12.07.2008

Eike Immel im Interview

»Viel Geld für Autos und Frauen«

Es gab Tage, an denen hatte Eike Immel keine zehn Cent, um sich ein Brötchen zu leisten. Der frühere Fußball-Nationaltorhüter über seinen Lebenswandel, gerissene Hochstapler - und warum er wieder an seine Zukunft glaubt.

Interview: Thomas Öchsner Bild: Imago
Warum verlangen Sie das Geld nicht zurück, jetzt wo Sie selbst pleite sind?

Bei den Leuten, denen ich damals besonders viel Geld geliehen habe, ist hundertprozentig nichts mehr zu holen. Außerdem konnte ich nie einem sagen, gib mir mal eine Quittung, das war in der Fußballwelt nicht üblich. Ich habe inzwischen lernen müssen, dass die Realität ganz anders ist.

Was meinen Sie damit?

Als ich zum Beispiel 2005 von Istanbul nach Deutschland zurückgekehrt bin, habe ich eine möblierte Wohnung gemietet und die ersten zwei Monate der Miete in bar bezahlt, ohne mir eine Quittung geben zu lassen. Später erhielt ich dann eine Forderung über die bereits bezahlten zwei Monatsmieten. Da war nichts zu machen, ich hatte ja nichts Schriftliches in den Händen.

Waren Sie bei Frauen auch zu gutmütig?

Wenn du mit 17 Jahren so viel Geld verdienst, dreht sich alles nur noch ums Geld. Je teurer das Auto, je teurer der Mantel, je teurer die Uhr, desto schöner das Geschenk. Das ist ein Teufelskreis. Wenn du zum Geburtstag eine Uhr für 15.000 Euro verschenkst, was schenkst du dann an Weihnachten? Vielleicht wollten die Frauen das gar nicht, aber ich habe gemeint, es müsste immer mehr sein.

Sie hatten zu viel Geld?

Ich hatte zu schnell zu viel Geld. Normalerweise verdienst du doch Schritt für Schritt immer ein Stückchen mehr und arbeitest dich langsam nach oben. Diese Erfahrung habe ich als junger Mensch nicht gemacht. Das Geld kam herein, es war immer viel mehr. Wenn ein Verein einem jungen Mann mit 17, 18 oder 19 Jahren 500.000 Mark und mehr in die Hand gibt, ist das gefährlich.

Hatten Sie nie Berater, die Ihnen in jungen Jahren in finanziellen Fragen geholfen haben?

Ich hatte Berater, aber die haben mir eher geschadet als genützt.

Der Fußballberater Manfred Schulte sagt: »Es gibt eine große Anzahl von Abzockern und Haien in dem Geschäft.«

Meine Berater haben mich nicht betrogen, aber ein Berater sagte damals zu mir: »Du hast bei der Europameisterschaft so viel Geld verdient, wir müssen da jetzt was machen, sonst musst du so viel Steuern nachzahlen.«

Und dann haben Sie sich an einem Bauherrenmodell beteiligt.

Ja, wie meine Berater auch. Das machte im Bekanntenkreis die Runde. Sowohl beim Metzger wie beim Zahnarzt hieß es: »Hast du schon gezeichnet?« Jeder wollte bei dem Schnäppchen dabei sein, auch Mitspieler damals bei Borussia Dortmund.

Bei dem vermeintlichen Schnäppchen ging es um Immobilien zum Steuernsparen - ausgerechnet in Hagen-Haspe.

Damals war das Pütt - und wir haben dort Luxus-Mehrfamilienhäuser hingestellt. Das ist wie sozialer Wohnungsbau in Monte Carlo. Heute würde ich natürlich fragen, wo ist der Haken, warum nutzen nicht alle das Steuersparmodell, wenn das so gut ist.

Was hat Sie der Ausflug in die Immobilienbranche gekostet?

So ungefähr eine halbe Million Euro. Der Verlust hat weh getan, aber ich habe damals so gut verdient, dass ich das wegstecken konnte.


Lest im dritten Teil, warum Multimillionäre für Eike Immel nicht einmal 500 Euro hatten und wieso ihm ein Freund wie Uli Hoeneß fehlte.

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