Ede Becker im Interview

»Nicht auf Rosen gebettet«

Das Gesetz, dass es für Aufsteiger im zweiten Jahr besonders schwer ist, trifft den KSC mit voller Wucht. Wir sprachen mit Trainer Ede Becker über den Aderlass, die Pechsträhne – und das Ende seiner Zeit in Karlsruhe. Ede Becker im InterviewImago

Herr Becker. Wir erinnern uns jetzt mal ein Jahr zurück. Da war der KSC fast das, was Hoffenheim heute ist. Die Überraschungsmannschaft der Liga.
 
Das war ähnlich, ja. Die Ergebnisse und die Tabellensituation haben uns natürlich wesentlich mehr Freude bereitet. Aber so ist Fußball. Es geht nun mal nicht immer in die eine Richtung. Dass der KSC früher oder später in diese Situation kommt, war mehr oder weniger vorherzusehen. Wir hätten uns natürlich gewünscht, nicht schon unmittelbar nach der letzten Saison in diese Lage zu kommen.
 
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Sie kennen das Umfeld des KSC sehr gut, sind seit 30 Jahren im Verein. Wie reagiert es auf den letzten Tabellenplatz ihrer Mannschaft?

 
Wir hatten hier eine Saison, in der wir beispielsweise im Derby gegen den VfB Stuttgart gewinnen konnten, Borussia Dortmund geschlagen haben. Wir haben hier tolle Heimsiege gefeiert, und auswärts konnten wir auch punkten. Die Erwartungshaltung im Umfeld war also nach dem guten Jahr sehr, sehr hoch. Für uns ist es aber schwer, mit unseren Voraussetzungen diese Erwartungen auf Dauer zu erfüllen.
 
Es war von Anfang an sehr schwer für Sie.
 
Wenn man zwei sehr wichtige Spieler verliert und der Kapitän in der Hinrunde auch noch ausfällt, dann ist es fast schon zwangsläufig besonders schwer. Die beiden Spieler waren die Leistungsträger im Team. Eggimann war eine lange Zeit hier. Ein Führungsspieler. Er ist den Weg mit dem KSC nach oben gegangen, Hajnal ist hier grandios eingeschlagen. Und Maik Franz, der gerade verletzt ist, ist ein ganz wichtiger Eckpfeiler der Mannschaft. Man schafft es eben nicht immer, Abgänge sofort mit anderen Spielern zu kompensieren.
 
Was ist noch der Unterschied zwischen den KSC 2007 und den KSC 2008?

 
Wenn man die Frage so einfach beantworten könnte, ständen wir nicht unten drin. Aber es ist eben so, dass wir letztes Jahr Partien gewonnen haben, in denen die Spielanteile so ungefähr 40 zu 60 Prozent gegen uns waren. Beim Spiel gegen den VfB zum Beispiel hatte Stuttgart, bevor wir das Tor gemacht haben, gute Chancen, auch zu treffen. Es waren einige Spiele, in denen wir eben etwas Glück hatten. Diese 50 zu 50 Spiele oder vielleicht sogar Spiele mit kleinen Vorteilen für uns gehen in dieser Saison leider verloren. Teils durch individuelle Fehler, teils durch die Klasse des Gegners. Wir haben sieben Spiele mit einem Tor Unterschied verloren. Sieben Spiele, von denen wir in fünf oder sechs mindestens ebenbürtig waren. Keinen einzigen Punkt haben die uns gebracht.
 
Was ist mit den Spielern, die dazu gekommen sind?
 
Von denen kann man nicht gleich erwarten, dass sie die Positionen der Vorgänger einnehmen. Da Silva ist zum Beispiel eben ein anderer Spielertyp als Hajnal. Das braucht halt auch seine Zeit, bis sich da etwas entwickelt. Man muss aber auch ganz klar sagen, dass einige Spieler, die in der letzten Hinrunde überdurchschnittlich gut gespielt haben, in dieser Saison nicht wieder die gleiche Leistung bringen.
 
Sie stehen jetzt mit zehn Punkten auf Platz 18. In anderen Vereinen wäre schon länger die Frage laut geworden, wann denn ein neuer Trainer kommt. Wie schnell kann das in Karlsruhe passieren?
 
Wir arbeiten hier jetzt schon lange Jahre eng zusammen. Mit Rolf Dohmen habe ich Fußball gespielt. Den Vize-Präsidenten Rainer Schütterle habe ich als Co-Trainer schon lange begleitet. Wir haben hier schon ein offenes Verhältnis, und solange wir der Meinung ist, dass ich die Mannschaft noch erreiche, und weiter darauf vertrauen, dass sich die Leistung des Teams wieder steigert, wird sich an meiner Position nichts ändern. Wenn ich jetzt gehen würde, wäre das zu früh.
 
Was wäre, wenn der KSC absteigt? Was passiert dann mit Ihnen?

 
Ob es den Zweitligatrainer Ede Becker noch mal gibt, kann ich jetzt noch gar nicht sagen. Ganz ehrlich, ohne hier etwas verschleiern zu wollen: Ich mache mir darüber gar keine Gedanken. Wir wissen, dass wir uns ganz gewaltig auf die Hinterbeine stellen müssen, wenn wir den Bundesligaerhalt schaffen wollen. Damit habe ich gerade genug zu tun. Deshalb kann ich die Frage noch nicht beantworten.
 
Gekas, Rösler, Eggimann sind Namen, die man momentan mit den KSC in Verbindung bringt. Was ist an denen dran?
 
Nichts, gar nichts. Gekas bekommt in Leverkusen doppelt so viel Geld wie hier unser Topverdiener. Da ist für uns nichts zu machen. Und selbst wenn: Woher sollen wir wissen, dass er dann 15 Tore für uns macht? Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Eggimann, der gegangen ist, um nach einer Herausforderung zu suchen, wieder zurück kommt. Ich kenne Mario gut genug, dass ich weiß, dass er sich in Hannover durchboxen will.
 
Was ist mit Marco Engelhardt?

 
Ich halte von ihm sehr viel. Er war hier in jungen Jahren schon Kapitän. Er hat aber vor vier Wochen erst seinen Vertrag verlängert, ist also auch kein Thema. Generell: Wir führen Gespräche. Da machen wir keinen Hehl raus. Aber es gibt nichts Konkretes. Wir wollen ein oder zwei Spieler dazu gewinnen.
 
Was passiert beim KSC, wenn der Verein absteigen würde? Wie würde es wirtschaftlich weitergehen?

 
Da sind wir hier in Karlsruhe ohnehin nicht auf Rosen gebettet. Wir haben mit den kleinsten Etat. Was aber passieren würde und wie sich die Sponsoren verhalten würden, weiß ich nicht genau.

Am Samstag spielen Sie gegen Werder Bremen, die haben in der Defensive auch ihre Probleme.
 
Aber auf einem anderen Niveau. Wenn ich die Mannschaft sehe mit Fritz, Mertesacker und Naldo – die haben schon absolute Qualität. Die werden alles daran setzen, in der Liga wieder nach vorne zu kommen. Das macht unsere Aufgabe nicht leichter.
 
Wie müssen Sie spielen, damit sie eine Chance haben?
 
Wir müssen alles daran setzten, nicht wieder die gleichen Fehler zu machen wie in den acht Spielen zuvor. Die Bremer haben schon ein gewisses Risiko in ihrem Spiel, da wollen wir unsere Chance suchen.


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