05.11.2013

Eckhardt Krautzun über seinen Freund Alex Ferguson

»Alec hätte Rooney entlassen«

In England seit Monaten auf den Bestseller-Listen erscheint nun auch in Deutschland die Biografie von Alex Ferguson. In der neuen Ausgabe von 11FREUNDE drucken wir exklusiv einen Vorabdruck. Vorab sprachen wir mit Eckhard Krautzun, seit 38 Jahren enger Freund und Vertrauter von Ferguson, über seinen alten Kumpel.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Eckhard Krautzun, wo haben Sie Alex Ferguson kennengelernt?
Auf einem Trainerseminar in England vor 38 Jahren. Ich wollte mich fortbilden und den englischen Trainerschein machen. England und Schottland haben mich schon immer fasziniert, seit ich mit 16 Jahren im Rahmen eines Schüleraustausches auf die Insel kam. Später studierte ich Englisch und bis heute interessiert mich die englische und schottische Geschichte.

Und vermutlich auch der Fußball.
In den britischen Fußball habe ich mich damals gleich verguckt. Dieses Tempo und diese Intensität waren einzigartig. Also bewarb ich mich für die Ausbildung und fuhr nach England. Zwischen Sportplätzen und Seminarräumen in Lilleshall und Bisham Abbey lernten Alec und ich uns kennen. Wir waren damals noch junge Kerle, umgeben von Legenden wie Bill Shankly und dem langjährigen Chelsea-Trainer Dave Sexton.

Wie lernt man sich dann kennen? Bei einem Referat über das »Für und Wider von Gegenpressing«?
Wir haben uns Witze erzählt. Ich habe sämtliche mir bekannte Schotten-Witze ausgepackt, er lachte sich über jeden Gag halbtot. Wir mochten uns auf Anhieb. Nach einem weiteren Schotten-Spruch sagte er zu mir: »Dann komm doch mal zu uns und ich zeige dir, wie wir wirklich leben.« Ich fuhr nach Glasgow, und er nahm mich erstmal mit zum Training seiner damaligen Mannschaft FC St. Mirren. »Fritz« – so nannte er mich – »Fritz ist ein Gast aus Deutschland und wird heute mal die Übungen leiten!« Im strömenden Regen gab ich mein Debüt als Trainer einer schottischen Mannschaft.

Konnten Sie den Spielern eine kleine Kostprobe Ihrer Fähigkeiten geben?
Alec erinnert sich bis heute daran: »The crazy german – he started with diving headers!« Das Wetter war ideal für Flugkopfbälle, aber ich hatte vergessen, dass Fußbälle auf der Insel deutlich härter aufgepumpt wurden als bei uns. Seine Spieler dürften mich noch lange in Erinnerung behalten haben.

Wie fiel das Urteil Ihres neuen Freundes aus?
Ich ließ ja nicht nur Flugkopfballe trainieren, sondern streute auch Elemente ein, die ich von meinem Lehrer Hennes Weisweiler beigebracht bekommen hatte. Fünf gegen zwei, vier gegen zwei, schnelles Spiel, der Ball immer in Bewegung – das hat Alec sehr fasziniert. Er wollte mehr über Weisweiler wissen, also verschaffte ich ihm später eine Hospitation bei Borussia Mönchengladbach.

Und nach dem Training fuhren Sie wieder nach Hause?
Nein, anschließend wurde ich Zeitzeuge der schottischen Gastfreundschaft. Zunächst wärmten wir uns mit einem Whisky auf, dann trafen wir uns mit seiner Frau Cathy in einem Restaurant. Es gab die schottische Spezialitäten Haggis und Black Pudding.

Blutpudding und Schafsinnereien…
Ach, ich war als Nachkriegskind ja kulinarisch einigermaßen abgehärtet. Wer einmal gebackene Leberwurst gegessen hat, wird auch Haggis überstehen. Obwohl ich sagen muss, dass der Black Pudding schon eine Herausforderung war… Aber der Whisky hat dabei geholfen.

Wie haben Sie in den Jahren danach den Kontakt gepflegt?
Wir haben regelmäßig miteinander kommuniziert, auch auf beruflicher Ebene. Vor den Viertelfinalspielen im Europapokal der Pokalsieger 1983 scoutete ich für seine damalige Mannschaft aus Aberdeen den FC Bayern.

Der FC Aberdeen zog durch das 0:0 im Hinspiel und den 3:2-Sieg im Rückspiel ins Halbfinale ein und gewann später den Wettbewerb. Der Grundstein für die international so erfolgreiche Karriere von Alex Ferguson. Was haben Sie ihm damals verraten?
Die Bayern spielten damals noch mit Libero, anders als in England oder Schottland, wo längst mit der Viererkette agiert wurde. Ich beobachtete einige taktische Einzelheiten in der Münchener Defensive und im Spielaufbau, er konnte mit diesen Details ganz offensichtlich etwas anfangen.

>>>> Die Karriere von Alex Ferguson in Bildern!

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