Dynamo-Fan Jens Genschmar über den Namensverkauf

»Das Herz findet es furchtbar«

Dynamo Dresden hat ein Stück Tradition verkauft: Das frisch erbaute »Rudolf-Harbig-Stadion« heißt ab sofort nach einem Anbieter für Gas. Jens Genschmar vom Dynamo-Museum über Herzensangelegenheiten und 601 Flaschenöffner. Dynamo-Fan Jens Genschmar über den Namensverkauf

Jens Genschmar, wie heißt das Stadion, in dem am Wochenende Dynamo Dresden Eintracht Braunschweig empfängt?

Dynamo-Stadion.

Aber Sie wissen schon, dass Dynamo die Namensrechte am vergangenen Freitag an die goldgas SL GmbH verkauft hat? Auf der Vereinshomepage steht »Dynamo spielt ab sofort im ´glücksgas stadion´«.

Mag sein, aber für uns wird es eben immer das »Dynamo-Stadion« bleiben. Hier haben wir die goldenen Zeiten in den Siebzigern erlebt, hier ist der Verein erst groß geworden.

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Offiziell hieß das Stadion ab 1990 allerdings »Rudolf-Harbig-Stadion«. Haben Sie etwas gegen diesen Namen?

Ganz und gar nicht. Wer gerne ins »Rudolf-Harbig-Stadion« gehen möchte, der hat meinen Segen. Aber die alte Fangeneration wird vermutlich immer vom »Dynamo-Stadion« sprechen.

Stimmt es, dass der Verein den Fans versprochen hat, den Namen des Stadions nie verkaufen zu wollen?

Nein, das hat niemand versprochen. Vielleicht haben wir es gehofft, aber der Klub hat sein Wort nicht gebrochen. Als das neue Stadion 2009 eröffnet wurde, hat die Tochter von Rudolf Harbig eine Rede gehalten. Sie würde sich wünschen, wenn der Name dieser Stätte nie verkauft werden würde, aber man könne ja den Lauf der Dinge nicht ändern. Jetzt ist es also passiert.

Sie scheinen den Namenswechsel recht locker zu nehmen.

Für mich macht es ehrlich gesagt keinen Unterschied, ob sich Playmobil, goldgas oder Coca Cola den Namen erkauft, für die Fans wird sich nichts ändern. Die Heimspiele von Dynamo finden im Dynamo-Stadion statt. Genauso, wie die Fans vom HSV weiter in den Volkspark gehen werden.

Sie saßen lange Zeit im Aufsichtsrat von Dynamo – können Sie die wirtschaftlichen Gründe für den Verkauf nachvollziehen?

Sicher. Dynamo Dresden hat große Pläne im Profifußball und die lassen sich nur mit Geld finanzieren. Wir Fans träumen seit Jahren von den großen Zielen, und wollen unseren Verein möglichst bald in der zweiten oder ersten Liga spielen sehen. Dafür braucht der Klub Geld, die goldgas GmbH zahlt Geld – so läuft das eben. Mein Herz findet das ganz furchtbar, aber mein Kopf sagt, dass der Verein eine richtige Entscheidung getroffen hat.

Vor mehr als einem Jahr wurde das neue Stadion in Dresden eingeweiht. Sind Sie eigentlich zufrieden mit dem neuen Wohnzimmer?

Absolut. Das Stadion ist unsere Basis, unser Heimathafen für den zukünftigen Erfolg. Wer in der Gegenwart im Profifußball erfolgreich sein will, braucht ein modernes Stadion. Das haben wir jetzt. Fehlt nur noch der Erfolg.

Sie leiten das Dynamo-Dresden-Museum – welche Teile des alten Stadions konnten Sie vor dem Abriss retten?

Den Schriftzug »Rudolf-Harbig-Stadion« habe ich rechtzeitig abmontieren dürfen. Fachkundig ausgebessert, hängen die Buchstaben nun in unserem Fanshop. Und aus einem zwei Quadratmeter großen Metallstück der legendären Giraffen-Flutlichtmasten haben wir 601 Flaschenöffner herstellen lassen, die dann für den guten Zweck versteigert wurden. Außerdem steht neben dem neuen Stadion noch die alte Anzeigentafel, nach dem Abriss hielt sich niemand für die Entsorgung zuständig, jetzt haben wir noch ein Stück Vergangenheit gleich neben der Moderne. Das ist doch auch schön.

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