Edgar Schmitt über das Leben nach der Karriere

»Wie im Dschungel«

Für das Karlsruher Theaterstück »Aus – Das Leben nach dem Spiel« wurden 57 Ex-Profis des KSC zu ihrem Leben nach dem Karriereende befragt. Einer von ihnen: Edgar Schmitt. Wir sprachen mit »Euro-Eddy« über das Theaterstück, Schwierigkeiten nach der Karriere und Ex-Kollegen im Finanzsektor.

Edgar Schmitt, am vergangenen Sonntag hatte das Theaterstück »Aus – Das Leben nach dem Spiel« in Karlsruhe Uraufführung, für das neben 56 anderen Ex-KSC-Profis auch Sie befragt wurden. Haben Sie das Stück schon gesehen?

Nein, ich war noch nicht drin. Aber ich werde es mir sicher noch ansehen.

Das Stück thematisiert den problematischen Umgang vieler Ex-Profis mit dem Karriereende. Die Interviews wurden dafür zum Theatertext zusammengeschnitten und sind teilweise sehr persönlich und tragisch. Hatten Sie keinerlei Bedenken, über Ihr Karriereende zu sprechen?
Nein, ich hatte ja nichts zu verbergen. Ich habe weniger über meine Karriere gesprochen sondern eher allgemein über das, was mir und vielen anderen Fußballern –unabhängig vom Finanziellen- nach der aktiven Laufbahn passiert.

Wie war das bei Ihnen?

Ich habe mit 36 Jahren bei Fortuna Köln aufgehört, die letzten beiden Jahre lag ich mehr auf dem OP-Tisch als dass ich auf dem Platz stand. Ich habe gemerkt, dass mein Körper nicht mehr mitmacht, habe meine Karriere beendet und mich erstmal komplett vom Fußball verabschiedet. Mit einem Freund eröffnete ich zwei große Sportgeschäfte mit 16 Mitarbeitern. Die Läden zu führen war fortan meine Arbeit.

Ein ziemlicher Einschnitt.

Ja, man kommt von einer Welt in eine komplett andere. Das war brutal schwierig und ich habe lange gebraucht, in diesem neuen Leben Fuß zu fassen. Es ist, als würde man in einen Dschungel gehen. Man hat keinerlei Intuition für das neue Terrain, kein Gefühl für das Geschäft oder den Umgang mit Menschen. Man hatte ja vorher nur oberflächlichen Kontakt zu dieser Welt.

Nach einigen Jahren in dieser neuen Welt haben Sie 2005 schließlich den Trainerschein gemacht und sind ins Fußballgeschäft zurückgekehrt. Was hat Sie dazu bewogen?

Der Fußball fing wieder an, mich zu reizen. Ich bin ja erst mit 28 Jahren Profi geworden und war dann acht Jahre in dieser Maschine drin. Danach war ich erstmal müde, denn durch den späten Einstieg und die fehlenden Spiel-Automatismen musste ich vieles durch Kampf und eisernen Willen ausgleichen. Als ich mit 28 nach Frankfurt kam, standen dort 15 Nationalspieler auf dem Trainingsplatz. Da habe ich mich schon gefragt, wie sich der kleine Schmitt aus der Eiffel dort durchsetzen soll. Und vor allem, wie ich es schaffe, auf dem hohen Niveau zu bleiben. Es gibt ja viele, die spät noch mal aufblühen, aber oben zu bleiben ist sehr schwierig. Das hat viel Kraft gekostet. Aber dieses Durchsetzungsvermögen hat mir auch nach der aktiven Karriere noch geholfen.

Der späte Einstieg als Profi war also auch für die Zeit danach lehrreich?

Ich denke schon. Als Späteinsteiger muss man Lösungen für Probleme suchen, die durch den späten Eintritt einfach da sind. Ich habe immer versucht, die Dinge mit einer gesunden Naivität anzugehen und die Probleme einfach anzupacken. Das ist auf dem Arbeitsmarkt vielleicht auch nicht das Schlechteste.

Mittlerweile sind Sie nicht mehr als Trainer tätig. Was ist passiert?

Schon als ich mit der Ausbildung zum Fußballlehrer anfing, war mir bewusst, dass es kein einfaches Geschäft ist. Es geht schnell nach oben und genauso schnell nach unten. Nach einer schönen ersten Station in Aalen, kam eine weniger schöne bei den Stuttgarter Kickers, wo es nicht so gut lief. Parallel fing ich an, Sportökonomie zu studieren, was mir jetzt zugute kommt. Mittlerweile arbeite ich für den Sportvermarkter »Sportfive« und bin für den KSC zuständig. So schließt sich der Kreis.

In »Aus« drückt einer der Protagonisten immer wieder einen Knopf, woraufhin Applaus ertönt. Ist der Applaus und das Rampenlicht das, was am meisten fehlt?

Für mich nicht. Was mir eher gefehlt hat, waren die Abläufe. Morgens zum Training fahren, in der Kabine zusammensitzen und schnacken. Der Profifußball ist ein Sammelbecken von Künstlern und Spaßvögeln und es ist immer was los. Man freut sich gemeinsam, man ärgert sich gemeinsam, das ist großes Kino.

Sie machen einen zufriedenen Eindruck mit Ihrer Karriere und der Zeit danach. Bei vielen Kollegen ist das, wie auch das Theaterstück zeigt, nicht der Fall. Thematisiert man das, wenn man sich über den Weg läuft oder in der Traditionself kickt?

Nein, eher nicht. Natürlich denkt man ab und zu darüber nach, wie es dem ein oder anderen Ex-Kollegen wohl geht aber letztlich ist das eine sehr persönliche Frage, die man so nicht stellt. Wenn man sich trifft, fragt man natürlich: »Wie geht es dir?«. Und natürlich geht es allen immer gut. Aber ich kann auch verstehen, wenn jemand nicht so gut zurechtkommt. Es ist eben ungewohntes Terrain, zudem begegnen einem als Ex-Profi im Berufsleben viele Menschen herablassend.

Ja?

Absolut. Viele merken, dass man sich nicht auskennt und erstmal nicht so gut zurechtkommt. Und einige denken dann, sie haben Oberwasser und lassen einen das mit einer ordentlichen Portion Genugtuung spüren. Je bekannter man war, desto schwieriger wird es nach der Karriere.

Die Interviews zeigen, dass einige der Kollegen im Finanzsektor gelandet sind. Weil man dort sein Wettbewerbsdenken und seinen Ehrgeiz weiter ausleben kann?

Vielleicht ja auch, weil sie schauen wollen, wie sie ihr Geld während ihrer Profilaufbahn hätten anlegen können (lacht). Im Ernst: Das finde ich überraschend. Wenn man jahrelang Fußballer war, was qualifiziert einen dann zum Finanzprofi? Das ist so, als wollten Sie morgen Fußballprofi werden. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen.

Tun Sie nicht. Einer Ihrer Ex-Kollegen hat übrigens eine Kunst-Galerie aufgemacht.

Das finde ich nachvollziehbarer. Wenn er vorher schon in Künstlerkreisen unterwegs war und sich für die Materie interessiert hat. Wie gesagt: Es gibt viele Künstler im Fußball.


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