Dietmar Demuth über Babelsberg-Stuttgart

»Wir bleiben realistisch«

Vor vier Jahren hat der VfB Stuttgart den SV Babelsberg 03 aus dem DFB-Pokal geworfen. Am 14. August kommt es zur Neuauflage. Wir sprachen mit dem Babelsberger Trainer Dietmar Demuth über alte Rechnungen. Dietmar Demuth über Babelsberg-Stuttgart

Als Dietmar Demuth am 6. Februar 2002 mit seinem Stammverein FC St. Pauli als Tabellenletzter überraschend mit 2:1 gegen den FC Bayern München gewann, ließen die Hamburger T-Shirts mit dem Aufdruck »Weltpokalsiegerbesieger« drucken. Acht Jahre später steht der Ex-Profi (FC St. Pauli, Bayer Leverkusen und Kickers Offenbach) zwar nicht mehr in Diensten der Hamburger. Dennoch hat Demuth noch einmal die Chance im DFB-Pokal für ähnlich großes Aufsehen zu sorgen. Als Trainer des SV Babelsberg 03 möchte der Drittliganeuling in der ersten Runde den großen VfB Stuttgart aus dem Pokal schmeißen.

Dietmar Demuth, zum Saisonstart haben Sie drei Punkte gegen die Reservemannschaft von Bayern München geholt. Diesmal waren es nur die kleinen Bayern. Wurden trotzdem Erinnerungen an den »Weltpokalsiegerbesieger« wach?

Das war ein anderes Gefühl, aber auch eine ganz andere Konstellation. In der ersten Liga wird viel schneller gespielt. Dennoch war der Sieg für Babelsberg sehr wichtig. Mit einem Heimspielsieg in die Saison zu starten gibt natürlich Selbstvertrauen.

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Mit Hermann Gerland und Gerd Müller saßen zwei ehemalige Bundesligaprofis auf der Bayern-Bank. Zu ihren aktiven Zeiten haben Sie noch gegeneinander gespielt. Verbindet Sie heute noch etwas?


Nein. Man kennt sich, grüßt und schätzt sich. Aber der Müller hat gegen tausend Leute gespielt – der kann sich mit Sicherheit nicht an jeden erinnern. Umgekehrt ist das natürlich schon anders. Wenn ein Spieler wie Gerd Müller vier Tore gegen einen schießt, dann kann man sich daran noch gut erinnern.

Im Pokal spielt Ihre aktuelle Mannschaft, der SV Babelsberg 03, gegen den VfB Stuttgart. 2006 ist Babelsberg in der zweiten Runde gegen die Schwaben ausgeschieden. Haben Sie noch eine Rechnung zu begleichen?


Das bringt zwar zusätzliche Brisanz, aber wir sehen das realistisch genug, um zu wissen, dass unsere Chance sehr gering ist. Andererseits haben wir schon vier Pflichtspiele absolviert und die Stuttgarter spielen ihr erstes. Außerdem haben wir im Pokal in den letzten Jahren immer recht gut abgeschnitten. Gegen Leverkusen haben wir nur 0:1 verloren und im Jahr zuvor gegen den späteren Aufsteiger Mainz erst in der Verlängerung. So leicht werden wir das Ding also auch nicht herschenken.

Das Karl-Liebknecht-Stadion gleicht wegen des Neubaus des K-Blocks teilweise einer Baustelle. Sehen Sie das als Problem?

Der Ausfall der Tribüne wird nicht so sehr ins Gewicht fallen. Ich hoffe einfach, dass von den Zuschauern etwas rüberkommt. Ich würde ich mir wünschen, dass man sich hier in Babelsberg auch mal zum Verein bekennt, dass man ein bisschen stolz ist und mal eine Fahne ins Stadion mitnimmt. Damit es ein bisschen bunter wird.

Mit dem SV Babelsberg schafften Sie nach sieben Jahren Abstinenz die Rückkehr in den Profifußball. Planen Sie langfristig schon wieder für die Zweite Liga?


Das sollte schon das Ziel sein. Wobei wir auch realistisch genug sind und den Verein erst einmal Schritt für Schritt weiter nach vorne bringen wollen. Wir sind zwar momentan im sportlichen Bereich wieder auf einem guten Weg, aber das Umfeld muss noch wachsen. Wir müssen jetzt erstmal versuchen, die dritte Liga zu halten und dann den nächsten Schritt machen.

Ihre Mannschaft hat einen Altersdurchschnitt von 23,8 Jahren. Zudem haben Sie zu Saisonbeginn fast ausschließlich jüngere Spieler geholt – unter anderem aus der Reserve von Borussia Dortmund und Bayern München. Trauen Sie einigen dieser Spieler einen ähnlichen Sprung zu wie letztes Jahr ein Thomas Müller bei Bayern München?

Auf alle Fälle. Wenn man sieht, was einzelne Spieler jetzt schon für einen Schritt gemacht haben und wenn man weiß, dass da noch wesentlich mehr Potential drin ist, dann ist das gut möglich. In Deutschland hat sich in der Richtung allgemein einiges getan. Aus den Jugendinternaten der Erstligamannschaften kommen sehr gute Spieler nach. Da ist mir nicht bange für um den deutschen Fußball.

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