05.11.2013

Eckhardt Krautzun über seinen Freund Alex Ferguson

»Alec hätte Rooney entlassen«

In England seit Monaten auf den Bestseller-Listen erscheint nun auch in Deutschland die Biografie von Alex Ferguson. In der neuen Ausgabe von 11FREUNDE drucken wir exklusiv einen Vorabdruck. Vorab sprachen wir mit Eckhard Krautzun, seit 38 Jahren enger Freund und Vertrauter von Ferguson, über seinen alten Kumpel.

Interview: Alex Raack Bild: Imago


1986 übernahm Ferguson Manchester United – der Beginn einer Ära. Wurden Sie von da an zum United-Fan?
Das war ich schon längst. Wie sich der Klub nach dem tragischen Flugunglück der Busby-Babes wieder aufrichtete, das hatte mir sehr imponiert. Dass ein guter Freund nun plötzlich Trainer dieses von mir bewunderten Klubs wurde, hat meiner Zuneigung natürlich nicht geschadet.

Als deutscher United-Fan müssen Sie bei den vielen internationalen Begegnungen mit Bundesligisten in den vergangenen Jahren häufig im Zwiespalt gewesen sein.
Stimmt. Ich erinnere mich besonders an das letzte Aufeinandertreffen zwischen Manchester und den Bayern im Champions-League-Viertelfinale 2010. Als Arjen Robben mit seinem Traumtor das Ausscheiden von United besiegelte, wusste ich wirklich nicht, ob ich mich jetzt freuen oder ärgern sollte.

Sie waren damals im Stadion – mussten Sie Ihren Freund anschließend trösten?
Alec reagierte auf das Ausscheiden, wie er es immer nach großen Niederlagen machte: Er setzte sich in seine Kabine und öffnete eine gute Flasche Rotwein. Er lud mich dazu ein.

Wir stellen uns vor, wie ein vor Wut schäumender Alex Ferguson zum Frustsaufen ansetzt.
Oh, da kennen Sie ihn aber schlecht. Ich kenne wirklich keinen anderen Trainer, der so schnell eine Niederlage verdauen kann wie Alec. Ich habe früher Tage gebraucht, um negative Dinge abzuhaken, er macht das in wenigen Minuten. Also saßen wir da und tranken ganz in Ruhe unser Glas. Am nächsten Tag nahm er mich mit auf die Rennbahn, er ist bekanntermaßen ein großer Pferdefreund, besitzt selbst sehr erfolgreiche Rennpferde und hantierte früher nach jedem Training an seinem Handy, um die aktuellsten Wettquoten abzufragen. Er setzte auch an diesem Tag Geld auf eines seiner Tiere und gewann einen enormen Betrag.

Gab er Ihnen etwas von dem Gewinn ab?
(lacht) Nein. Dazu ist er dann doch zu sehr Schotte!

Sie sprachen vorhin von seinem Humor – ist er wirklich so ein Spaßvogel?
Absolut! Ich erinnere mich, wie er mich bei einem meiner Besuche in Manchester zur Seite nahm und sagte: »Du sprichst doch sehr gut Englisch, Fritz. Jetzt nimmst du dir diesen weißen Kittel, gehst zu den Waschfrauen und sagst, du kämest vom Gesundheitsamt.« Ich zog den Kittel an und marschierte zu den Waschfrauen. Mit so viel Ernsthaftigkeit wie möglich erklärte ich den Damen, dass in letzter Zeit erstaunlich viel Schaum und giftige Abwasser aus dem Waschraum von Manchester United in die Kanalisation fließe und die Stadt den Laden jetzt erstmal dicht machen werde. Alec stand hinter der Tür und hat sich kaputt gelacht!

Worüber haben Sie sich mal gestritten?
Das ist bislang sehr selten passiert. Kritisiert habe ich ihn im Frühjahr 2012, als Manchester meiner Meinung nach zu behäbig spielte und zu langsam von Abwehr auf Angriff umschaltete. Kritik lässt er sich generell nur sehr ungern gefallen, also lud ich ihn zum Pokalfinale zwischen Dortmund und den Bayern nach Berlin ein. Er brachte seine Assitenztrainer mit, saß beim 5:2-Sieg der Dortmunder auf der Tribüne – und war so begeistert vom schnellen Spiel der Dortmunder, dass er das polnische Trio Lewandowski, Piszcek und Blaszczykowski am liebsten vom Fleck weg verpflichtet hätte. Stattdessen holt er Shinji Kagawa nach England, den hatte ich ihm schon Wochen vorher empfohlen.

>>>> Die Karriere von Alex Ferguson in Bildern!

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