16.04.2009

Dirk Mankowski über sein Praktikum bei Real

»Wie die Kronjuwelen«

Dirk Mankowski trainierte 2003 den Halleschen FC und flog für ein Praktikum zum erfolgreichsten Klub der Welt. In Madrid schwebte er mit dem Geier und diskutierte mit del Bosque. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Herr Mankowski, wie wird man Praktikant bei Real Madrid?

Mit Glück und über Kontakte. Unser damaliger HFC-Aufsichtsrat Herr Klose war hauptberuflich bei den Stadtwerken Halle tätig. Während einer Geschäftsreise nach Madrid wurde das Praktikum dann eingefädelt, auch bei den Madrider Stadtwerken saßen Menschen mit einem guten Draht zum Fußball.



Und dann haben Sie Ihren Koffer gepackt, einen Stapel Notizblöcke und sind nach Spanien geflogen?

So ähnlich. Das Praktikum sollte neun Tage dauern, und zu einem günstigen spielfreien Termin Ende März, Anfang April 2003 bin ich nach Madrid geflogen. Übrigens zusammen mit dem damaligen Trainer der 1. B-Jugend, Reinhard Kansy.

Wie war die damalige Stimmung beim Halleschen FC?

Die Zeit war großartig. Seit 2002 war ich Cheftrainer im Verein, höchst motiviert und ambitioniert. Als ich anfing, war die Stimmung durch Insolvenzgedanken unten, aber mit dem Erfolg in der Oberliga Süd hatten auch die Stadt und die Sponsoren wieder Lust auf den HFC. Bei Spielen gegen Jena, Sachsen Leipzig und Magdeburg, den alten Oberliga-Duellen aus der ehemaligen DDR, war richtig was los. Das waren Fußballfeste. Insofern passte das Praktikum bei Real Madrid hervorragend zu unserer damaligen Aufbruchstimmung. Die Zeitungen haben das richtig ausgeschlachtet: ein »Bild«-Reporter und ein Kamerateam vom MDR waren mit in Spanien.

Für ein Praktikum wurde Ihnen gleich zu Beginn einiges geboten.

Wir kamen an einem Donnerstag an, und an diesem Abend spielte gleich Real gegen Barcelona. Das »Classico«! Den Besuch aus Halle hatte man aber erst am Freitag erwartet, Karten für das Spiel gab es auf normalen Weg nicht mehr zu bekommen.

Also haben Sie es sich vor dem Hotel-Fernseher gemütlich gemacht?

Von wegen. Wir sind kurz ins Hotel, Koffer abgeben, und dann gleich weiter ins Bernabeu, eine halbe Stunde vor dem Anpfiff. Für je 150 Euro haben wir doch noch Tickets bekommen. Die würde ich auch immer wieder bezahlen. Zinedine Zidane und Co. über 90 Minuten lang spielen zu sehen ist so eine Augenweide, absolute Weltklasse. So ein Spiel muss man einmal in seinem Leben erlebt haben! Eine Volksfeststimmung. Schon anders als in Deutschland. Vor allem entspannter. Für mich als Trainer ist das sogar angenehmer, ich kann mich besser aufs Spiel konzentrieren, und muss nicht alle fünf Minuten befürchten, dass mir ein Becher Bier um die Ohren fliegt. Madrid hat gegen Barca nur 1:1 gespielt, eine Woche später musste Real gegen Manchester in der Champions League ran. Wir waren zu einem ziemlich interessanten Zeitpunkt in Madrid.

Wie ging es in den nächsten Tagen weiter?

Auf der Geschäftsstelle – übrigens: sehr freundlich -  hat man uns Ausweise für das Trainingsgelände gegeben, was ganz nützlich war, weil Reals Trainer del Bosque nach dem Unentschieden gegen Barcelona ein publikumfreies Training angesetzt hatte. Normalerweise stehen da 400 Menschen und gucken bei den Übungen zu. Die waren zwar wieder da, durften aber nicht rein. Wir schon.

Dann sind Sie auf den Platz, haben den Trainer begrüßt und sich mit der Trillerpfeife daneben gestellt?

Nein, nein. Wir haben zunächst auf die kleine Tribüne neben dem Trainingsplatz gesetzt, circa 30 Meter von den Spielern entfernt. Da war so kurz nach dem Spiel gegen Barca auch nicht viel los. Auslaufen, ein paar Spielchen – mehr nicht. Am nächsten Tag haben wir uns dann mit Emilio Butrageno verabredet.

Dem Geier!

Genau, dem Geier. Der war damals einer der beiden sportlichen Direktoren. Butrageno hat uns das Stadion gezeigt, das war schon stark. Auf dem Rasen zu stehen, auf den Trainerbänken zu sitzen: ein absoluter Traum! Und was für eine Atmosphäre, obwohl außer uns kein Mensch im Stadion war. Mein Kollege aus Halle hatte eine richtige Gänsehaut. Drei Stunden hat uns der Geier das Gelände gezeigt. Das Highlight waren natürlich die heiligen Hallen mit den Pokalen und Andenken an die Real-Historie. Der Schuh von Hugo Sanchez war ausgestellt wie die Kronjuwelen von Königin Elizabeth. Und wir sind mit Butrageno wie auf einer Wolke durch die Gänge geschwebt.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden