05.12.2006

Edmund Becker im Interview

„Ruhm ist kein Lebenselixier“

Seit beinah 30 Jahren ist Edmund „Ede“ Becker dem KSC nun schon treu. Im Interview spricht er über die Höhen und Tiefen dieser eheähnlichen Beziehung, über den Druck, dem man gewachsen ist, und über ein mögliches Scheitern.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Herr Becker, als Sie Anfang 2005 Profi-Trainer wurden, titelte die Karlsruher Stadtzeitung: „Ede Beckers Ja-Wort“. Sind Sie etwa mit dem KSC verheiratet?

(lacht) Wenn ich jetzt ja sagen würde, bekäme ich Ärger mit meiner Frau. Im Ernst: Es hat sich nie etwas anderes ergeben. Außerdem komme ich ja hier aus der Region. So bin ich dem KSC – mit einer Unterbrechung, als ich bei meinem Heimatverein meine ersten Erfahrungen als Trainer gesammelt habe – nun schon seit 30 Jahren verbunden.

Was schätzen Sie besonders an den Badenern?

Sie sind sehr ruhig, verlässlich und gemütlich.

Kann man diese Attribute auch Ihnen zuschreiben?

Ja, sicher. Aber als Trainer ist man von Zeit zu Zeit gezwungen, anders zu reagieren, als es dem Naturell entspricht. Man kann nicht immer ruhig bleiben. Aber im Großen und Ganzen würde ich mich schon als typischen Badener bezeichnen.



Wie sehr ist ihre Verbindung zum KSC emotional geprägt?

Schon sehr. Aber alles Herzblut hilft einem nichts, wenn es hart auf hart kommt. 2000/2001 war eine bittere Zeit für den KSC. Da habe ich die Erfahrung gemacht, dass auch 20, 30 Jahre in einem Verein einem nichts mehr nützen, wenn da irgendwelche Leute am Ruder sind, denen ein Gesicht nicht mehr passt. Das Geschäft ist wahnsinnig kurzlebig. Ich gebe mich also keinen Illusionen mehr hin.

Das klingt abgeklärt. Haben Sie trotzdem die Befürchtung, irgendwann einmal KSC-blind zu werden?

Ich habe mich immer auch mit der Arbeit anderer Trainer auseinandergesetzt. Außerdem bin ich politisch und kulturell sehr interessiert. Ich bin also beileibe nicht nur auf den KSC fixiert und brauche nicht zu befürchten, blind zu werden.

Aber Fernweh haben Sie doch bestimmt mal gehabt.

In meiner Zeit als Spieler hatte ich zunächst Schwierigkeiten, mich durchzusetzen. Das war eine unschöne Zeit, zugegeben. Da habe ich auf einen Wechsel spekuliert. Aber dann kam Max Merkel zum KSC und gab mir einen Stammplatz. Ich habe unter ihm eine sehr gute Saison gespielt, und andere Vereine sind auf mich aufmerksam geworden. Aber eine schwere Knieverletzung hat mich immer wieder zurückgeworfen. Später als Trainer habe ich hier im Amateurbereich gearbeitet, und das hat mir soviel Spaß gemacht, dass ich nie bestrebt war, mich zu verändern.

Seit 1990 sind Sie nun schon in verschiedenen Mannschaften des KSC als Trainer tätig, hatten mit einigen Cheftrainern wie Winfried Schäfer oder Lorenz-Günther Köstner zu tun. Haben diese Ihr Potenzial als Kenner des Vereins denn auch immer ausgeschöpft?

Es gab schon einen regen Austausch – vorausgesetzt, der Trainer war auch lang genug da, was leider nicht immer der Fall war. Besonders bei Köstner hatte ich das Gefühl, dass er weiß, dass ich schon lange im Vereine bin und dementsprechend ein großes Wissen habe.

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