05.12.2006

Edmund Becker im Interview

„Ruhm ist kein Lebenselixier“

Seit beinah 30 Jahren ist Edmund „Ede“ Becker dem KSC nun schon treu. Im Interview spricht er über die Höhen und Tiefen dieser eheähnlichen Beziehung, über den Druck, dem man gewachsen ist, und über ein mögliches Scheitern.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Der KSC hat sechs Punkte Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz. Hand aufs Herz, Herr Becker: Alles andere als der Aufstieg wäre doch ein Enttäuschung.

Wir wollten uns gegenüber dem letzten Jahr verbessern. Das ist uns bislang gelungen. Über den Aufstieg werden wir in der Winterpause reden. Aber es ist kein Geheimnis: Wir wollen aufsteigen, und sich mit den Besten messen zu können, ist der Kick, der alle hier antreibt.

Ist das der Geist von 1986?

Generell ist es schwierig, Vergleiche über mehr als 20 Jahre hinweg anzustellen. 1986 ist die Mannschaft als No-Name-Truppe aufgestiegen. Bei uns ist die Erwartungshaltung schon ungleich größer. Diesem Druck müssen wir uns jetzt stellen. Und ich bin überzeugt davon, dass wir ihm gewachsen sind.

Vielleicht gelingt der Vergleich, wenn wir ihn auf zwei Personen reduzieren. Was unterscheidet Sie von Winfried Schäfer? Und wo liegen Ihre Gemeinsamkeiten?

Wir sind vollkommen verschieden. Der Winnie hat von seiner Art gelebt, eine Mannschaft zu begeistern. Er war ein emotionaler Pusher. Ich bin mehr der nüchterne Analytiker, pflege einen ruhigen Umgang mit der Mannschaft.

Wenn der KSC tatsächlich aufsteigt, wäre das nach der „Ära Schäfer“ die „Ära Becker“?

Ich weiß nicht, ob es im heutigen Fußball noch möglich ist, so lange mit einer Mannschaft zu arbeiten wie damals der Winnie. Ich denke an die Gegenwart und sage: Für uns alle wäre es toll, in dieser Gemeinschaft, die wir bilden, in die Bundesliga aufzusteigen. Ob es dann länger funktioniert... Darüber zu urteilen wäre hypothetisch.

Der ehemalige Präsident Gerhard Seiler hat den Verein in seiner Amtszeit wirtschaftlich wieder stark in der Region verankert. Das hat den KSC konsolidiert. Kann ein regional geprägter Verein sich denn überhaupt dauerhaft im Oberhaus etablieren?

Die regionale Verankerung ist wichtig. Sie erhöht die Identifikationskraft des Vereins. Und sie reicht meiner Meinung nach in unserem Fall absolut aus. Wir haben hier einen Zuspruch und ein Umfeld, die zweifellos erstligatauglich sind.

Was würde ihr Scheitern als Trainer des KSC für Ihr Leben in der Region bedeuten?

Am Anfang eine Enttäuschung. Es kann sehr schmutzig werden, gerade was die Öffentlichkeit anbelangt. Aber ich kann es nur noch mal sagen: Ich bin darauf vorbereitet. Schließlich habe ich mit Schäfer und Köstner schon sehr bittere Stunden erlebt und weiß, dass es viel wichtigere Dinge gibt als Fußball. Ruhm ist nicht mein Lebenselixier.

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