Dietmar Hamann über FC Bayern gegen Manchester City

»Ein Finale Bayern-City würde mich nicht wundern«

Elf Jahre spielte Dietmar Hamann für den FC Bayern, drei für Manchester City. Vor dem heutigen Champions-League-Duell sprachen wir mit ihm über seine Sympathien, Financial Fairplay und seinen neuen Job in Englands fünfter Liga. Dietmar Hamann über FC Bayern gegen Manchester CityImago

Dietmar Hamann, wenn heute der FC Bayern München auf Manchester City trifft, auf welcher Seite sind Ihre Sympathien?

Dietmar Hamann: Bei den Bayern. Ich habe lange für den FC Bayern München gespielt, bei Manchester City waren es nur drei Jahre.

Wie stark schätzen Sie derzeit Manchester City ein?

Dietmar Hamann: Sehr stark. Aber das gilt auch für Bayern. Es würde mich nicht überraschen, wenn sich in acht Monaten der FC Bayern und Manchester City im Finale wieder gegenüberstehen. Durch den Einstieg der Scheichs aus Abu Dhabi 2008 sind bei den Citizens unheimliche finanzielle Möglichkeiten vorhanden. Der Klub hat auch vor dieser Saison sehr viel Geld für Neuverpflichtungen ausgegeben.

[ad]

Es heißt zwischen 80 und 100 Millionen Euro.

Dietmar Hamann: Entsprechend hoch ist die Qualität der Spieler, die Trainer Roberto Mancini zur Verfügung stehen. Und mit Neuzugang Kun Agüero verfügt Mancini über einen Stürmer, der Manchester City auf das nächste Level hebt. Der Klub will die Phalanx von Manchester United durchbrechen. Und wenn man weiter so viel Geld ausgeben kann, wird das auch gelingen.

Agüero, 43-Millionen-Neuzugang und Schwiegersohn von Diego Maradona, hat für die Citizens schon achtmal getroffen.

Dietmar Hamann: Agüero hat ohne Eingewöhnungszeit sofort eingeschlagen. Das ist schon sehr beeindruckend.

Geld schießt Tore, macht aber nicht unbedingt beliebt. Was halten Sie vom aggressiven Auftreten von Manchester City auf dem Transfermarkt?

Dietmar Hamann: Dadurch werden die Preise verdorben. Alles wird inflationär. Ich finde es gut, dass die Uefa mit den Financial-Fairplay-Richtlinien gewissen Entwicklungen einen Riegel vorschieben will. Mal schauen, wie die Regeln letztlich umgesetzt werden. Sollte das System funktionieren, werden die deutschen Vereine wohl davon profitieren. Sie gelten ja am gesündesten. Und der FC Bayern München war auch schon in der Vergangenheit konkurrenzfähig, ohne ausländischen Großinvestor.

Und wie gehen die englischen Fußball-Fans mit dem neureichen Verein in Besitz eines Scheichs um?

Dietmar Hamann: Die scheinen sich an ausländische Klubeigentümer gewöhnt zu haben und arrangieren sich weitgehend mit der Situation. Als Abramowitsch bei Chelsea einstieg, war das noch anders. Da schlugen die Wellen hoch. Jetzt ist das nicht mehr so. Manchester City hat einen sehr loyalen Fan-Support. Der Stadtrivale Manchester United polarisiert viel stärker, so wie der FC Bayern München in Deutschland. United hat sich die Abneigung mit seinen Erfolgen in den vergangenen 15, 20 Jahren auch hart erarbeitet.

Sie wohnen heute in Manchester und haben davor lange Jahre in Liverpool gelebt, das nur 40 Kilometer entfernt ist – wo spielt der Fußball eine größere Rolle?

Dietmar Hamann: Beides sind absolute Fußballstädte. Aber Liverpool ist vielleicht noch einen Tick mehr mit dem Fußball verbunden, der Enthusiasmus noch ein bisschen größer. Nicht Manchester United gegen Manchester City, sondern der FC Liverpool gegen Manchester United ist das größte Derby.



Sowohl Manchester als auch Liverpool gelten nicht als Perlen unter den europäischen Städten. Doch Sie scheinen sich im Nordwesten Englands sehr wohl zu fühlen.

Dietmar Hamann: Manchester hat sich gemacht. Das gilt auch für Liverpool, das 2008 ja Europas Kulturhauptstadt war. Ich fühle mich hier in Nordengland sehr wohl. Die Leute sind sehr offen, die Atmosphäre ist angenehm, weniger stressig, alles ist etwas relaxter als in Deutschland.

Eine Rückkehr nach Deutschland kommt also nicht in Frage?

Dietmar Hamann: Ich schließe nichts aus. Mal schauen, wo es Arbeit für mich gibt. Aber ich würde sehr gerne hier in England bleiben.

Seit Juli 2011 sind Sie Trainer bei Stockport County, einem Klub im Süden von Manchester, der in der fünften Liga spielt.

Dietmar Hamann: Der Klub ist zweimal in Folge abgestiegen, hat aber eine Supertradition und eine sehr treue Anhängerschaft. Wir hatten bei den bisherigen Heimspielen in dieser Saison 3500 bis 4000 Zuschauer. Fünfte Liga in England kann man nicht mit fünfter Liga in Deutschland oder Italien vergleichen.

Dennoch ist es eine andere Fußballwelt als beim FC Liverpool oder bei Manchester City.

Dietmar Hamann: Ich trainiere mit meiner Mannschaft täglich unter Profibedingungen. Ziel ist es, den Klub wieder in die Football League zu bringen. Und für mich bietet sich hier die Möglichkeit, alles von klein auf zu lernen. Es ist ein sehr guter Einstieg in den Job als Teammanager. Ich muss Gespräch mit Beratern führen und über Verträge verhandeln. Als ich kam, hatte ich gerade mal acht Spieler, jetzt sind es 22.

Zwei Abstiege in Folge – was waren die Gründe für den Niedergang?

Dietmar Hamann: Der Verein hatte finanzielle Probleme, nachdem neue Besitzer ihn übernommen hatten. Das waren 13 Fans, die heute noch die Shareholder sind. Wir versuchen jetzt, den Klub wieder auf eine professionelle Basis zu stellen. Und das macht richtig Spaß. Ich freue mich, dass Stockport mir die Chance gibt, hier zu arbeiten.

In den elf Partien dieser Saison spielte Ihr Team achtmal unentschieden. Und damit nicht genug: es hieß am Ende achtmal 1:1.

Dietmar Hamann: Das ist wirklich unglaublich. Ich weiß nicht, ob es so etwas schon mal gegeben hat.

Sie stehen vor dem Anpfiff in der Kabine und geben jedes Mal ein 1:1 als Ziel aus?

Dietmar Hamann: (lacht) Nein, natürlich nicht. Aber unentschieden zu spielen, ist immer noch besser als zu verlieren.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!