11.05.2012

Düsseldorf-Präsident Peter Frymuth im Interview

»Fortuna war ein Schimpfwort in Düsseldorf«

Der Vorstandsvorsitzende von Fortuna Düsseldorf, Peter Frymuth steht wie kein anderer für eine demütige Klubführung, die alle rheinischen Untugenden über Bord geworfen hat. Ein Gespräch über seinen einstigen Jugendspieler Michael Preetz und wertvolle Promi-Fans.

Interview: Thorsten Schaar Bild: Imago

Peter Frymuth, wo haben Sie am Samstag das Spiel von Hertha BSC Berlin verfolgt?
Zu Hause im Fernsehen. Es gab bei Sky die Möglichkeit, die Option »Abstiegs-Konferenz« zu wählen. Ich wusste vorher gar nicht, dass es so etwas gibt.

Und hinterher klingelte das Telefon und Michael Preetz war dran?
Nicht gleich nach dem Schlusspfiff, aber zwei Stunden nach dem Spiel meldete er sich bei mir und sagte: »Ich komme morgen mit dem Trainer nach Düsseldorf.« Wir haben dann alles organisiert, damit Otto Rehhagel und er noch einen Platz finden.

Peter Frymuth, wo haben Sie am Samstag das Spiel von Hertha BSC Berlin verfolgt?
Zu Hause im Fernsehen. Es gab bei Sky die Möglichkeit, die Option »Abstiegs-Konferenz« zu wählen. Ich wusste vorher gar nicht, dass es so etwas gibt.

Und hinterher klingelte das Telefon und Michael Preetz war dran?
Nicht gleich nach dem Schlusspfiff, aber zwei Stunden nach dem Spiel meldete er sich bei mir und sagte: »Ich komme morgen mit dem Trainer nach Düsseldorf.« Wir haben dann alles organisiert, damit Otto Rehhagel und er noch einen Platz finden.

Was heißt das konkret?
Wir hören nicht auf, uns für soziale Themen zu engagieren, nur weil es jetzt um die Bundesliga geht. Und wir hören weiter auf die Fans oder hören ihnen wenigstens genau zu. In der 75. Minute muss nicht unbedingt eine Werbeeinblendung kommen. Da sind wir diskussionsbereit. Im Gegensatz zu Mainz oder Köln läuft bei uns auch keine Karnevalsmusik.

Sie haben die Gitarren-lastige Stadionmusik, die sich in der 4. Liga am Flinger Broich etablierte, mit in die Multifunktionsarena hinübergerettet.
Wir wollen uns das bewahren. Es ist eine Gratwanderung, weil immer mehr Familien und Kinder dazu kommen. Früher kamen 7000 Zuschauer und der harte Kern bestand aus 3500. Inzwischen kommen regelmäßig 30.000 und wir haben 6-7000, die die Stimmung prägen. Ich sage aber: Wir müssen die Fans auf der Südtribüne weiter als Basis unserer Kultur sehen, selbst wenn wir nicht jeden Wunsch erfüllen können.

Würden Sie dem 1.FC Köln einen ähnlichen Lauf zu sich selbst empfehlen?
Wir verfolgen natürlich mit Interesse, wie es bei anderen Vereinen in NRW läuft. Und wir fragen uns: Was sollte man versuchen zu vermeiden?

Vom 1.FC Köln lernen, heißt siegen lernen?
Wir haben zumindest in den letzten Monaten genau beobachtet, dass ein solcher Verein ins Wanken kommen kann, trotz großen Zuschauerzuspruchs, trotz einer gesunden wirtschaftlichen Basis, trotz langer sportlicher Vita bei den Entscheidern. Wenn wir Fehler vermeiden können, die uns dort im letzten Jahr aufgezeigt wurden, werden wir das natürlich tun.

Die längste Serie ohne Niederlage, ein historischer Heimrekord, »Tor des Monats« von Sascha Rösler, das Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Dortmund – was waren für Sie die wichtigsten Momente dieser Saison?
Es klingt vielleicht banal, aber bei mir ist die Erinnerung an das Hinrunden-Spiel gegen Dynamo Dresden am ausgeprägtesten, mit dem 2:1-Siegtor kurz vor Schluss. Nach den ersten 45 Minuten in Fürth hätte auch keiner mehr mit einem Unentschieden gerechnet. Ebenso unvergessen ist unsere Niederlage beim Tabellenletzten Hansa Rostock, noch gar nicht so lange her. Ich habe gelernt, dass im Fußball nicht immer die großen Spiele die Entscheidung bringen.

Was ist eigentlich im Wintertrainingslager passiert, dass nur noch vier Siege aus 15 Spielen folgten?
Im Trainingslager ist nichts vorgefallen – jedenfalls nicht in der Zeit, in der ich in Marbella war. Es liegt eher daran, dass unser Kader seine Qualität in der Hinrunde aus dem Teamgeist heraus entwickelt hat. Und dass es darüber hinaus nicht gereicht hat. Für unsere besten Torschützen, Sascha Rösler und Maxi Beister, waren es allein bis zur Winterpause 22 Pflichtspiele. In der 2. Liga hat letztlich nur Fürth bis zum Ende konstant gespielt.

