28.09.2011

Ebbsfleets Ex-Geschäftsführer über Fan-Mitbestimmung im Web

»Zum Scheitern verurteilt«

In unserer neuen Ausgabe berichten wir über Fortuna Köln und Ebbsfleet United, die einst als revolutionäre Vereine galten, weil sie den Fans Mitbestimmung übers Internet versprachen. Heute ist das Interesse gering. Wir sprachen mit Ebbsfleets ehemaligem Geschäftsführer.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Roly Edwards war Geschäftsführer von Ebbsfleet United, als das Projekt von myfootballclub startete. Nur ein Jahr später erklärte er seinen Rücktritt.

Roly Edwards, ist die Idee vom fangesteueren Verein bei Ebbsfleet gescheitert?

Roly Edwards: Ja. Man muss sich einmal anschauen, wie Trainer Liam Daish momentan  sein Team zusammenstellen muss. Das Geld ist überall knapp, Liam hat den kleinsten Etat in der ganzen Liga. Wir haben überhaupt nicht die Infrastruktur und das Geld, um uns in der National Conference League zu halten. Auf lange Sicht geht der Klub ein enormes hohes finanzielles Risiko ein. Daher ist das Projekt aus meiner Sicht gescheitert.

Hinzu kommt der enorme Mitgliederschwund.

Roly Edwards: Die Zahlen sind von 30.000 auf etwa 1400 zurück gegangen. Und mit dem verbliebenem Geld finanziert man nur noch die Webseite, nicht den Fußballklub. Kein Verein der Welt kann sich nur von Mitgliedsbeiträgen am Leben halten, es bedarf auch des Geldes Einzelner und von Sponsoren. Doch gerade das Sponsorengeld ist knapp. Sportlich ist die Lage auch angespannt. Aufgestiegen sind sie meiner Meinung nach nur, weil Liam Daish ein so brillanter Trainer ist.

Wie hält sich der Klub denn überhaupt über Wasser?

Roly Edwards: Der Chairman Sonsora hat viel Geld reingepumpt, um die Gehälter zu bezahlen. Doch diese Quelle aus der Privatschatulle wird irgendwann versiegen. Das hat keine Zukunft. Fans wollen jetzt sogar noch mehr dazugeben. Diejenigen, die jetzt noch geblieben sind, sind eben mit vollem Herzen dabei. Doch allein auf die Beitragszahlungen kann man einen Klub nicht stützen.

Warum haben Sie den Klub verlassen?

Roly Edwards: Ich konnte nicht mehr hinnehmen, was im Klub vorging. Da kamen Leute an, die meinten, nun großen Einfluss nehmen zu können. Die haben sich aufgeführt wie die Könige. Die waren total realitätsfern, was Finanzen oder Transfers anging. Um es klar zu sagen: Eine Gruppe von Einzelnen am Computer kann nicht einen Fußballverein führen. Sie haben nicht die Weitsicht oder die Detailkenntnis, die man dazu braucht.

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