Dirk Lottner über den Kölner Fußball

»Die FC-Fans sind einzigartig«

Dirk Lottner spielte für die beiden großen Kölner Vereine. Heute trainiert er die B-Jugend des 1. FC Köln, engagiert sich aber auch bei Sönke Wortmanns Fortuna-Projekt. Ein Gespräch über Poldi und Userabstimmungen. Dirk Lottner über den Kölner Fußball

Dirk Lottner, Sie trainieren die U-17-Mannschaft des 1. FC Köln. Haben Sie kein Wunderkind in petto, das den FC aus dem Tabellenkeller schießen könnte?

Mit Bienvenue Basala und Reinhold Yabo haben wir zwei große Talente in petto, die zwei Jahre in meiner Mannschaft gespielt haben, mittlerweile im U-19-Team stehen und bei den Profis mittrainieren. Diese beiden werden sicherlich in naher Zukunft den Schritt von der Nachwuchs- in die Lizenzabteilung schaffen.

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Warum hinken die Geißböcke den Erwartungen hinterher?

Die Mannschaft hat ein gutes Potenzial. Was in der Defensive hervorragend klappt, können die Jungs vorne noch nicht abrufen.

Woran liegt das? Viele sagen, Lukas Podolski würde nicht offensiv genug spielen.

Das ist als Erklärung zu einfach. Jeder muss selber dafür sorgen, dass er sich in eine Position bringt, in der er seine Qualitäten einsetzen kann. Lukas ist ja nicht im defensiven Mittelfeld aufgestellt, sondern spielt entweder als hängende Spitze zentral oder auf dem Flügel – genau wie in der Nationalmannschaft. Und dort trifft er ja auch.

Hapert es im Verein vielleicht an der Zuarbeit der Mitspieler?

Das Bewusstsein nach vorne zu spielen ist in der Nationalelf natürlich ausgeprägter, dort ist man auch in einer anderen Situation. Dennoch denke ich, dass die Qualität beim 1. FC Köln ausreicht, um mindestens einen gesicherten Mittelfeldplatz zu erreichen. Man hat Maniche und Podolski ja nicht geholt, um permanent gegen den Abstieg zu spielen.

Sie haben selbst fünf Jahre beim 1. FC Köln gespielt. Wie würden Sie das Umfeld und die Fans in der Domstadt beschreiben?

Die Fans sind einzigartig. In den letzten zehn Jahren wurden sie durch das ständige Auf und Ab auf eine Geduldsprobe gestellt worden. Die Zuschauerzahlen zeigen, dass die Anhänger leidensfähig sind, aber sie fordern auch Einsatzbereitschaft ein, wenn es daran mangelt.

Sie selbst werden bis heute in der Kölner Fankurve verehrt. Warum sind Sie so beliebt?

Die Antwort ist wohl eine Mischung aus sportlicher Leistung, Charaktereigenschaften und Zugänglichkeit. Meine Identifikation mit dem Verein war immer schon extrem ausgeprägt. Das ist auch genau das, was die Fans bei der aktuellen Mannschaft vermissen.

Sie machten nie einen Hehl daraus, gerne mal eine Zigarette zu rauchen. Mario Basler, der es ähnlich hielt, war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Neunziger. Vermissen Sie diese Charaktere heute?

Absolut. Die Persönlichkeitsentwicklung der Spieler ist auch bei uns im Nachwuchsbereich ein großes Thema. Man will natürlich zielstrebige, straighte Typen. Aber gerade die Spieler, die nicht in dieses Einerlei passen, machen den Unterschied aus. Sie haben das gewisse Etwas. Man braucht Spieler, die Reibungen erzeugen können. Von denen gibt es aber immer weniger.

Wer hat diese Entwicklung verursacht?

Zum einen die Vereine, die solche Spieler nicht mehr so unterstützen wie früher. Zum anderen die Medien, die sie enorm unter Beschuss nehmen.

In welche Richtung lenkt der Trainer Dirk Lottner seine Schützlinge?

Meine Spieler sollen nie vergessen, wo sie herkommen. Ich will, dass sie immer, wenn ein Fan ein Autogramm will, dies würdigen, selbst wenn sie manchmal keinen Bock darauf haben.

Die meisten Einsätze haben Sie für Fortuna Köln, den Stadtrivalen des FC, absolviert. Was halten Sie vom Projekt »deinfussballclub« von Sönke Wortmann, bei dem die Fans direkten Einfluss auf Vereinsentscheidungen haben?


Momentan bin ich in meiner Meinung gespalten. Ich bin dem Projekt als langjähriger Fortuna-Spieler beigetreten. Ursprünglich ging es darum mitzuhelfen, den Verein finanziell wieder auf gesunde Füße zu stellen. Auf der anderen Seite finde ich die Internet-Abstimmung gegen den aktuellen Trainer Matthias Mink, mit dem ich im Trainerlehrgang sitze, mehr als schizophren. Ich finde es sehr seltsam, wenn Leute, die von den Vereinsstrukturen überhaupt keine Ahnung und keinen Einblick in die tägliche Arbeit haben, in der Trainerfrage mitbestimmen.

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