21.05.2008

Dietmar Hopp im Interview

»Ich bin kein Abramowitsch«

Hoffenheim hat den Durchmarsch in die 1. Bundesliga geschafft – und auch dort zittert man schon vor dem Mini-Riesen. Wir sprachen Mäzen Dietmar Hopp über den Aufstieg, Sozialneid und die Dönerbude in seinem Elternhaus.

Interview: Moritz Kielbassa Bild: Imago
Dietmar Hopp, 68, hat sich einen Lebenstraum erfüllt - mal wieder. Der Selfmade-Unternehmer und Mitbegründer des Softwareriesen SAP (geschätztes Privatvermögen: 6,3 Milliarden Euro) hat den Fußballverein TSG 1899 Hoffenheim als Mäzen in die Bundesliga geführt. Hopp, wegen seines bodenständig-uneitlen Auftretens »Vadder Hopp« genannt, kickte in der Jugend selbst für die TSG.



Vor 18 Jahren begann sein Engagement für den Dorfverein im nordbadischen Kraichgau. Hoffenheim hat seinen Turbo-Durchmarsch in der Kreisliga begonnen, das 5:0 am Sonntag gegen Fürth brachte den Erstliga-Aufstieg. Hopp, der auch andere Sportarten (Eishockey-Adler Mannheim, Rhein-Neckar-Löwen-Handballer), diverse Jugendförderzentren sowie zahlreiche Sozialprojekte unterstützt, hat für seine Millionen-Investitionen bei Hoffenheim auch Neid und Kritik geerntet. Die TSG gilt als Symbol des galoppierenden Fußball-Kommerzes, als Retortenklub ohne Fankultur und Tradition. Dabei stehen hinter dem Investment nachhaltige Sportkonzepte. Hopp selbst sagt: »Unsere Tradition ist die Zukunft.«

Herr Hopp, es gab Bilder, wie Sie im blauen Aufstiegs-T-Shirt (Aufschrift: 1899 % erstklassig) auf dem Rasen sitzen und mit den Spielern feiern. Die Fans sangen: »Dietmar, wir danken Dir«...

Es war ein umwerfender Tag für mich. Der Jubel war überschäumend, über 10.000 Menschen haben sich in die Messehalle von Sinsheim (benachbarte Kreisstadt, d. Red.) gedrängt, wo wir alle gefeiert haben. Ein tolles Erlebnis.

Wie wichtig ist das Projekt Hoffenheim für die Menschen in Ihrer Region?


Die Begeisterung ist viel größer, als ich mir das je ausgemalt hatte. Mir geht es um die gesamte Metropolregion Rhein-Neckar, da sprechen wir über Mannheim, Heidelberg, Heilbronn, die Pfalz, den Odenwald, bis nach Hessen rein. Ich sehe überall Fan-Potenzial.

Die Bundesliga erwartet Sie mit Respekt und Furcht. Hoffenheim gilt wegen der Geldquelle Hopp bereits als »neue Macht« im deutschen Fußball, als künftige Konkurrenz für Bayern München. Welche konkreten Schritte sind jetzt nach dem Aufstieg zu erwarten?


Ab sofort planen wir, aber spruchreif ist bis jetzt nur, dass wir die Heimspiele der Vorrunde in Mannheim austragen, das war für den Fall des Aufstiegs intern geklärt. Aber Bayern? Ach was, Unsinn! Unser Ziel heißt nächstes Jahr: Klassenerhalt, ohne Zittern.

Das jetzige Dietmar-Hopp-Stadion (6.350 Zuschauer) ist zu klein für die Bundesliga, die »Rhein-Neckar-Arena« in Sinsheim ist erst im Januar 2009 bezugsfertig: ein schmuckes Bauwerk für 50 Millionen Euro und 30.500 Fans, mit 40 Vip-Logen und 1.200 Business-Seats.

Sehen Sie! Wir haben deutlich über 100 Millionen Euro in Infrastruktur gesteckt: für ein Stadion, ein Trainingszentrum (16 Hektar, im Bau) und mehrere Jugendzentren. In Relation dazu waren die Kosten für die Mannschaft bisher verschwindend gering. Die 20 Millionen, die wir im vorigen Sommer für neue Spieler eingesetzt haben, sehe ich außerdem nicht als Ausgaben, sondern als Anlagen.

Weil alle Neuen - Carlos Eduardo, Gustavo, Vorsah, Obasi und Ba - noch jung sind, zwischen 18 und 23. Trotzdem: Für Zweitliga-Verhältnisse waren 20 Millionen sehr wuchtig. Wie viel Geld holen Sie für die erste Liga aus dem Säckel?

Wir haben eine junge Mannschaft, die noch steigerungsfähig ist. Wir planen nur mit zwei bis vier neuen Spielern - jungen Spielern, auch im Hinblick auf Transfer-Erlöse. Denn ich sage klar - der Klub soll sich irgendwann selbst tragen, schwarze Zahlen schreiben und finanziell von mir unabhängig werden. Die 20 Millionen im Vorjahr waren ein Vorgriff auf die Zukunft. Dieses Budget hatte ich für mehrere Jahre geplant - dann haben wir es aber vorgezogen. Und das war goldrichtig. Spieler wie Ba und Obasi sind inzwischen bei großen Klubs gefragt, für dieses Investment kann man sich also auf die Schulter klopfen.

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