12.05.2009

Effe über die Mutter aller Niederlagen

»Das kann nicht sein«

Stefan Effenberg führte den FC Bayern in das CL-Finale 1999 – und damit zur bittersten Niederlage der Vereinsgeschichte. Wir sprachen mit ihm über den Sekundentod gegen Manchester, seine Trauer, Baslers Party und eine vierstündige Dopingprobe.

Interview: Tim Jürgens Bild: imago

Stefan Effenberg, war die Niederlage im Champions-League-Finale 1999 die schlimmste Ihres Lebens?

Sportlich gesehen bestimmt, denn in einem WM-Finale habe ich nie gestanden.



Hatten Sie während der Partie eine Vorahnung, dass es so dramatisch enden könnte?

Nein, denn wir haben gerade in diesem Spiel kaum etwas zugelassen. Natürlich hätten wir nach Mario Baslers 1:0 ein Tor nachlegen müssen, die Chancen dafür hatten wir. Trotzdem war ich absolut sicher, dass in dem Spiel nichts mehr passiert.

Und dann fangen Sie in der Nachspielzeit in kürzester Zeit zwei Tore – und United geht als Sieger vom Platz.

So ist Fußball. Als Spieler darfst du nie abschalten, bevor der Schiri abpfeift. Es war ein traumatischer Denkzettel für uns alle. Eine Lehre, die wir alle aus diesem Finale für den Rest unser Karriere mitnahmen.

Damals gehörten Spieler wie Michael Tarnat, Thorsten Fink, Carsten Jancker oder Thomas Linke zu Ihrem Finalteam. Nicht gerade Namen, die man aus heutiger Sicht in einem Champions League Finale erwartet.

Aber unsere Mannschaft stand vollkommen zu Recht dort! Wir haben in dieser Periode mit Manchester und Madrid den Ton angegeben. In Europa gab es kein weiteres Spitzenteam! Im Jahr darauf sind wir auch ins Halbfinale gekommen, dann wieder ins Endspiel. Wir waren eine geschlossene, sehr starke Mannschaft.

Sie galten als Kopf der Mannschaft.

Lothar Matthäus, Oliver Kahn und ich – wir haben die entscheidenden Positionen ausgefüllt und waren diejenigen, die den Ton angaben. Nichtsdestotrotz haben wir jeden Einzelnen gebraucht. Jeder hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Das war unsere große Stärke, und deswegen waren wir so erfolgreich.

Wie groß war der Druck, der in einem Champions League Finale auf einem Leitwolf wie Ihnen lastete.

Es hielt sich gerade 1999 in Grenzen, denn es gab ja nicht wirklich viele Sorgen, die wir uns machen mussten. Wir standen nicht großartig unter Druck und wir brauchten auch kein Glück. Es war eher so, dass ManU Glück hatte, nicht das 2:0 zu fangen. Für uns lief anfangs alles so, wie wir es geplant hatten.

Wer war an dem Abend ihr Gegenspieler?

Ich glaube, David Beckham. Ferguson hatte ihn für den gesperrten Roy Keane ins zentrale Mittelfeld beordert, und da lief er mir des Öfteren über den Weg. 

In der 80. Spielminute musste Lothar Matthäus vom Platz, weil er ausgepowert war und sein Oberschenkel schmerzte. Eine spielentscheidende Szene.

Es war natürlich unglücklich, weil er ein extrem wichtiger Spieler in der Abwehr war. Ich habe, als er runterging, auch einen Moment gedacht: »Mein Gott, die zehn Minuten hättest du auch noch durchhalten können.« Aber ich muss ihn in Schutz nehmen: Was hätte die Presse ihm angekreidet, wenn er drauf geblieben und in einer entscheidenden Szene einen Fehler gemacht hätte, weil er angeschlagen ist? Ich kann Sie beruhigen: Lothars Auswechslung war keinesfalls der Grund war, warum wir noch zwei Tore kassierten.

Wie kompensiert man die Auswechslung eines solchen Spielers. Können Sie sich noch an Anweisungen erinnern, die Sie auf dem Platz gegeben haben, nachdem Matthäus vom Platz  war?

Ich habe den anderen zugerufen, dass sie versuchen sollen, hinten jetzt noch massiver zu stehen und sich auf den einen oder anderen Konter zu beschränken. Unser Hauptaugenmerk lag darauf, dass wir defensiv sicher stehen und das Spiel über die Bühne bringen.

Alex Ferguson brachte seine »Super-Joker« Ole Gunnar Solskjær und Teddy Sheringham ins Spiel.

Das hat mich nicht besonders beunruhigt. Wieso auch? Wir standen bis zu dem Zeitpunkt hinten sicher, und die Jungs hatten vorher auch Andy Cole und Dwight Yorke sehr gut im Griff.

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