Dortmunds Julian Koch über seine schwere Verletzung

»Ich hätte mein Bein verlieren können«

Als Leihspieler von Borussia Dortmund galt Duisburgs Julian Koch als großer Aufsteiger der Zweitligasaison 2010/11. Dann verletzte er sich schwer, zwischenzeitlich drohte gar eine Beinamputation. Jetzt hat er die Krücken zur Seite gelegt. Wir sprachen mit ihm. Dortmunds Julian Koch über seine schwere VerletzungImago

Julian Koch, wie geht es Ihnen?

Julian Koch: Besten Dank, alles läuft nach Plan. Ich laufe seit dieser Woche ohne Krücken und kann langsam sogar wieder Fahrrad fahren. 

Im Februar 2011 verletzten Sie sich beim Bundesligaspiel mit dem MSV Duisburg gegen RW Oberhausen schwer. In den Medien sprach man zunächst von einem Kreuzbandriss. Wie sich herausstellte, drohte Ihnen sogar eine Beinamputation. Was ereignete sich in den Tagen nach der Verletzung?

Julian Koch: Nach dem Spiel hatte ich zwar Schmerzen, aber es war keine Schwellung zu sehen. Am nächsten Nachmittag stand der Kernspintermin an, ich hatte aber morgens bereits derartige Schmerzen und dass Knie war enorm dick, so dass ich direkt ins Krankenhaus gefahren bin. Dort wurde ein Kompartment-Syndrom diagnostiziert. Ich dachte: Okay, sagt mir nichts, dann operieren wir das eben. Um was es sich dabei genau handelt und was das letztendlich für mich bedeuten würde, wurde mir erst in den nächsten Tagen klar. 

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Was muss man sich unter einem Kompartment-Syndrom vorstellen?

Julian Koch: Das Gewebe schwillt an und durch den erhöhten Druck wird die Durchblutung gestört. Wenn das nicht schnell genug behandelt wird, stirbt die Muskulatur und das Gewebe ab. Das Bein muss amputiert werden. Es hätte tragisch enden können, wenn ich einige Stunden später zur Behandlung gekommen wäre. 

Wir haben diese Verletzung mal bei Wikipedia nachgeschlagen. Dort gibt es Fotos, die nichts für zart besaitete Gemüter sind. Sah Ihr Bein auch so aus?

Julian Koch: Ich habe mir diese Bilder auch angeschaut. Mein Bein ist nicht aufgeplatzt, wie auf diesen Fotos. Bei mir wurde alles rechtzeitig erkannt, der Druck konnte durch gezielte Schnitte entlastet werden. Geblieben sind lediglich zwei Narben.  

Wie kann es in der heutigen Zeit zu einem solchen Vorfall kommen?

Julian Koch: Es wurden von medizinischer Seite keine Fehler gemacht. Nach dem Spiel war ja noch nichts zu erkennen. Der ganze Druck hat sich während der Nacht nach dem Spiel angestaut. Am nächsten Morgen war ich dann sehr gut beraten, sofort ins Krankenhaus zu fahren. 

Wie häufig kommt diese Verletzung im Profifußball vor?

Julian Koch: Mir sind nur sehr wenige Fälle bekannt. Christian Ziege hatte damit große Probleme, als er für Tottenham Hotspurs spielte. Grundsätzlich ist das eine sehr seltene Verletzung.

  

Was ging Ihnen in diesen Tagen durch den Kopf?

Julian Koch: Zunächst war da der Schock, dass ich mein Bein hätte verlieren können. Als das Kompartment-Syndrom diagnostiziert wurde, wusste ich aber noch nicht, was am Knie sonst noch so alles kaputt ist, weil durch die Schwellung keine weiteren Untersuchungen gemacht werden konnten. Etwa zwei Wochen später stellte sich dann heraus, dass auch das Kreuzband und das Außenband gerissen waren. Ich war richtig fertig und habe mir in dieser Situation viele Gedanken gemacht. Natürlich gab es auch ernsthafte Bedenken, ob ich jemals wieder Fußball spielen kann. Die letzten Monate haben mir aber gezeigt, dass die Aussichten sehr gut sind. Der Heilungsprozess verläuft zur großen Zufriedenheit der Ärzte. 

Wenige Tage später zogen ihre Mannschaftskameraden gegen Cottbus ins DFB-Pokalfinale ein. Sie trugen T-Shirts mit der Aufschrift »Alles Gute, Jule«.

Julian Koch: Eine schöne Geste, die ich vom Krankenbett aus gesehen habe. Es tat aber auch sehr weh, nicht spielen zu können. 

Wie war der Kontakt zu Borussia Dortmund, ihrem eigentlichen Arbeitgeber?

Julian Koch: Als ich für ein Jahr nach Duisburg verliehen wurde, hat mich der BVB intensiv beobachtet. Im Krankenhaus kamen dann Michael Zorc und Nuri Sahin vorbei und haben mir Blumensträuße gebracht.  

Ihre Verletzung war umso tragischer, weil Sie gerade einen kometenhaften Aufstieg hinlegten. In der Saison 2010/11 wurden Sie im »kicker« als notenbester Abwehrspieler der Zweiten Liga geführt, zogen mit Duisburg bis ins DFB-Pokalfinale ein und debütierten in der U21. Wie haben Sie die Saison erlebt?

Julian Koch: Zuvor hatte ich für Borussia Dortmunds U23 hauptsächlich in der Dritten Liga gespielt, also war mein Ziel, möglichst viel Spielpraxis in der Zweiten Liga zu sammeln. Die Duisburger Mannschaft wurde vor der letzten Saison aber komplett neu zusammengestellt, was für mich ein Vorteil war. Dass es so gut lief, hätte ich nicht erwartet.  

Wie wird man als 20-jähriger Neuzugang, der ohnehin nur ausgeliehen ist, Kapitän einer Mannschaft?

Julian Koch: Das frage ich mich auch hin und wieder. Ich habe in der Saisonvorbereitung richtig Gas gegeben und der Trainer, Milan Sasic, mochte wohl die Art, wie ich mich in die Mannschaft eingebracht habe. Ich war allerdings nur Vize-Kapitän, trug die Binde aber recht oft, weil sich Srdjan Baljak verletzte. 

Wie viele Stunden schuften Sie täglich in der Reha?

Julian Koch: Ich bin seit einigen Wochen wieder bei der Mannschaft auf dem Dortmunder Trainingsgelände, was sehr wichtig für mich ist. So bleibt der Kontakt bestehen und ich kann mich von der Verletzung ablenken. Während sie trainieren, mache ich etwa drei bis vier Stunden täglich meine Übungen.  

Wann haben Sie das Comeback eingeplant?

Julian Koch: Das nächste Ziel für mich sind Laufeinheiten. Meine Ausdauer ist mittlerweile gleich null. In fünf bis sechs Wochen wäre das realistisch. Gegen Februar würde ich dann wieder gerne ins Mannschaftstraining einsteigen. Wenn ich noch ein paar Minuten in dieser Saison bekommen würde, wäre das fantastisch.

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