Ein Anti-Award für den größten Preistreiber der Bundesliga

»Den Fans wird immer tiefer in die Tasche gegriffen«

Die Initiative »Kein Zwanni! Fußball muss bezahlbar sein« verleiht erstmalig den Award »Preisschraube des Jahres«. Wir sprachen mit Sprecher Marc Quambusch über die Anwärter, Boykottaufrufe und die Dreistigkeit des HSV.

Marc Quambusch, Ihre Initiative »Kein Zwanni! Fußball muss bezahlbar sein« verleiht aktuell den Titel »Preisschraube des Jahres«. Was erwartet den Gewinner?
Die Aktion steht in der Tradition der Preise, die eigentlich keiner haben will. Doch es gibt so viele Bundesligavereine, die mit ihrer Preispolitik den Fußball schwer konsumierbar machen und quasi um einen solchen Award betteln. Die Fans stimmen dabei ab, welcher Verein die Preisschraube in der jüngeren Vergangenheit überdreht hat. Den Award überreichen wir dann persönlich beim Gewinner-Klub. Vorausgesetzt, uns macht jemand die Tür auf. 

Wie sieht dieser Award denn aus?
Es handelt sich wirklich um eine Schraube! Allerdings um eine zehn bis 15 Zentimeter große Spezialanfertigung. Vielleicht sogar in Gold! Vielleicht aber auch nicht, soll am Ende ja nicht zu schön aussehen.

Wer sind die Anwärter, die im Voting um Stimmen buhlen?
Nominiert sind der 1. FC Heidenheim, Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Nürnberg. Die Heidenheimer Klubverantwortlichen haben den Fans bei den DFB-Pokalspielen in der vergangenen Saison 20 Euro für einen Stehplatz abgeknöpft. Damit machen sie den Volksfestcharakter der DFB-Erstrundenbegegnungen kaputt.

Womit haben sich Gladbach und Nürnberg qualifiziert?
Bei den beiden Klubs geht es um die Topspielzuschläge. Gladbach hat beim Spiel gegen Köln fünf Euro für den Stehplatz sowie zwischen zehn und 20 Euro für Sitzplätze draufgeschlagen. Beim Spiel Nürnberg gegen Bayern München musste man 23 Euro für einen Stehplatz blechen und bis zu 85 Euro für den Sitzplatz. Das ist absurd.

Beim HSV hatten Sie zuletzt zum Boykott aufgerufen, als die Preise im Spiel gegen Dortmund stark angezogen wurden. Warum taucht der Klub nicht im Voting auf?
Der HSV empfiehlt sich immer wieder für solche Boykottaufrufe. Aber der HSV stand schon stark im Fokus, da wollten wir lieber auch ein paar andere Vereine beleuchten. Im Übrigen soll es bei der nächsten Begegnung HSV gegen Dortmund sogar noch einmal teurer werden. Nur der Preis für den Stehplatz wurde bei 19 Euro eingefroren. Als würden sie uns sagen wollen: Seht her, wir bleiben unter dem von euch kritisierten »Zwanni«! 

Gibt es dafür einen Sonderpreis?
Für besondere Dreistigkeit? Könnte man überlegen. Wir rufen auf jeden Fall wieder zum Boykott auf!

Die Initiative »Kein Zwanni! Fußball muss bezahlbar sein« hat schon öfter zum Boykott aufgerufen. Bringt das überhaupt was oder werden die Tickets dann von anderen Fans gekauft?
Selbst wenn die Stadien ausverkauft sind, ist es wichtig, dass die Vereine sich beobachtet fühlen. Man darf die öffentliche Aufmerksamkeit eines Boykotts nicht unterschätzen. Dadurch entsteht Druck und die Vereine überlegen sich zukünftig zweimal, ob sie die Auseinandersetzung mit den Fans suchen wollen. Und manche Vereine mussten auch schon reagieren.

Zum Beispiel?
Der 1. FC Heidenheim hat die Preise für die nächste Pokalbegegnung wieder gesenkt. Statt 20 Euro kostet der Stehplatz jetzt 15 Euro. Wir führen das auch auf unsere Aktion zurück.

Also sind Sie mit Ihrer Initiative erfolgreich?
Die Arbeit ist sowohl erfolgreich als auch frustrierend. Bei den Klubs verbreitet sich offenbar die Einstellung, dass man den Fans immer tiefer in die Tasche greifen sollte. Für uns bedeutet das einen langen Weg. Und das Verhalten der Verantwortlichen beim HSV zeigt, dass es möglicherweise ein Geburtsfehler der Initiative ist, sich auf den »Zwanni« festzulegen. Wir denken daher darüber nach, den Namen zu ändern.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Wem haben Sie bei dem Voting eigentlich Ihre Stimme gegeben?
Ich habe... (lacht) Nein, das verrate ich nicht! Da möchte ich niemanden beeinflussen.

Zur Abstimmung geht's hier: http://www.facebook.com/questions/418921754798077

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