24.09.2011

Dortmunds Julian Koch über seine schwere Verletzung

»Ich hätte mein Bein verlieren können«

Als Leihspieler von Borussia Dortmund galt Duisburgs Julian Koch als großer Aufsteiger der Zweitligasaison 2010/11. Dann verletzte er sich schwer, zwischenzeitlich drohte gar eine Beinamputation. Jetzt hat er die Krücken zur Seite gelegt. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Karol Herrmann Bild: Imago
Julian Koch, wie geht es Ihnen?

Julian Koch: Besten Dank, alles läuft nach Plan. Ich laufe seit dieser Woche ohne Krücken und kann langsam sogar wieder Fahrrad fahren. 

Im Februar 2011 verletzten Sie sich beim Bundesligaspiel mit dem MSV Duisburg gegen RW Oberhausen schwer. In den Medien sprach man zunächst von einem Kreuzbandriss. Wie sich herausstellte, drohte Ihnen sogar eine Beinamputation. Was ereignete sich in den Tagen nach der Verletzung?

Julian Koch: Nach dem Spiel hatte ich zwar Schmerzen, aber es war keine Schwellung zu sehen. Am nächsten Nachmittag stand der Kernspintermin an, ich hatte aber morgens bereits derartige Schmerzen und dass Knie war enorm dick, so dass ich direkt ins Krankenhaus gefahren bin. Dort wurde ein Kompartment-Syndrom diagnostiziert. Ich dachte: Okay, sagt mir nichts, dann operieren wir das eben. Um was es sich dabei genau handelt und was das letztendlich für mich bedeuten würde, wurde mir erst in den nächsten Tagen klar. 



Was muss man sich unter einem Kompartment-Syndrom vorstellen?

Julian Koch: Das Gewebe schwillt an und durch den erhöhten Druck wird die Durchblutung gestört. Wenn das nicht schnell genug behandelt wird, stirbt die Muskulatur und das Gewebe ab. Das Bein muss amputiert werden. Es hätte tragisch enden können, wenn ich einige Stunden später zur Behandlung gekommen wäre. 

Wir haben diese Verletzung mal bei Wikipedia nachgeschlagen. Dort gibt es Fotos, die nichts für zart besaitete Gemüter sind. Sah Ihr Bein auch so aus?

Julian Koch: Ich habe mir diese Bilder auch angeschaut. Mein Bein ist nicht aufgeplatzt, wie auf diesen Fotos. Bei mir wurde alles rechtzeitig erkannt, der Druck konnte durch gezielte Schnitte entlastet werden. Geblieben sind lediglich zwei Narben.  

Wie kann es in der heutigen Zeit zu einem solchen Vorfall kommen?

Julian Koch: Es wurden von medizinischer Seite keine Fehler gemacht. Nach dem Spiel war ja noch nichts zu erkennen. Der ganze Druck hat sich während der Nacht nach dem Spiel angestaut. Am nächsten Morgen war ich dann sehr gut beraten, sofort ins Krankenhaus zu fahren. 

Wie häufig kommt diese Verletzung im Profifußball vor?

Julian Koch: Mir sind nur sehr wenige Fälle bekannt. Christian Ziege hatte damit große Probleme, als er für Tottenham Hotspurs spielte. Grundsätzlich ist das eine sehr seltene Verletzung.

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