05.12.2006

Edmund Becker im Interview

„Ruhm ist kein Lebenselixier“

Seit beinah 30 Jahren ist Edmund „Ede“ Becker dem KSC nun schon treu. Im Interview spricht er über die Höhen und Tiefen dieser eheähnlichen Beziehung, über den Druck, dem man gewachsen ist, und über ein mögliches Scheitern.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
„Warum viel Geld für einen Trainer zahlen, wenn er die Mannschaft gar nicht kennt“, sagte Präsident Hubert Raase Anfang 2005 – und verpflichtete Sie. Waren Sie damals der Spatz in der Hand?

Es war für mich kein Thema, ob ich die Billiglösung bin. Dennoch habe ich am Anfang gezögert. Ich wollte Amateur-Trainer bleiben. Dann haben mir aber viele Leute gut zugeredet, unter anderem meine Frau und ein sehr guter Freund. Schließlich bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es wohl doch nicht das Schlechteste wäre, Cheftrainer zu werden.

Auch ein Mannschaftsvotum hat Sie seinerzeit überzeugt, dieses Amt zu übernehmen. Ist ein solcher Vertrauensvorschuss nicht ein Traum für jeden Trainer?

Natürlich freut einen das. Aber nachdem die Entscheidung erst einmal gefallen war, ging es nur noch darum, dafür zu sorgen, dass die Mannschaft gewinnt. Wenn das nicht passiert, nützt einem weder das Zuraten des Freundes oder der Frau noch ein Mannschaftsvotum. Noch einmal: Das Geschäft ist unheimlich kurzlebig.

Wann haben Sie das zuletzt zu spüren bekommen?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Beim Spiel gegen Rostock haben die Leute zunächst meinen Namen gesungen, dann stand es plötzlich 4:4, und die gleichen Leute schimpften: „Warum hat er denn nicht ausgewechselt?“ Der Fußball ist extrem, da liegt alles sehr eng beisammen. Darauf muss man vorbereitet sein, wenn einen solchen Job annimmt.

Ihre Mannschaft wirkt intakt. Viele Spieler unternehmen auch privat etwas miteinander. Ist das eine glückliche Fügung? Oder Ihr Konzept bei der Zusammenstellung des Kaders?

Es ist ein Glücksfall, dass unsere Personalpolitik der letzten zwei Jahre so gut funktioniert hat. Da muss ich meinen Vorgänger Lorenz-Günther Köstner ausdrücklich mit einbeziehen. Er hat seinerzeit Markus Miller das Vertrauen geschenkt, einem sehr jungen Torhüter. Und er hat den Edmond Kapllani für den KSC gewonnen. Dann kamen noch Carnell, Aduobe, Franz, Federico, Kaufman und Porcello. Das sind sechs Spieler, von denen jetzt fünf einen Stammplatz haben und Leistungsträger sind. Zu einer solchen Quote gehört auch ein wenig Glück.

Sie haben viele technisch starke Spieler in Ihren Reihen, die Mannschaft spielt für Zweitligaverhältnisse ungewöhnlich schönen Fußball. Dabei kommen aber auch Ergebnisse heraus wie das 3:3 gegen Duisburg und das 4:4 gegen Rostock, zuletzt sogar die erste Saison-Niederlage gegen Aue. Besteht manchmal die Gefahr, in Schönheit zu sterben?

Ja, das ist so. Wir müssen vielleicht, um das Ziel noch sicherer greifen zu können, noch mehr ans Ergebnis denken. Ich will zwar, dass wir weiterhin nach vorne spielen. Ich will aber auch, dass wir geschlossen sind, wenn der Gegner in Ballbesitz kommt. Da haben wir sicherlich noch Luft nach oben.

Können die Jungs denn auch kämpfen, wenn es darauf ankommt?

Natürlich. Sehen Sie nur die Spiele gegen die Aufsteiger, gegen Essen, wo wir durch ein Tor von Porcello erst kurz vor Schluss gewonnen haben, oder auch gegen Koblenz und Unterhaching, wo wir mit vereinten Kräften die drei Punkte geholt haben.

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