Fans ihre Titel feiern, bestiegen und dort einen Schal angebracht. Seitdem bin ich mit dem rot-weißen Virus infiziert.

Sie haben daraufhin den ersten deutschen Atlético-Fanclub gegründet.
Wir haben mit fünf bis acht Jungs angefangen. Mittlerweile sind wir aber schon über 70, Tendenz steigend. Durch die Gemeinschaft in unserem Fanklub, der »Peña Atlética Centuria Germana«, haben wir auch immer öfter Spiele im Stadion verfolgt.

Wie viele Spiele schauen Sie heute im Stadion?
In Europa fahre ich zu fast allen Auswärtsspielen, dazu einige ausgewählte Liga-Spiele. Ich glaube, in dieser Saison habe ich sechs oder sieben Spiele vor Ort gesehen.

Was war das absolute Highlight?
Am letzten Samstag, das entscheidende Spiel um die Meisterschaft in Barcelona. Ein typisches Atlético-Spiel: Die Mannschaft musste punkten, direkt zu Beginn verletzten sich aber zwei der wichtigsten Spieler und das Team kassierte das 0:1. Trainer Diego Simeone hat die Spieler dann aber drei Minuten vor dem Anpfiff der zweiten Halbzeit aufs Feld geschickt. Als wir den Willen der Mannschaft gesehen haben, wussten wir: Atlético wird Meister! Und so kam es dann auch.

Es ist der erste Meistertitel seit 18 Jahren. Wie hätten Sie reagiert, wenn Ihnen das jemand vor der Saison gesagt hätte?
Den hätte ich eingewiesen! Ich habe vor der Saison gesagt, es wäre toll, wenn wir Dritter werden und in der Champions League die K.o.-Phase erreichen. Als ich absehen konnte, dass wir beides schaffen, habe ich wöchentlich mit dem Einbruch gerechnet.

Der kam aber nicht. Was hat den Verein in dieser Saison so stark gemacht?
Der Wille und der Zusammenhalt. Schauen Sie sich alleine den Trainer an. Simeone macht nichts weiter, als Spieler und Fans anzufeuern. Ich glaube, der hat noch nie eine taktische Anweisung gegeben (lacht). Was Atlético in dieser Saison geschafft hat, ist unglaublich. Barcelona und Real, deren Etats ungefähr viermal so groß sind, derart Paroli zu bieten, das ist einfach überragend.

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