30.12.2011

Druide und Wunderheiler: Dieter Trzolek ist in Rente

»Der Che Guevara der Bundesliga«

Sie nennen ihn »Miraculix«, »Wunderheiler« oder »Druide«. Dieter Trzolek ist der bekannteste Physiotherapeut der Bundesliga. Heute endet seine 36-jährige Karriere. Wir sprachen mit ihm über Haifischknochenpulver und Schwachköpfe aus Köln.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Niemals geht man so ganz. Das bleibt bei Dieter Trzolek jedenfalls zu hoffen. Mit dem 63-Jährigen beendet heute eine der kuriosesten Figuren der Bundesliga seine Karriere. Der gelernte Krankenpfleger begann Anfang der siebziger Jahre eine Ausbildung als Sport-Physiotherapeut beim DFB-Chef-Masseur Erich Deuser, später ließ er sich zum Heilpraktiker fortbilden. Als ihn 1975 Spieler der von ihm betreuten Mittelrhein-Auswahl bei Bayer Leverkusen empfahlen, lotste ihn der damalige Fußballchef Hermann Büchel zur Werkself. 2008 wechselte Trzolek überraschend zum 1. FC Köln. Heute beendet Trzolek, der 1995 auch hartnäckig von Borussia Dortmund umworben wurde, seine 36-jährige Bundesligakarriere. Sein Motto: »Lieber unwissenschaftlich gesund, als wissenschaftlich krank.«



Dieter Trzolek, nach 36 Jahren in der Bundesliga haben Sie nun Ihren Abschied vom Fußball erklärt. Heute ist Ihr letzter Tag. Schon Pläne für die Rente?

Rente ist noch lange nicht! In Burscheid leite ich gemeinsam mit Reiner Calmunds Sohn das »Institut für Leistungsoptimierung in Management und Sport«. Ich habe genug zu tun.

Wurden Sie denn schon anständig verabschiedet?

Natürlich. Ich habe eine hübsche Fotocollage und eine DVD mit Abschiedsgrüßen der Bundesligatrainer bekommen. Sehr nett.

Die Bundesliga ohne den »Druiden« und »Medizinmann« Dieter Trzolek – geht das überhaupt?

Nach 36 Jahren muss auch mal Schluss sein. Nicht dass ich am Ende so blind bin, dass ich die falschen Spieler behandele. Ich wollte meine Karriere im Fußball ohne Schmerzensgeldklagen beenden.

Stattdessen waren Sie bei Ihren Spielern beliebt wie kein anderer. Woher kam diese Zuneigung?

Vom Alter her hätte ich ja der Vater dieser jungen Burschen sein können. Und Fußballer sind meistens Sensibelchen: Heute wie damals sind sie gar nicht so hart, wie sie sich nach außen hin verkaufen. Stattdessen sind sie dankbar, wenn sie mal jemand in den Arm nimmt. Ich habe jedenfalls keinen Fußballer erlebt, dem alle Probleme scheißegal waren.

Einige Spieler sollen Sie sogar »Papa« genannt haben.

Das stimmt. Und ich empfinde das als nette Geste, wenn die Spieler ausgerechnet mich als Vaterfigur auswählen. Das war übrigens in Köln nicht anders als in Leverkusen.

Dann müssen Sie ziemlich enttäuscht gewesen sein, als im November 2009 die damaligen Kölner Daniel Brosinski und Marvin Matip via Facebook über Ihre Methoden lästerten.

Das war eine Aktion von Schwachköpfen, die in ihrem Leben noch nichts erreicht haben und schon längst nicht mehr in Köln spielen. Darüber will ich mir nicht den Kopf zerbrechen.

Ganz anders soll Ihr Verhältnis zu Andreas »Zecke« Neuendorf sein.

Der hat mir zu seligen Leverkusener Zeiten sogar mal zum Vatertag ein Geschenk überreicht. Ein verrückter Hund. Wissen Sie eigentlich, dass er seinen Spitznamen von mir hat?

Erzählen Sie!

Nach einem Waldlauf kam er zu mir: »Schau mal, Tscholli, ich habe da so einen langen roten Strich. Der juckt!« »Kein Wunder«, sagte ich, »da hat dich eine Zecke gebissen.« Und seitdem hat er diesen Spitznamen.

Später malte Neuendorf gar ein paar Bilder, um sich »Zecke« als Künstlernamen in den Personalausweis eintragen zu lassen. Hat er Ihnen je eines seiner Bilder geschenkt?

Gott bewahre! Die Dinger hat er wirklich nur gemalt, um endlich seinen Spitznamen aufs Trikot drucken zu können. Mit Kunst hat das nicht viel zu tun...

Sie haben die Fußball-Welt mit Ihren außergewöhnlichen Methoden häufig schockiert. Wie oft sind Sie in all den Jahren auf Widerstände gestoßen?

Man hat mich schon so häufig für bekloppt erklärt, dass mir das nichts mehr ausmacht. 1986 habe ich bei Bayer Leverkusen das erste Kaltwasserbecken der Bundesliga installieren lassen, und man hielt mich für verrückt. Heute steht so ein Ding bei jedem halbwegs anständigen Profiklub in der Kabine. So war es immer: Erst wurde ich belächelt, dann ahmte man mich nach.

Dann sind Sie so etwas wie der Che Guevara der Bundesliga? Ein Revolutionär der Sportmedizin?

Das bin ich sogar ganz sicher! Vor mir hat jedenfalls niemand in Deutschland Blutergüsse mit Blutegeln behandelt. Oder Erkältungen mit Zwiebelsocken bekämpft. Oder Fußpilz mit Backpulver kuriert.

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