Der Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Ihr Innenverteidiger Assani Lukimya ist nur nicht zum 1.FC Köln gewechselt, weil der Klub abgestiegen ist. Wann ist Fortuna in der Lage, solche Spieler zu halten?
Ich glaube: Wenn wir aufsteigen würden, würde sich das Problem allenfalls verlagern. In der Bundesliga würde ein herausragender Spieler dann eben von Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04 umworben. Wir haben aber am Wochenende sogleich Signale ausgesendet, dass Lukimya in Düsseldorf bleiben kann.

Sie haben gerade einen neuen Trikotsponsor präsentiert, eine Tochterfirma von Vodafone. Das Unternehmen baut bis Ende 2012 seine Firmenzentrale in Düsseldorf für 5000 Mitarbeiter. Sind die wirtschaftlichen Perspektiven erstmals seit Jahren rosig?
Wir sind seit November bilanziell schuldenfrei. Damit haben wir bereits ein Merkmal erreicht, das in der 2. Liga nicht allzu häufig anzutreffen ist. Mit dem neuen Trikotsponsor wird es möglich sein, die Fortuna weiterzuentwickeln. Wir werden aber weiter sorgfältig mit unserem Geld umgehen. Es fällt bei uns immer wieder der Satz: »...aber denkt an unsere Geschichte«.

Was hat Ihnen Günter Netzer, der die Sponsoren mit seiner Firma Infront akquiriert, noch für die Bundesliga versprochen?
Wir haben uns während dieser Saison immer wieder ausgetauscht. Er hat uns gesagt, dass für ihn zwei Faktoren eine große Rolle spielen: die sportliche Situation und die äußere Wahrnehmung. Wenn ein Weltunternehmen nun seine Marke auf unserem Trikot platziert und sich dabei gezielt auf die äußere Wahrnehmung bezieht, macht uns das stolz. Vodafone hat gesagt: Wir halten diese Partnerschaft für sinnvoll, unabhängig von der Liga.

Netzer posierte bei dem Termin mit rot-weißem Schal. Ex-Bundestrainer Berti Vogts sagte diese Woche den überraschenden Satz: »Ich bin Fortuna.« Wer ist Ihr aktueller Lieblings-Promi-Fan?
Wer uns wirklich schon lange eng verbunden ist, sind die Toten Hosen. Sie haben sich gerade auch in den schlechten Zeiten zur Fortuna bekannt. Mit ihrem Bekanntheitsgrad senden sie seit Jahrzehnten eine Botschaft aus, die eine wertvolle Hilfe für uns ist. Und als hätten sie es geahnt, klingt ihr aktueller Song »Tage wie diese« wie gemacht für die beiden Spiele gegen Hertha.

Nach einem relativ mauen 2:2 gegen zehn Duisburger wurde am Sonntag bereits der Platz gestürmt und Grasstücke herausgerissen. Soeben wurde das 10.000ste Vereinsmitglied begrüßt. In 180 Bäckereien wird es am Donnerstag den »Abstiegs-Berliner« zu kaufen geben. Warum lieben jetzt plötzlich alle in der Stadt die Fortuna?
Das war ein kontinuierlicher Prozess, der gerade seinen Hype erlebt. Es ist uns in den letzten Jahren gelungen, die Fortuna zu einem zentralen gesellschaftlichen Teil der Stadt zu machen.

Woran Sie noch arbeiten müssen, ist das Image außerhalb Düsseldorfs. Nicht nur Lieblingsfeind Frankfurt, auch Mannschaften wie Fürth oder Duisburg schienen zuletzt, sagen wir mal, maximal motiviert, und die Klubs und ihre Fans äußerten sich äußerst negativ.
Zugegeben, wir haben diese Saison eine Reizkultur auf den Sportplatz gebracht. Darauf haben sich viele gegnerische Fans eingeschossen. Bei anderen scheint es mir eher Neid zu sein. Und wenn das tatsächlich so ist, kann ich nur sagen: Neid muss man sich erarbeiten.

Andreas Lambertz hat seinen Vertrag verlängert, wäre 2014 elf Jahre bei Fortuna. Warum verkörpert der Mann, den alle »Lumpi« rufen, den Klub wie kein anderer?
Weil es im modernen Fußball nicht normal ist, dass einer nicht immer nur guckt, wo er noch hingehen kann, sondern sagt: Eigentlich bin ich hier zu Hause. Und wenn zu Hause alles in Ordnung ist – das ist wie im normalen Leben – dann bin ich auch gerne dort. Lumpi verkörpert das „Sich-wohl-fühlen“ in der Fortuna-Familie.

Norbert Meier hat im »11FREUNDE«-Interview im Frühjahr angekündigt, dass er – wenn die Fortuna aufsteigt – einen Anzug anziehen wird. Hängt das gute Stück schon für Dienstag in der Kabine?
Ich habe es noch nicht gesehen, bin aber schon hoch gespannt, wie er darin ausssehen wird. Man sieht den Trainer ja nicht allzu häufig im Anzug. Das wäre für mich – neben dem Erstligaaufstieg – ein weiterer Höhepunkt.

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