04.06.2010

Dirk Drescher über sein einziges Bundesligaspiel

»Der alte Mann ist wieder da«

Am 10. August 1985 wird Dirk Drescher ins kalte Wasser geworfen: Weil sich Ralf Zumdick verletzt und Markus Croonen die Rote Karte erhält, muss der 17-Jährige ins Tor. Er hält grandios – und doch bleibt es sein einziges Profispiel.

Interview: 11Freunde Bild: imago

Dirk Drescher, am 10. August 1985 bestritten Sie erst- und letztmals ein Bundesligaspiel. Erzählen Sie, wie kam es dazu?

Ich war zu diesem Zeitpunkt Torwart der Bochumer A-Jugend. Stammtorwart der Profimannschaft war damals Ralf Zumdick, Ersatzkeeper Markus Croonen. Eine Woche vor dem ersten Saisonspiel beim 1. FC Nürnberg kam jemand vom Vorstand beim Training der A-Jugend vorbei. Ich musste die Einheit beenden und wurde zur Geschäftstelle beordert. Es hieß, Rolf Schafstall hätte etwas mit mir zu besprechen.



Klingt wie in einem Agentenfilm.

Leider kam es mir nicht vor, als hätte man mich für eine geheime Mission auserwählt.

Sondern wie im Fahrstuhl zum Schafott?

Schon eher. Doch dann teilte mir Rolf Schafstall mit, dass ich am Wochenende mit den Profis nach Nürnberg fahren werde. Nun kannte ich also endlich den Sachverhalt, doch weshalb die Anspannung auch dann noch nicht weichen wollte, können Sie sich wohl denken.

Sie saßen aber nur auf der Ersatzbank.

Markus Croonen stand an diesem Samstag gegen Nürnberg zunächst im Tor, das stimmt. Wie ich später auch, gab er ebenfalls sein Bundesligadebüt. Doch nach 25 Minuten bekam er für ein Foul die Rote Karte. Schlagartig wurde mir klar: »Jetzt musst du da rein!«

Wie haben Sie sich gefühlt?

Als sich meine Einwechslung anbahnte war ich hypernervös! Plötzlich wähnte ich mich an einem Ziel angelangt, von dem ich seit Jahren geträumt hatte, nun wollte ich es auf keinen Fall vermasseln.

Konnten Sie die Nervosität im Spiel ablegen?

Anfangs klopften mir einige Mannschaftskollegen aufmunternd auf die Schultern. Ich hatte es auch bitter nötig. Nach den ersten Bällen, die ich sicher in den Händen hielt bekam ich die Sicherheit, die ich benötigte. Danach spielte ich wie in Trance.

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