Dragoslav Stepanovic über das DFB-Pokalfinale 1993

»Sie spielten Dixiland«

Dragoslav Stepanovic brauchte 1993 nur ein Spiel, um mit Bayer Leverkusen den DFB-Pokal zu gewinnen. Hier erinnert er sich an eine denkwürdige Pokal-Saison, den »Zehn-Prozent-Pokalsieger« und Dixieland in der Kabine. Best of 2011: Dragoslav Stepanovic über das DFB-Pokalfinale 1993

Dragoslav Stepanovic, fühlen Sie sich als Pokalsieger? Schließlich gewannen Sie 1993 nur eins von sieben Spielen mit Bayer Leverkusen...

Dragoslav Stepanovic: Im Fußball gibt es kein »verdient oder nicht verdient«. Im Grunde bin ich kein Pokalsieger, da ich in der Saison 1992/1993 als Coach von Eintracht Frankfurt bereits das Halbfinale verloren hatte. Durch eine besondere Konstellation landete ich aber bei Bayer. Und somit im Finale. Und wer ein Finale gewinnt, sollte sich auch Pokalsieger nennen dürfen. Einen »Zehn-Prozent-Pokalsieger« gibt es nicht!

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»Besondere Konstellation«?

Dragoslav Stepanovic: Im Winter 1992 unterschrieb ich einen Vorvertrag bei Bayer Leverkusen für die neue Saison. Zu dieser Zeit trainierte ich allerdings noch Eintracht Frankfurt. Im Pokal-Halbfinale traf ich mit der Eintracht ausgerechnet auf Bayer: Wir verloren 0:3, und ich trat zurück. Als schließlich Bayer in der Bundesliga immer weiter abrutschte, bat mich der damalige Manager Reiner Calmund, schon ab Mai 1993 zu übernehmen. Das beinhaltete eben auch, dass ich die Mannschaft beim Finale in Berlin betreute.

Ist Ihre damalige Situation mit der aktuellen Lage von Schalke-Trainer Ralf Rangnick zu vergleichen? Auch er wechselte kurz vor dem Pokalendspiel zu einem der Finalisten.

Dragoslav Stepanovic: Ralf Rangnick ist in einer sehr unangenehmen Position. Er muss gegen den MSV Duisburg das beenden, was Felix Magath erfolgreich begonnen hat. Ich kenne das: Reinhard Saftig führte Bayer Leverkusen 1993 in das Pokalfinale, bei dem letztendlich ich auf der Bank saß. Aber: Nur ein Spiel zu gewinnen ist wahnsinnig schwer.

Insbesondere gegen unterklassige Vereine?

Dragoslav Stepanovic: Auf jeden Fall. Duisburg hat nichts zu verlieren, denen gehen seit Wochen die Spieler aus. Eine Überraschung ist aber immer möglich.

Wie groß ist die Angst, sich als klarer Favorit zu blamieren?

Dragoslav Stepanovic: Riesig. Bayer und ich hätten alles verlieren können. Die Mannschaft der Hertha BSC-Amateure schleuste ein Dixiland-Orchester mit in die Kabine. Die machten mit einer Trompete und dem ganzen Mist einen riesigen Radau. Meine Jungs saßen nebenan und wurden kreidebleich.

Zweifelten Sie am Erfolg Ihrer Mannschaft?

Dragoslav Stepanovic: Wenn du in Berlin gegen die Hertha-Amateure antrittst und jeder im Stadion eh schon gegen dich ist, darfst du nicht in Rückstand geraten. Ein Gegentor hätte fatale Folgen gehabt. Als Ulf Kirsten das 1:0 in der 77. Minute schoss, fiel eine Zentnerlast von meinen Schultern. Ich verschwand direkt in der Kabine. Die Spieler drehten selbstverständlich mit dem Pokal eine Ehrenrunde im Olympia-Stadion und ließen es ordentlich krachen.

Warum wollten Sie nicht feiern?

Dragoslav Stepanovic: Im Vorfeld ernteten Bayer Leverkusen und ich sehr viel Kritik dafür, dass ich sechs Wochen nach meinem Rücktritt in Frankfurt zu einem direkten Konkurrenten gewechselt habe. Deswegen war ich vorsichtig. Zur Erinnerung ließ ich am Anfang der neuen Saison aber ein Foto von mir und dem DFB-Pokal knipsen.

Dragoslav Stepanovic, wer gewinnt heute Abend das Finale zwischen Schalke 04 und dem MSV Duisburg?

Dragoslav Stepanovic: Die Schalker stehen nach den letzten erfolglosen Spielen unter enormem Druck. Die Mannschaft muss nach dem Hick-Hack um Felix Magath, an dem sie nicht ganz unschuldig ist, Kopf und Kragen riskieren. Und retten, was noch zu retten ist. Das Selbstbewusstsein aus Mailand gehört längst der Vergangenheit an. Ich gehe aber davon aus, dass die Schalker gewinnen.


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