Dorinel Munteanu im Interview

„Wir möchten nicht verlieren“

Dorinel Munteanu ist 39 Jahre alt, doch immer noch rüstig. Heute abend tritt er für Rumänien gegen Deutschland an. Vorab sprachen wir mit ihm über Nachholbedarf in seinem Heimatland, Disziplin und einen Vergleich mit Lothar Matthäus. Imago

Herr Munteanu, wie viele Eintrittskarten für das Länderspiel mussten Sie in Köln auftreiben?

Oh, erinnern Sie mich nicht daran. Es waren sehr viele Bekannte, die ins Stadion kommen wollen. Ich habe den 1. FC Köln zwar vor acht Jahren verlassen, aber wir leben immer noch in der Nähe dieser schönen Stadt. Ich freue mich wahnsinnig auf dieses Spiel.

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Es wird Ihr 134. Länderspiel sein. Sie sind 39 Jahre alt und damit so etwas wie der Lothar Matthäus des rumänischen Fußballs. Fühlen Sie sich geehrt?

Wenn Sie so wollen – bitte schön.

Matthäus spielte noch mit 40 und brachte es auf 150 Länderspiele. Ist das Ihr Ziel?

Mein Ziel? Nein, bestimmt nicht. Ich möchte Spaß auf dem Platz haben und hoffe, dass ich unserer Mannschaft noch helfen kann.

Die rumänische Auswahl ist seit Mai des vergangenen Jahres ungeschlagen. Was macht die Mannschaft so stark?

Da kommen einige Faktoren zusammen. Aber das Wichtigste ist, dass wir in Victor Piturca endlich einen Trainer haben, der viel Wert auf Disziplin legt. Gute Fußballer hatten wir eigentlich immer, nur gab es viele Egoismen. Unsere Qualitäten kommen jetzt besser zum Vorschein.

Rumänien ist wie Deutschland in der EM-Qualifikation ohne Niederlage. Was würde eine EM-Teilnahme bedeuten?

Das werde ich Ihnen sagen: Wir waren seit sieben Jahren nicht mehr bei einem großen Turnier dabei. Bei der EM im kommenden Sommer zu spielen, wäre von vitaler Bedeutung. Der rumänische Fußball hat viel aufzuholen gegenüber Ihrem Land zum Beispiel. Es geht nicht um so schöne Stadien, die uns fehlen. Der rumänische Verband braucht mehr Anerkennung und Geld, um das Niveau des Fußballs insgesamt zu erhöhen.

Sie haben zweimal gegen Deutschland gespielt, 1998 und 2000. Beide Spiele endeten 1:1. Beim 5:1-Sieg über Deutschland fehlten Sie. Kann Rumänien mit Ihnen nicht gegen Deutschland gewinnen?

Wenn das so wäre, wäre es wirklich schade. Aber bedenken Sie, wir reden über völlig verschiedene Fußballzeiten. 1998 war Berti Vogts noch Bundestrainer, 2000 Erich Ribbeck. Unter Jürgen Klinsmann und vor allem Joachim Löw hat sich die Mannschaft stark entwickelt. Der deutsche Fußball bringt wieder viele Talente hervor. Die Mannschaft ist jung und trotzdem sehr stabil.

Außerdem ist es ja nur ein Freundschaftsspiel ...

Für uns gibt es gegen eine große Fußballnation wie Deutschland keine Freundschaftsspiele, wenn Sie verstehen, was ich damit meine. Das Duell hat eine große Bedeutung in meiner Heimat. Wir sind stolz, dass man uns ausgesucht hat als Gegner. Die Deutschen haben dafür strenge Kriterien. Ich glaube, das hat mit unseren starken Leistungen zu tun. Deswegen möchten wir nicht verlieren.

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