04.11.2011

Dynamo-Dresden-Fanprojektler Christian Kabs

»Unsere Szene hat sich gebessert«

Weil Fans von Dynamo Dresden beim Pokalspiel in Dortmund für Spielunterbrechungen sorgten, droht dem Klub jetzt eine einjährige Pokal-Sperre. Christian Kabs vom Dresdener Fanprojekt über Outlaws, 400 Gewalttäter und einen nahezu irreparablen Imageschaden.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Christian Kabs, ist Dynamo Dresden ein Hort für Schläger und Randalierer?

Christian Kabs: Natürlich nicht. Nach den Vorfällen von Dortmund ist dieser Eindruck allerdings bei einigen Zuschauern im Stadion und vor dem Fernseher entstanden.

Was ist beim Pokalspiel genau passiert?

Christian Kabs: Es ging ja schon vor dem Spiel los. Der Marsch vom Gästeparkplatz bis ins Stadion war bereits Wochen vorher in unserer Fanszene angekündigt worden, über 4000 Dynamo-Fans haben sich dann auch ein paar Stunden vor dem Anpfiff dort friedlich getroffen und sind dann zur verabredeten Zeit gemeinsam losmarschiert.



Wann haben Sie gemerkt: Jetzt läuft das aus dem Ruder?

Christian Kabs: Die sehr vielen Böllerwürfe fand ich irritierend. Die sind in unserer aktiven Szene eigentlich seit Jahren verpönt. Da wusste ich: Hier sind eine ganze Menge Typen mit dabei, die die positive Entwicklung in unserer Fanszene in den vergangenen Jahren nicht mitbekommen haben. Vor dem Stadion kam es dann zu den ersten Scharmützeln. Obwohl diese Partie als Sicherheitsspiel eingestuft worden war, gab es in Dortmund keine Fantrennung. Unser Zug führte also direkt an den Fans vom BVB vorbei. Den ersten Rangeleien folgten Böller- und Pyrowürfe, dann der Einsatz der Polizei mit Pfefferspray und daraufhin Flaschenwürfe aus dem Dynamo-Fanmarsch.

Das Spiel musste deshalb später angepfiffen werden, der übertragene Sender sprach davon, Dresdener hätten versucht, das Stadion gewaltsam zu stürmen.

Christian Kabs: Das ist so nicht richtig. Aufgrund des Polizeieinsatzes wurden zunächst alle Zugänge zum Stadion versperrt, ein paar Dynamos haben dann versucht, trotzdem ins Stadion zu gelangen. Wir vom Fanprojekt haben die beiden Vorsänger der Fanszene gebeten, die Masse zu beruhigen und die Jungs haben auch einen tollen Job gemacht. Durch deren Einsatz, der insgesamt circa eine Stunde andauerte, hat sich die Situation vor dem Einlass relativ schnell entspannt, so dass die Stadiontore für die Dynamo-Fans relativ zügig wieder geöffnet werden konnten. Aber dass, wie berichtet, 4000 Dresdener versucht hätten, das Westfalenstadion zu entern, ist einfach nicht richtig.

Insgesamt waren 12.000 Dresden-Fans im Stadion. Davon wären 4000, so hieß es später, gewaltbereit gewesen. Stimmt die Zahl?

Christian Kabs: Nein, das wäre ja eine ungeheure Zahl. Ich denke, an diesem Tag waren etwa 400 gewaltbereite »Fans« mit dabei.

Die dann im Stadion weiter ihr Unwesen treiben durften.

Christian Kabs: Leider ja. Allerdings muss man dazu sagen, dass die Einlasskontrollen vor dem Spiel extrem lasch waren. Sehr viele Fans haben mir während und nach dem Spiel berichtet, wie vergleichsweise locker die Kontrollen waren. Da wurden Jungs mit einem vollgepackten Rucksack durchgewunken, ohne dass sich jemand die Mühe gemacht hätte, mal in den Rucksack zu schauen. Das ist natürlich keine Entschuldigung, aber vielleicht eine Erklärung dafür, warum so viel Pyro gezündet werden konnte.

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