Dresdens Trainer Maucksch im Interview

»Wir haben die Ikonen«

Ab heute im Handel: Die neue Ausgabe von 11FREUNDE. Für die Reportage »Letzte Ausfahrt Dresden« reisten unsere Redakteure Tim Jürgens und Jens Kirschneck nach Elbflorenz und sprachen u.a. mit Dynamo-Trainer Matthias Maucksch. Wie Dynamo Dresden die Zukunft plant
Heft#112 03/2011
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Matthias Maucksch, Dynamo Dresden haftet aufgrund seiner zahlosen Turbulenzen in den zurückliegenden jahren das Image des Chaosclubs an. Mit ihnen als Trainer und dem langjährigen Spieler Volker Oppitz als Geschäftsführer soll dieser Ruf nun endlich korrigiert werden. Wie gut klappt es?

Matthias Maucksch: Wir geben uns auf jeden Fall Mühe. Der Verein ist in dem Dilemma, das er hohe Altschulden abtragen muss. Als Trainer versuche ich für den sportlichen Bereich die besten Spieler und Trainingsbedingungen zu schaffen. Das ist aber aufgrund der finanziellen Situation nur schwer möglich.

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Was nervt Sie aufgrund der Situation gegenwärtig am meisten?

Matthias Maucksch: Ich muss darauf bedacht sein, dass Spieler schnellstmöglich in der Mannschaft integriert werden. Aber wir können manchen nur einen Vertrag für ein halbes Jahr geben, so dass echte Konstanz kaum möglich ist.

Sie haben Dani Schahin von Greuther Fürth für ein halbes Jahr ausgeliehen. 14 Verträge laufen zum Saisonende aus. Welches Ziel kann man als Trainer da haben?

Matthias Maucksch: Wenn wir nicht schleunigst zu Entscheidungen finden, kann das Ziel nächste Saison nur »Klassenerhalt« heißen. Eigentlich müssten wir schleunigst ein Gros des Kaders vertraglich binden und durch zwei, drei gezielte Verstärkungen die Qualität erhöhen, nur dann könnten wir auch andere Ziele formulieren.

Dixie Dörner war Ihnen bis Ende 2010 als Teammanager an die Seite gestellt worden. Was hat seine Verpflichtung konkret bewirkt?

Matthias Maucksch: Generell helfen Personen wie er dem Verein, da sie über viele Jahre Dynamo nach vorn gebracht haben und eine Verbundenheit zu dem Klub schaffen. Andere Vereine wären froh, wenn sie solche Ikonen zur Verfügung hätten, um mit denen hausieren gehen zu können. Beispiel: Wolfsburg. Die kaufen für viel Geld Stefan Effenberg oder Diego ein, um eine Identität zu schaffen. Identität, die Dörner für den Klub längst besitzt.

Nicht jeder Trainer findet es gut, wenn er einen Altvorderen an die Seite gestellt bekommt.

Matthias Maucksch: Da gab es überhaupt keine Probleme. Dixie Dörner ist ein intelligenter Mann, der über Trainererfahrung verfügt und auch weiß, wie die Dinge in diesem Geschäft laufen. Und er hat den Blick von außen, der durchaus hilfreich ist, wenn es um sportliche Fragen in einer wirtschaftlich schwierigen Situation geht. Sein Wort hat mir bei einigen Personalentscheidungen zu deutlich mehr Durchschlagskraft verholfen.

Geschäftsführer Volker Oppitz war unter Ihnen auch noch Spieler von Dynamo. Wie gestaltet sich Ihr Verhältnis zu ihm?

Matthias Maucksch: Als Spieler habe ich ihn als sehr intelligenten Menschen kennen gelernt, der seinen Job zuverlässig und seriös erledigt. So macht er jetzt auch den Job als Geschäftsführer. Allerdings leben wir in einer schnellebigen Zeit, vor allem im Berufsfußball.


