24.09.2011

Ebbe Sand über die Vier-Minuten-Meisterschaft

»Hätte es den Leuten so gegönnt«

2000/01 spielte Schalkes Ebbe Sand die Saison seines Lebens. Für die Reportage »Die Zerbrechlichkeit des Glücks« in unserer Spezial-Ausgabe »Das waren die Nuller« sprachen wir mit ihm über die tragische Vier-Minuten-Meisterschaft.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Ebbe Sand, schwimmen Sie im Schwimmbad eigentlich meist am Rand?

Ebbe Sand: Wie bitte?

Das ist nur eine von gefühlten 800 Strophen aus dem Ebbe Sand-Lied der Schalker Fans.

Ebbe Sand: Achso, ja klar. Das kenne ich, meine Kinder haben die CD zu Hause und tanzen manchmal dazu durch die Wohnung. Dabei sind manche Strophen ja nicht unbedingt jugendfrei. Ich bin sehr stolz, dass die Schalker Fans mir dieses Lied gewidmet haben. Wobei ich auch sagen muss, dass es natürlich daran liegt, dass sich auf meinen Nachnamen sehr viele deutsche Wörter reimen.



Das Lied muss wohl in der Saison 2000/01 entstanden sein, als Sie zusammen mit Emile Mpenza eines der besten Sturmduos der Schalker Vereinsgeschichte gebildet haben.

Ebbe Sand: Das war eine Wahnsinnssaison. Emile kam ein halbes Jahr zuvor zu uns und ich habe schon nach dem ersten Training mit ihm gespürt: Das passt. So etwas kann man nicht erklären. Der eine wusste, wo der andere hinläuft. Wenn ich auf meine Laufbahn zurückblicke, da war dieses blinde Verständnis mit Emile außergewöhnlich. Und das, obwohl wir außerhalb des Platzes so unterschiedlich waren wie es nur geht.

Emile Mpenza schoss 13 Tore, Sie wurden mit 22 Treffern Torschützenkönig. Beim Spiel in München haben Sie gar drei Tore gemacht und Emile Mpenza alle drei vorbereitet.

Ebbe Sand: Wir gewannen 3:1, obwohl wir nach nur drei Minuten 0:1 hinten gelegen hatten – in München! Es zeigte den Charakter unserer Mannschaft, dass wir dann auf diese Art und Weise zurückgekommen sind. Für mich persönlich war es ein Erlebnis: Wann schießt man schon einmal drei Tore in München? Aber man darf auch die anderen nicht vergessen. Sei es Andi Möller hinter den Spitzen, Asa (Gerald Asamoah, d. Red.) oder Radek (Radoslav Latal, d. Red.) auf rechts, Jörg Böhme auf links und so weiter.

War das Spiel in München für Sie das Highlight dieser Saison?

Ebbe Sand: Ich finde, dass man das nicht so genau sagen kann. Wir hatten so viele tolle Spiele. Das Hinspiel gegen Bayern gewannen wir 3:2, in Berlin – einem damaligen Konkurrent – siegten wir 4:0 und nicht zuletzt mit dem gleichen Ergebnis in Dortmund. Beim Erzrivalen so hoch zu gewinnen, das war ein absoluter Traum.

Trösten diese tollen Spiele etwas über die verlorene Meisterschaft hinweg?

Ebbe Sand: Wir haben sehr schönen Fußball gespielt. Damals hat jeder gesagt, dass wir den Titel allein durch unsere Spielweise verdient hätten. Für mich persönlich war es die beste Spielzeit meiner Laufbahn, und doch hat das letzte Stück gefehlt. Viele haben versucht, uns zu trösten, doch ich sage: Im Fußball geht es um Titel. Den Pokal haben wir geholt, die Schale aber eben nicht.

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