19.11.2011

Dortmunds Fanbeauftragter Sebastian Walleit im Interview

»Mehr Verantwortung für die Fans«

Sollen sie doch Meister werden, sagen die Anhänger von Borussia Dortmund vor dem Gipfeltreffen bei Bayern München, wir haben die besten Fans! Dortmunds Fanbeauftragter Sebastian Walleit über das Selbstvertrauen der Szene, die Polizei in München und Reisen nach Ausschwitz.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago


Auf was müssen sich die BVB-Fans bei ihrem Besuch in München sonst noch einstellen?

Sebastian Walleit: Auf einen durchaus restriktiven Kurs der Polizei. Die Polizei in München fackelt nicht lange. Eine klare Ansage und das war es dann. Gastfreundschaft sieht anders aus. Aber es ist häufig etwas schwieriger in Süddeutschland. Das Problem ist, dass viele der eingesetzten Polizisten einfach nicht wissen und verstehen, wie Fußball-Fans ticken. Es gibt eine Linie und die wird konsequent durchgezogen.

Auch wenn der Tabellenführer gegen den Zweiten spielt, ist die Partie Bayern gegen Dortmund kein Risikospiel.

Sebastian Walleit: Sicher nicht. Okay, die Bayern-Ultras machen schon ein bisschen Stimmung, aber in der Allianz-Arena findet man doch vor allem das klassische Zuschauer-Publikum. Auf Dortmunder Seite belächelt man das Ganze ein bisschen. Viele BVB-Fans denken sich: Mein Gott, dann sollen die halt Meister und Champions League-Sieger werden, dann haben die eben die bessere Mannschaft, aber der BVB hat auf jeden Fall die besseren Anhänger.

Manuel Neuer wurde von den Bayern-Ultras alles andere als mit offenen Armen empfangen. Wie wäre das erst bei einem Wechsel von Schalke zu Borussia Dortmund gewesen?

Sebastian Walleit: Das male ich mir erst gar nicht aus…

Auf Klub-Seite hat man dann den Dialog mit den Vertretern der Bayern-Ultras gesucht und die Situation auf diese Weise recht schnell beruhigen können.

Sebastian Walleit: Es ist auch ein Zeichen für eine funktionierende Fan-Arbeit. Was genau vereinbart wurde, weiß ich natürlich auch nicht. Es gab auf jeden Fall gute Gespräche mit einem neutralen Mediator, bei denen sich alle Seiten zusammengesetzt haben und auch erklärt wurde, warum die Bayern-Ultras das machen. Uli Hoeneß soll ja auch dabei gewesen sein.

Manuel Neuer hat offensichtlich akzeptiert, bestimmte, von den Ultras aufgestellte Verhaltensregeln zu beachten. Viele Außenstehende konnten nicht nachvollziehen, dass sich einer der besten Torhüter der Welt so etwas gefallen lässt.

Sebastian Walleit: Für die Bayern-Ultras ist Neuer zuerst mal nicht als weltbester Torwart, sondern als Schalke-Ultra nach München gekommen. Als ehemaliger Gelsenkirchener Ultra versteht Neuer, wie die Jungs ticken und dass man sich in seiner Situation respektvoll verhalten sollte. Man stelle sich das mal vor, ein Schalke-Ultra im FC Bayern-Mannschaftsbus auf dem Weg zum Spiel nach Gelsenkirchen…

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