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Können Sie etwas konkreter sprechen?

Matthias Maucksch: Ein Fußballverein definiert sich über sportlichen Erfolg. Zumindest sollte bei allem wirtschaftlichen Denken der Sport im Vordergrund stehen. Wenn man also erfährt, dass ein guter Spieler aus einer höheren Liga bei seinem Klub unzufrieden ist und dieser bereit ist, nach Dresden zu kommen und die Qualität im Kader erhöht, sollten wir schnellstmöglich versuchen den Rahmen zu schaffen, um einen Vertrag zu Stande bringen.

Dauert das bei Ihnen denn zu lange?

Matthias Maucksch: Aus meiner Sicht als Trainer wird manches momentan allein aus der wirtschaftlichen Perspeltive gesehen. Beispiel: Dani Schahin, der nur für ein halbes Jahr an uns ausgeliehen worden ist. Mit ihm habe ich auch über langfristige Lösungen gesprochen. Greuther Fürth war bereit, das seinige zu diesem Transfer dazu zu tun.

Sprich: Geld dazu zu schießen.

Matthias Maucksch: Leider hat sich von unserer Seite in Fürth eine Zeit lang niemand aktiv gemeldet. Dabei stand ich die ganze Zeit mit dem Spieler in Kontakt. Es war nicht einfach, ihn aus der zweiten Liga als U20-Nationalspieler nach Dresden zu holen. Deswegen war ich froh, dass er uns eine Zusage erteilt hat. Leider hat man zuviel Zeit ins Land gehen lassen, um noch mehr möglich zu machen. Natürlich ist  mir bewusst, dass ein Trainer immer den besten Kader haben will und die Verantwortlichen des Vereines hingegen die wirtschaftliche Machbarkeit klären müssen. Diese Problemstellung gibt es nicht nur bei uns.

Welche Rolle spielt Reiner Calmund als Berater?

Matthias Maucksch: Wenn er hier ist, läuft es so wie man sich das vorstellt. Er hat verinnerlicht, dass die Schnellen die Langsamen fressen. Aber leider ist er hier nur als Berater tätig und nicht in offizieller Funktion.

Die Zukunft des Vereins hängt davon ab, ob die Stadt mittelfristig mehr Geld zur horrenden Stadionmiete von 2,4 Millionen Euro jährlich zuschießt. Unter welchen Voraussetzungen ist ein Aufstieg in die zweite Liga für Dynamo überhaupt denkbar?

Matthias Maucksch: Zunächst ist festzustellen, dass es hier nicht um einen Zuschuss für Dynamo geht, sondern dass der Verein lediglich verlangt, dass für das Stadion eine angemessene Miete verlangt wird. Dies ist gegenwärtig eben nicht der Fall. Dann müssten wir mit den jetzigen Leistungsträgern schnellstmöglich die Verträge verlängern, um auch ein Zeichen für neue Spieler zu setzen. Das wäre auch für neue Transfers ein Zeichen, dass wir hier höhere Ziele anstreben und den Spielern eine Perspektiven bieten. Kurz: Wir brauchen sportlich einfach mehr Kontinuität.

Der Vertrag von Top-Star Alexander Esswein läuft immerhin noch eineinhalb Jahre?

Matthias Maucksch: Aber er könnte am Ende der Saison wechseln, wenn ein Angebot aus der zweiten Liga käme.

Es könnte also passieren, dass Sie am Ende der Saison mit fünf, sechs Reservespielern auf dem Traininsplatz stehen.

Matthias Maucksch: Da sehen Sie, was für Probleme man als Trainer haben kann. Trotzdem bleibe ich optimistisch. Es bringt ja nichts, wenn ich vor der Truppe stehe und sage: »Alles scheiße«. Natürlich kann man kurzzeitig die Spieler über die Motivation zu besonderen Leistungen anstacheln – aber über eine gesamte Saison muss auch Qualität vorhanden sein.

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