Ein Anwalt für Saarbrücken

»Aussage gegen Aussage«

Weil sich Fans vom 1. FC Saarbrücken nach dem Spiel gegen Jena von Polizei und Medien ungerecht behandelt fühlten, wird der Anhang nun von einem Anwalt begleitet. Wir sprachen mit Fanprojekttleiter Jörg Rodenbüsch. Ein Anwalt für Saarbrücken

Jörg Rodenbüsch, wo erreichen wir Sie gerade?

Ich sitze mit den Fans vom 1. FC Saarbrücken im Bus auf der A4 in Richtung Dresden.

Neben Ihrem Anwalt?

Nein, der wird in Dresden zu uns stoßen. Ich werde Ihnen auch nicht seinen Namen verraten, das war eine seiner Bedingungen für den juristischen Beistand beim Auswärtsspiel.

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Warum brauchen die Fans vom 1. FC Saarbrücken einen Anwalt?

Hintergrund ist das Spiel gegen Carl Zeiss Jena am vergangenen Spieltag. Nach der Partie wurde unser Bus mit Steinen beworfen und von der Polizei mit Tränengas eingenebelt. Hinterher stand in den Zeitungen: »Massenschlägerei bei Spiel Jena gegen Saarbrücken«. Und obwohl ich mit dem Einsatzleiter der örtlichen Polizei am nächsten Tag ein gutes Gespräch hatte, wollte die Polizei nicht von der Meinung abrücken, Fans aus Saarbrücken hätten sich mit Jena-Anhänger geprügelt.

Und deshalb haben Sie gleich juristischen Beistand angefordert?

Ich saß selbst mit in diesem Bus, deshalb auch meine Motivation sofort etwas gegen dieses Problem zu unternehmen. Egal was wir Fans zu den Vorfällen sagen – am Ende steht Aussage gegen Aussage. Mit einem Anwalt in unseren Reihen, der alles genau beobachten und dokumentieren wird, haben wir das Recht im Zweifel auf unserer Seite.

Wer bezahlt die Anwaltskosten?

Wenn nichts passiert – wovon wir ausgehen – besteht das Honorar aus Eintrittskarte und Bratwurst, heißt: Der Mann arbeitet für lau. Ich kenne ihn und habe noch etwas gut bei ihm. Bezahlt wird er erst, wenn es wieder zu solchen Szenen wie in Jena kommt.

Glauben Sie denn, diese Idee könnte Schule in deutschen Fanszenen machen?

Ich denke nicht. Das ist eine individuelle Idee, mit der wir auf ein bestimmtes Ereignis reagieren – nämlich die falschen Meldungen nach dem Jena-Spiel – und kein Allheilmittel für die Probleme zwischen Fußball-Fans und der Polizei. Ähnliche Überlegungen gibt es ja überall in Deutschland, beispielsweise das Projekt »Fans beobachten die Polizei« in Babelsberg. Keiner muss befürchten, dass ab sofort ein Anwalt bei der nächsten Auswärtsfahrt dabei ist.

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