13.10.2011

Eckhard Krautzun über Kenia, China und eine Gottheit

»Wir schufteten wie Sklaven auf einer Galeere«

Eckhard Krautzun ist ständig unterwegs. Der Fußballtrainer hat in Japan, Kenia, Tunesien oder Malaysia gearbeitet. Wir sprachen mit ihm über das aufregende Leben als Entwicklungshelfer, Evakuierungspläne in Südkorea und Kaffeetrinken mit einer Gottheit.

Interview: Gareth Joswig und Anja Konrad Bild: Imago

Sprechen wir über die frühen Jahre Ihrer Trainerkarriere. Wie kam es dazu, dass Sie bereits im Alter von 27 Trainer wurden?

Eckhard Krautzun: Zum einen hatte ich sehr großes Verletzungspech. Mein Arzt bestätigte: »Wenn sie weiter Fußball spielen, dann sind Sie bald Sportinvalide!« Zum anderen hatte ich immer schon eine Sehnsucht nach Ferne. Hinzu kam meine Begegnung mit Dettmar Cramer. Auf seine Empfehlung hin wurde ich mit nur 27 Jahren Nationaltrainer von Südkorea. Ich habe Dettmar Cramer sehr viel zu verdanken, viel von ihm gelernt. Unter ihm hatte ich meine FIFA-Lizenz erworben, bei einem sechsmonatigen Lehrgang in Kuala Lumpur in Malaysia 1972.

Gab es auch Momente, in denen Sie es bereut haben, Trainer im Ausland geworden zu sein?

Eckhard Krautzun: Bereut habe ich fast nichts. Grenzwertige Erlebnisse gab es natürlich: Einen Taifun auf den Philippinen, ein Erdbeben in Japan. In Korea habe ich zweimal einen Evakuierungsplan der deutschen Botschaft erhalten, weil dort der Ausbruch eines Krieges drohte. Wir hatten konkrete Anweisungen zur Flucht. Dem gegenüber stehen aber 100 positive Ereignisse und unschätzbare Erfahrungen.

Einer Ihrer größten internationalen Erfolge ist die Qualifikation zur WM 2002 mit der tunesischen Nationalmannschaft und der Gewinn des Afrika Pokals 1997 mit dem tunesischen Erstligisten CS Sfax. Sie sind in Tunesien ein Volksheld.

Eckhard Krautzun: Im Gebäude der tunesischen Football Federation hängt ein großes Bild von mir. Wenn ich das Land besuche, stellt man mir einen Wagen zur Verfügung. Spricht man als Deutscher in Tunesien über Fußball, wird man gefragt: »Wie geht es denn dem Eckhard Krautzun?« Es freut mich sehr, einen solchen Stellenwert im tunesischen Fußball zu haben.

Können Sie die Stimmung im Land beschreiben, nachdem sie sich erfolgreich für die WM 2002 qualifiziert hatten?

Eckhard Krautzun: Wir qualifizierten uns beim Auswärtsspiel in Zaire und ich saß wegen einer Sperre auf der Tribüne. Wir gewannen 3:0, während unser großer Rivale, die Elfenbeinküste, unentschieden spielte. Unser Rückflug wurde extra verlegt, damit die Oberen des Landes das Team am Flughafen in Tunis empfangen und beglückwünschen konnten. Es war ein fantastisches Erlebnis. Überall auf den Straßen jubelten die Leute!

Nach der erfolgreichen Qualifikation gab es Differenzen mit der Verbandsführung. Worin genau bestanden diese?

Eckhard Krautzun: Als Trainer wollte ich das Sagen über die Aufstellung behalten. Das Präsidium aber wollte, dass ich einige Spieler nicht nominiere, unter anderem meinen Kapitän und Leistungsträger Zoubaier Baya, der meine rechte Hand war. Damit war ich nicht einverstanden. Das Präsidium entschied dann, dass ein Ausländer nicht über die Köpfe der Verantwortlichen hinweg regieren könnte. Ich hätte vor der Mannschaft mein Gesicht verloren, wenn ich mich auf dieses Scharmützel eingelassen hätte.

Ihr Vertrag wurde nicht verlängert und sie saßen bei der WM 2002 nicht auf der Trainerbank. Wie hat die tunesische Öffentlichkeit reagiert?

Eckhard Krautzun: Vor allem die tunesischen Fußballfans reagierten vollkommen unverständlich, aber die Presse wurde damals von Staatschef Ben Ali kontrolliert und manipuliert. Es gab zwar leise Kritik, doch die Presse durfte nicht zu viel über diese Entscheidungen schreiben.

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