27.09.2011

Dietmar Hamann über FC Bayern gegen Manchester City

»Ein Finale Bayern-City würde mich nicht wundern«

Elf Jahre spielte Dietmar Hamann für den FC Bayern, drei für Manchester City. Vor dem heutigen Champions-League-Duell sprachen wir mit ihm über seine Sympathien, Financial Fairplay und seinen neuen Job in Englands fünfter Liga.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Dietmar Hamann, wenn heute der FC Bayern München auf Manchester City trifft, auf welcher Seite sind Ihre Sympathien?

Dietmar Hamann: Bei den Bayern. Ich habe lange für den FC Bayern München gespielt, bei Manchester City waren es nur drei Jahre.

Wie stark schätzen Sie derzeit Manchester City ein?

Dietmar Hamann: Sehr stark. Aber das gilt auch für Bayern. Es würde mich nicht überraschen, wenn sich in acht Monaten der FC Bayern und Manchester City im Finale wieder gegenüberstehen. Durch den Einstieg der Scheichs aus Abu Dhabi 2008 sind bei den Citizens unheimliche finanzielle Möglichkeiten vorhanden. Der Klub hat auch vor dieser Saison sehr viel Geld für Neuverpflichtungen ausgegeben.



Es heißt zwischen 80 und 100 Millionen Euro.

Dietmar Hamann: Entsprechend hoch ist die Qualität der Spieler, die Trainer Roberto Mancini zur Verfügung stehen. Und mit Neuzugang Kun Agüero verfügt Mancini über einen Stürmer, der Manchester City auf das nächste Level hebt. Der Klub will die Phalanx von Manchester United durchbrechen. Und wenn man weiter so viel Geld ausgeben kann, wird das auch gelingen.

Agüero, 43-Millionen-Neuzugang und Schwiegersohn von Diego Maradona, hat für die Citizens schon achtmal getroffen.

Dietmar Hamann: Agüero hat ohne Eingewöhnungszeit sofort eingeschlagen. Das ist schon sehr beeindruckend.

Geld schießt Tore, macht aber nicht unbedingt beliebt. Was halten Sie vom aggressiven Auftreten von Manchester City auf dem Transfermarkt?

Dietmar Hamann: Dadurch werden die Preise verdorben. Alles wird inflationär. Ich finde es gut, dass die Uefa mit den Financial-Fairplay-Richtlinien gewissen Entwicklungen einen Riegel vorschieben will. Mal schauen, wie die Regeln letztlich umgesetzt werden. Sollte das System funktionieren, werden die deutschen Vereine wohl davon profitieren. Sie gelten ja am gesündesten. Und der FC Bayern München war auch schon in der Vergangenheit konkurrenzfähig, ohne ausländischen Großinvestor.

Und wie gehen die englischen Fußball-Fans mit dem neureichen Verein in Besitz eines Scheichs um?

Dietmar Hamann: Die scheinen sich an ausländische Klubeigentümer gewöhnt zu haben und arrangieren sich weitgehend mit der Situation. Als Abramowitsch bei Chelsea einstieg, war das noch anders. Da schlugen die Wellen hoch. Jetzt ist das nicht mehr so. Manchester City hat einen sehr loyalen Fan-Support. Der Stadtrivale Manchester United polarisiert viel stärker, so wie der FC Bayern München in Deutschland. United hat sich die Abneigung mit seinen Erfolgen in den vergangenen 15, 20 Jahren auch hart erarbeitet.

Sie wohnen heute in Manchester und haben davor lange Jahre in Liverpool gelebt, das nur 40 Kilometer entfernt ist – wo spielt der Fußball eine größere Rolle?

Dietmar Hamann: Beides sind absolute Fußballstädte. Aber Liverpool ist vielleicht noch einen Tick mehr mit dem Fußball verbunden, der Enthusiasmus noch ein bisschen größer. Nicht Manchester United gegen Manchester City, sondern der FC Liverpool gegen Manchester United ist das größte Derby.

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