12.07.2008

Eike Immel im Interview

»Viel Geld für Autos und Frauen«

Es gab Tage, an denen hatte Eike Immel keine zehn Cent, um sich ein Brötchen zu leisten. Der frühere Fußball-Nationaltorhüter über seinen Lebenswandel, gerissene Hochstapler - und warum er wieder an seine Zukunft glaubt.

Interview: Thomas Öchsner Bild: Imago
Zu Hause, in seiner Dortmunder Wohnung, will Eike Immel, 47, kein Interview führen. Der ehemalige Fußball-Nationaltorhüter packt gerade Umzugskisten, weil er wegen seiner Torwartschule in Zukunft häufiger nach Kassel muss. Also ab in sein Dortmunder Stammcafé. Immel ist in Jeans und T-Shirt gekommen. Er fragt den Wirt: "Kannst du mir eine Spezi machen?" und geht gebeugt zu einem Tisch draußen auf dem Gehsteig. Er muss eine Schonhaltung einnehmen, wegen der Hüftarthrose, die ihn seit Jahren plagt. Immel musste im April Privatinsolvenz anmelden. Er weiß, dass er in seinem Leben viele Fehler gemacht hat, und darüber spricht er - entwaffnend ehrlich.



Von George Best, dem britischen Fußballer, der sich mit 59 Jahren zu Tode gesoffen hat, stammen die legendären Sätze: »Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.«

Ich kenne den Ausspruch. Auf mich trifft das aber nur teilweise zu. Gut, ich habe einige Autos zu Schrott gefahren und für meine Porsches und Mercedes viel Geld ausgegeben, aber für hübsche Frauen ehrlich gesagt noch viel mehr. Von den Autos wirst du nicht arm. Wir haben so viele Prozente bekommen. Da verlierst du beim Verkauf nicht viel. Ein Auto hat ja immer einen gewissen Restwert. Wenn die Frau weg ist, kriegst du nichts mehr.

Und der Alkohol?

Hat bei mir nie eine große Rolle gespielt, auch nicht nach der Karriere als Fußballer.

Aber das Zocken mit Karten. Ihr Konkurrent Toni Schumacher schrieb in seinem Torwart-Epos »Anpfiff«: »Eike Immel pokert wie ein Süchtiger. Oft sah man, wie er sich völlig gerupft auf sein Bett warf. Nicht selten wurde um 20.000 bis 30.000 D-Mark gespielt.«

Das ist eine Legende von der Weltmeisterschaft in Spanien. 1982 war das Trainingslager noch eine Kaserne. Da gab es keinerlei Zerstreuung. Wir durften nicht einmal am Strand spazieren gehen, und die Spielerfrauen durften uns auch nicht besuchen, so wie das heute üblich ist. Also haben wir in unserer Freizeit gespielt, das war ganz normal.

Um 20.000 bis 30.000 D-Mark, wie Toni Schumacher behauptet?

Gemessen an den Gehältern, die wir hatten, ist bei den Spielen keiner arm oder reich geworden. Die Szene, die Toni beschreibt, war nach dem 4:1-Sieg gegen Chile. Da waren wir in ausgelassener Stimmung, und zugegeben, das ist damals ein bisschen ausgeartet. Ich habe an diesem Abend ungefähr 40.000 D-Mark gewonnen. Ich war also nie gerupft, und das weiß der Toni auch. Und seit dem Ende meiner Fußballerkarriere habe ich nie mehr Würfel oder Karten angerührt.

Warum haben Sie nicht so wie andere auch gegen das Buch geklagt?

Tonis damalige Frau hat sich bei mir mehrmals entschuldigt, und damit war die Sache für mich erledigt. Ich wollte damals alles im Guten regeln, und das wird mir heute zum Bumerang. Meine Gutmütigkeit, meine Großzügigkeit, oder soll ich Dummheit sagen, sind mir zum Verhängnis geworden. Vielleicht ist es von allem etwas.

Sie waren zu großzügig?

Ich war viel zu großzügig. Ich habe ein Helfersyndrom. Es musste nur jemand traurig schauen, und schon habe ich ihm Geld geliehen. Ich habe schätzungsweise eine Million Mark verliehen, ohne davon einen Pfennig wiedergesehen zu haben.


Lest im zweiten Teil, wie Eike Immel mit Immobilien in Hagen-Haspe viel Geld verlor - und wieso Frauen ziemlich teuer sein können.

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