Ein 96-Ultra über die Tumulte beim Bayern-Spiel

»Die Polizei hat es übertrieben«

Am vergangenen Sonntag kam es im Fanblock von Hannover 96 zu Tumulten, 36 Personen wurden verletzt. Die Betroffenen kritisieren das unverhältnismäßige und überharte Vorgehen der Polizei. Wir sprachen mit Lasse G. von den »Ultras Hannover«. Ein 96-Ultra über die Tumulte beim Bayern-Spiel

Lasse G., Sie waren beim Spiel gegen die Bayern vor Ort. Die Polizei soll wegen des Verdachts von Pyromaterial in den Block gekommen sein und dann mit Pfefferspray und Schlagstöcken agiert haben. Wie haben Sie die Situation vor dem Anpfiff erlebt?

Lasse G.: Eigentlich war alles ganz normal und ruhig. Dann kamen zwei Ordner in den Block und wollten ohne vorherige Anfrage die Fahnen kontrollieren. Sowohl der Fanbeauftragte als auch wir wussten von dieser Maßnahme nichts. Über das Megafon wurde dann auch noch einmal darauf hingewiesen, sich nicht provozieren zu lassen und ruhig zu bleiben.

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Die Ordner sollen attackiert worden sein.

Lasse G.: Das stimmt nicht. Viele der Fans wollten ihre Fahne natürlich nicht hergeben, allerdings kam es nicht – wie von manchen berichtet – zu Handgreiflichkeiten oder ähnlichem.

Es soll sich um den Verdacht gehandelt haben, dass Fans Pyromaterial bei sich hatten.

Lasse G.: In den letzten Heimspielen wurde gezündelt, aber bei diesem Spiel war keine Pyro-Aktion geplant – auch um die Polizei ins Leere laufen zu lassen. Der Polizei ging es wohl diesmal darum, Stärke zu zeigen. Aber sie haben es übertrieben.

Was ist aus Ihrer Sicht genau passiert?

Lasse G.: Sie wurden tätlich, ein Fan wurde beinahe über eine Brüstung geschubst. Pfefferspray wurde teilweise aus kürzester Distanz direkt ins Gesicht, teilweise wahllos in die Menge gesprüht. Auch Unbeteiligte und Kinder wurden getroffen. So etwas haben wir bei einem Heimspiel noch nie erlebt.

Wie hat die Gruppe reagiert?

Lasse G.: Für uns war klar, dass ein Support nicht mehr möglich war – wir haben direkt danach unsere Fahnen und Banner zusammen gerollt und den Block verlassen. Nach dem Spiel haben wir unseren Anwalt eingeschaltet.

Ist der Riss zwischen den Ultras und der Polizei in Hannover noch zu kitten?

Lasse G.: Momentan ist die Situation sehr verfahren. Es war ja nicht der erste Vorfall, beispielsweise gab es vor kurzem ein sehr aggressives Vorgehen gegen uns direkt vor unserer Stammkneipe. Letzten Endes wird auch bei der Behandlung von Heim- und Auswärtsfans mit zweierlei Maß gemessen. Es mag sehr viele wohlmeinende Berichte über die Polizei in Hannover geben, aber spätestens diese Aktion hat die überharte Gangart gezeigt.

Beim Spiel gegen Mainz gab es ein strittiges Plakat. Wird es nun weitere Protestaktionen geben?

Lasse G.: Erst einmal ist nichts geplant.

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